Maulburg Energiewende: Geräuschloser Beitrag

Maulburg - „Es freut mich, dass das Wasser, das bisher ungenutzt vom Kanal in die Wiese geschossen ist, nun seinen Zweck erfüllt und Strom produziert, der aus erneuerbaren Ressourcen kommt“, sagte Bürgermeister Jürgen Multner und drückte zusammen mit Vertretern der Energiedienst Holding und Einrichten Schweigert auf einen „Roten Knopf“, um das Wasserkraftwerk an der Wiese symbolisch in Betrieb zu nehmen.

Es ist das zweite Kraftwerk, das Einrichten Schweigert mitbetreibt, und das nach bisher 400 weitere 300 Haushalte der Gemeinde mit Ökostrom beliefert. Und Jörg Reichert, seit Anfang April neuer Geschäftsführer der ED-Holding, bekannte: „Wir freuen uns, mit der Inbetriebnahme dieses Kraftwerks einen neuen Höhepunkt in unserer Zusammenarbeit mit Einrichten Schweigert feiern zu können.“

Vom Innenleben des Kleinwasserkraftwerks, das in den zurückliegenden 24 Monaten gebaut wurde und in der Planungsphase etliche Genehmigungsverfahren zu überstehen hatte, konnten sich die Maulburger beim „Tag der offenen Tür“ am Freitag überzeugen. Die Anlage befindet sich am Auslauf des Gewerbekanals in die Wiese. Das Investitionsvolumen lag bei rund 1,5 Millionen Euro.

Bisher, so die Betreiber der „Wasserkraftwerke Maulburg“ (WKM), ein Gemeinschaftsunternehmen von Einrichten Schweigert und Energiedienst, flossen rund acht Kubikmeter Wasser pro Sekunde „energetisch ungenutzt vom Kanal zurück in die Wiese“. Da die Fallhöhe an dieser Stelle bis zu 3,40 Meter beträgt, habe sich der Betrieb einer Wasserkraftschnecke als wirtschaftlichste und ökologischste Lösung angeboten.

Dass diese Lösung nun auch umgesetzt wurde, erfüllt nicht nur WKM-Geschäftsführer Thilo Schweigert, sondern auch Maulburgs Bürgermeister mit Stolz. Besonders zufrieden registrierte Jürgen Multner, dass der Bau realisiert werden konnte, obwohl er eine Zeitlang auf der Kippe stand, nachdem sich im Genehmigungsverfahren herausgestellt hat, „dass die Wasserkraftschnecke, die kurz vorher in doppelter Ausführung in Hausen realisiert worden ist, hier an der Wiese plötzlich nicht mehr als Fischabstieg genehmigt wird“. Nicht alle Entscheidungen und Bescheide von Behörden müsse man verstehen, sagte der Bürgermeister, „mir hat sich das jedenfalls nicht erschlossen“.

Multner hob dann einen weiteren Vorteil der Wasserkraftnutzung hervor, der sich für ihn schon herauskristallisiert habe, als das Land den Windkraftatlas veröffentlichte. Er habe geahnt, dass es über die Errichtung von Handymasten und Windkraftanlegen „extrem polarisierende Debatten“ in den Gemeinden geben würde, die solche Standorte auf ihren Gemarkungen ausgewiesen bekommen hatten. Da sei es ihm doch entschieden lieber, auf Maulburger Gemarkung Objekte realisieren zu können, „die relativ geräuschlos genau den angestrebten Zweck erfüllen“ und als gelungener Beitrag zur Energiewende gelten können.

Der „Tag der offenen Tür“ war professionell vorbereitet. Für die zahlreichen Besucher standen Elektro-Fahrräder sowie Elektrofahrzeuge mit Fahrern zur Verfügung, die zwischen Schweigerts Parkplatz und dem Kraftwerk pendelten. An zwei Food-Trucks, einem Getränkestand und einem Eiswagen wurden die Gäste zwischen den Rundgängen kulinarisch verwöhnt, für „kleines Geld“, das die Veranstalter am Ende des Tages für einen wohltätigen Zweck spendeten.

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