Maulburg Die Arbeit konsequent fortgeführt

Hans-Jürgen Hege
Die neuen Ehrenmitglieder (von links): Rolf Henschel, Günter Wassmer, Mario Manea, Hermann Lovse, Christel Rothenhäusler, Gerd Arzet und Georg Diehl. Foto: Hans-Jürgen Hege

Vor 20 Jahren scharten sich Geschichts- und Kulturinteressierte in der „Blume“ um Georg Diehl und Gerd Arzet in der erklärten Absicht zusammen, „das Geschichts- und Kulturgut der gemeinde Maulburg“ zu fördern.

Von Hans-Jürgen Hege

Maulburg. Diehl wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt, Arzet zum Stellvertreter. Sie organisierten Ausstellungen, Exkursionen, Vorträge, Kulturfahrten ins In- und Ausland. Kurz: Der damalige Vorstand habe – so der neue Vorsitzende Christof Schwald bei der Geburtstagsfeier im Rathaussaal – bis zum Rücktritt vor wenigen Monaten „die Ziele des Vereins vorbildlich umgesetzt.“

Keine Sturzgeburt

Es wäre zu bescheiden, würde man die Geschichte des Vereins auf die Jahre ab 2002 begrenzen. „Die Vereinsgründung war keine Sturzgeburt, sondern Jahrzehnte in Planung“, sagte Schwald. Sie sei eigentlich die konsequente Fortsetzung der Vorarbeit rühriger Männer wie Willi Roth oder Friedrich Dreher gewesen, die bereits einige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs begannen, ihre Gedanken nicht nur nach vorn zu richteten, wie es nach einem solch verheerenden Krieg verständlich gewesen wäre, sondern zunehmend auch konzentrierte Blicke nach hinten zu riskieren.

Das Dorf hatte sich zur selbstbewussten Industriegemeinde gemausert. Ein „neues Selbstwertgefühl“ machte sich breit, Julius Müller schrieb „Maulburger Geschichten“ über „Gestern und Heute“, Günter Wassmers Forschungen führten zur Dorfchronik und gleichzeitig arbeitete die Gemeinde an der Aufarbeitung der nicht so ruhmreichen Vergangenheit und setzte mit der Jumelage mit St. Loup ein deutliches Zeichen der Versöhnung zweier ehemals zerstrittener Länder.

Mutter und Hebamme

Er sehe Diehl als „Mutter“ des Vereins, als Ideengeber in Sachen Kunst, Kultur und Ausstellungen, Arzet sei so etwas wie die „Hebamme“ gewesen, ein Wegbereiter, sagte Schwald. Die beiden brauchten aber auch Arme und Beine, sagte Schwald und schrieb diese Körperteile Mario Manea, Hermann Lovse und Günter Wassmer zu, die „Techniker“, die Kleindenkmale herrichteten und pflegten, Tafeln aufstellten, Kalender entwickelten und nicht zuletzt ein umfangreiches Archiv voller digitalisierter Bilder, Dias und Schriften zusammenstellten, während Christel Rothenhäusler sich als Organisationstalent, Impulsgeberin und Schaltzentrale unentbehrlich machte.

Aus diesem Grund habe sich der Vorstand entschlossen, insgesamt sieben „Ehemalige“, die zum Teil 20 Jahre im Verein aktiv waren, zu Ehrenmitgliedern zu ernennen, gab Schwald bekannt und versicherte, dass sich das neue Team bemühe, die Arbeit der Gründer fortzusetzen. Aber er verhehlte auch nicht: „Für uns hat jetzt eine neue Zeit begonnen.“

Arbeitsgruppen wurden gebildet, die ihr Engagement auf Kunst und Kultur, Archivierung, Schulkooperationen und Denkmalpflege konzentrieren werden. Erste Ergebnisse seien vielversprechend, betonte Schwald, dessen Team aktuell eine Fahrt am 1. November nach Baden-Baden sowie eine Neujahrsausstellung in der Schule plant, mit Arbeiten an den Entegastquellen begonnen hat und wieder geschichtsträchtige Exkursionen im Programm haben wird. Schwald warb um Unterstützung, um die Vereinsarbeit nicht nur fortführen, sondern auch ausbauen zu können.

Dynamische Zukunft

Die Unterstützung der Gemeinde sagte in seinem Grußwort Bürgermeister Jürgen Multner zu. Er dankte im Namen der Gemeinde, die an einer dynamischen Zukunft des Vereins größtes Interesse habe, für „hervorragende Leistungen“. Er bescheinigte dem Verein, „unglaublich viel fürs Dorf getan und alle gesteckten Ziele erreicht“ zu haben.

Bemerkenswert sei, dass so viele Gründungsmitglieder an Bord geblieben seien. Im Interesse aller hoffe er, dass es gelingt, auch junge Menschen für Kunst und Geschichte zu begeistern. „Um zu zeigen, dass wir es ernst meinen mit der Unterstützung und der Anerkennung eurer Arbeit, erlassen wir die normalerweise fällige Saalmiete“, sagte der Bürgermeister.

Historiker referiert

Der Abend begann mit einem spannenden Vortrag über die „Zeitenwende 1919 bis 2023“ des Lörracher Historikers Hubert Bernnat, dem es unter Einbeziehung örtlicher Ge- und Begebenheiten gelang, in Teilen beklemmende, vielleicht auch beängstigende Parallelen in der Entwicklung Deutschlands während der Weimarer Republik mit Inflation, Materialknappheit, niedrigen Löhnen, Arbeitslosigkeit, mangelhafter medizinischer Versorgung oder Armut weiter Bevölkerungsschichten zur heutigen, von Kanzler Olaf Scholz angekündigten, durch Krieg, Zerstörung und Energieknappheit und Inflation bedingten „Zeitenwende“ 2023 aufzuzeigen.

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