Maulburg Eine zweite Heimat für Jugendliche

Nicht mehr wegzudenken ist das Dorfstübli in Maulburg.Foto: Harald Pflüger (Archiv) Foto: Markgräfler Tagblatt

Tobias Hohenstatter berichtete in der Gemeinderatssitzung am Montagabend über die Perspektiven des Dorfstüblis. Es sei eine Einrichtung, die nicht mehr aus dem Dorfleben wegzudenken ist, so Hohenstatter. Er freut sich darüber, dass es „in Maulburg viele nette Menschen“ gibt, die ihn unterstützen. „Das Dorfstübli lebt. In den letzten zweieinhalb Jahren gab es über 30 Konzerte, von denen fast alle sehr gut besucht waren.“

Von Christoph Schennen

Maulburg. Während das Dorfstübli am Wochenende ein Treffpunkt für Musikliebhaber ist, versammeln sich dort in der Woche Schüler und Eltern, zum Beispiel zum Schülerlabor und zum Elternfrühstück.

Die Corona-Pandemie freilich hat das Haus lahmgelegt, es musste geschlossen werden. Um es wieder eröffnen zu können, erstellte Leiter Tobias Hohenstatter ein Hygienekonzept, um „so viele Angebote wie möglich wieder anfahren zu können“.

„Es gibt ein Hygienekonzept für alle Gruppen. Nach dem Treffen einer Gruppe müssen wir putzen und desinfizieren. Das gelingt uns, ist aber mit einem hohen Aufwand verbunden“, erklärt der Mitarbeiter der Kaltenbach-Stiftung, die Träger des Dorfstüblis ist. Der eingeschränkte Betrieb habe gut funktioniert, die Waldwoche ebenso wie die Dorfstübli-Wochen. „Innerhalb einer Stunde waren die Angebote ausgebucht - außer Tennis“, sagt Hohenstatter.

Jugendarbeit stärken

„Ich sehe mich auch als Vertreter der Jugendarbeit in Maulburg. Sie muss weiterlaufen. Der logische Schritt ist ein Jugendraum“, fügt er hinzu. Der Jugendraum befindet sich unter dem Hallenbad. Dort können sich Jugendliche ab 15 Jahren zu gemeinsamen Unternehmungen treffen. Sie wurden bisher von Clarissa Guth betreut, die aufgrund einer Wohnsitzverlagerung ihren Job in Maulburg aufgegeben hat. Seit sie weg ist, ist der Jugendraum geschlossen. Clarissa Guth habe in elf Jahren super Arbeit geleistet. Ein Manko sei es, dass es beim Jugendraum keine Konstanz gebe.

„Es ist mein Wunsch, dass wir die Jugendarbeit stärken und ausbauen“, sagt Hohen­statter. Der Maulburger Jugendtreff sei für die Heranwachsenden zu einer „zweiten Heimat“ geworden. Wichtig sei, dass es für sie eine Bezugsperson, einen Ansprechpartner und verlässliche Öffnungszeiten gebe. Weil man keine Nachfolge für Clarissa Guth gefunden habe, müsse man die Jugendarbeit im Dorf anders organisieren. „Ich bin dafür, die Jugendarbeit an das Dorfstübli anzugliedern“, schlägt Hohenstatter vor. Er stünde für die Betreuung der Jugendlichen nur dann zur Verfügung, wenn er die Betreuung der Ganztagsschüler abgeben könne. Das würde bedeuten, dass er zusätzlich zu seiner Dorfstübli-Arbeit zwei zusätzliche Abende arbeiten müsse - für ihn sei das kein Problem, so Hohenstatter. Er werde voraussichtlich unterstützt von Raphael Küttner und einer Bundesfreiwilligenleistenden.

AWO-Schülerbetreuung

Hohenstatter arbeitet derzeit auch als Schülerbetreuer bei der Arbeiterwohlfahrt, wo er montags, dienstags und donnerstags über den Mittag Schüler betreut (acht Stunden in der Woche). Seine Vollzeitstelle gliedert sich auf in 80 Prozent Dorfstübli-Betreuung und 20 Prozent Ganztagskinder-Betreuung. Letztere würde für ihn durch die Übernahme der Jugendarbeit (20 Prozent, acht Stunden in der Woche) wegfallen.

Gemeinderätin Ina Pietschmann, die Vorsitzende der AWO Maulburg ist, wünscht sich, dass Hohenstatter wenigstens dreimal in der Woche die Projektstunde bei der Grundschulbetreuung fortführt, falls er die Jugendarbeit übernimmt. Das lehnt Hohenstatter aber ab, wie er gestern auf Anfrage mitteilte. „Ich kann nicht nur die Projektstunde machen“, so der 42-Jährige.

Bürgermeister Jürgen Multner sagte, wenn der Schulcampus fertig gestellt sei, müsse man überlegen, ob es nicht sinnvoll sei, die Nachmittagsbetreuung neu auszuschreiben. Er lobte Hohenstatters Arbeit für die Gemeinde: „Sie sind total engagiert und mit ganzem Herzblut dabei.“ Ähnlich äußerte sich Heidrun Seidensticker (FWM). Georg Racke (SPD) brachte die Idee in die Sitzung, eine zweite Stelle für das Dorfstübli zu schaffen und eine 30- bis 50-prozentige Stelle für den Schulcampus (Nachmittagsbetreuung et cetera).

Die Jugendlichen, für die der Jugendraum demnächst zum neuen Treffpunkt werden soll, kennt Hohenstatter bereits. Sie treffen sich derzeit beim Teenstreff, in der Mädchengruppe oder beim Robotreff im Dorfstübli. „Die Kids können den Jugendraum gut erreichen und er hat sich etabliert“, sagt Hohenstatter. Eine Entscheidung über die mögliche Deputatsverlagerung zugunsten der Jugendarbeit wurde in der Sitzung noch nicht getroffen, steht demnächst aber an.

Der Countdown läuft! Jetzt bis zum Jahresende gratis lesen. Schnell HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Alexej Nawalny

Der Fall Nawalny bringt die Bundesregierung in Zugzwang, sollte Moskau bei der Aufklärung weiterhin mauern. Ist eine Neuausrichtung der deutschen Russland-Politik jetzt unvermeidbar?

Ergebnis anzeigen
loading