Maulburg - Verstopfte Straßen und erhitzte Gemüter: Seit auf der Bundesstraße bei Maulburg im Zuge der Bauarbeiten an der Anschlussstelle Ost vor zwei Wochen die Behelfsbrücke installiert wurde, läuft es nicht mehr rund – und zeitweise auch gar nicht mehr. Grund: Die Behelfsbrücke ist – anders als geplant – nur einspurig befahrbar.

Der Verkehr aus Richtung Schopfheim und Lörrach wird daher per Ampelregelung abwechselnd durchs Nadelöhr geschleust. Bei 15 000 Fahrzeugen am Tag sorgt das für teils erheblichen Rückstau auf der Bundesstraße. Zugleich verstopfen diejenigen, die den vermeintlich schnelleren Weg durch Maulburg suchen, die Straßen im Dorf.

Um die Situation für die kommenden Monate zu entzerren (die Bauarbeiten sollen bis Sommer 2019 dauern), will das für die Planung zuständige Regierungspräsidiums Freiburg (RP) nun einen Teil des Verkehrs durch die Wiesentalstraße in Maulburg leiten. Das freilich lehnte der Gemeinderat nach einer hitzigen Diskussionen am Montag ab. Gegenvorschlag: Das RP soll eine zweite Behelfsbrücke installieren, so dass der Verkehr auf der Bundesstraße selbst wieder in beide Richtungen fließen kann.

Situation

Dass die aktuelle Situation nicht tragbar ist, machten zahlreiche aufgebrachte Bürger in der Sitzung deutlich: „Chaos hoch fünf“ vermeldete beispielsweise eine Anwohnerin der Hauptstraße: Kaum mehr ein Herauskommen sei aus der Hofeinfahrt, dafür mächtig Lärm und Abgase vor der Haustür – „das ist ein Riesenproblem.“

Das Problem hat auch das RP eingesehen und einen Lösungsvorschlag ausgetüftelt. Um den zu präsentieren, war Dieter Bollinger als Vertreter des RP in der Sitzung zu Gast – und sah sich hier angesichts des aufgestauten Unmuts von Bürgern und Gemeinderäten auf dem heißen Stuhl. Der RP-Mann freilich zeigte sich selbst „überrascht“ von der Situation: Der Auslöser der Misere – dass die Brücke nur einspurig befahrbar ist – sei nicht geplant und auch nicht absehbar gewesen. Viel mehr sei seine Behörde davon ausgegangen, dass der Verkehr über die Behelfsbrücke problemlos in beide Richtungen fließen kann. „Wir wollten gedanklich das Optimum – und mussten nun feststellen, dass es so nicht geht“, erklärte Bollinger. Dass daran freilich ein Planungsfehler des RP schuld sein könnte, bestritt er. So verwahrte er sich gegen den Vorwurf, seine Behörde sei „zu blöd, eine Schleppkurve zu planen“. Diesen Vorwurf hatte ein Bürger mit Blick auf die Kurve vorgebracht, die der Verkehr unmittelbar vor der Brücke nehmen muss. Aus Sicht des RP ist allerdings nicht die Streckenführung vor der Brücke schuld, sondern die Brücke selbst: Die sei mit ihren sechs Metern Breite schlicht zu eng für den Begegnungsverkehr zweier Laster – und sie wäre es auch, wenn der Verkehr auf geradem Weg auf die Brücke stoßen würde.

Dass es so eng werden würde, sei wiederum vorab nicht absehbar gewesen, führte der RP-Mann weiter aus: „Dass ein „konfliktfreies Fahren nicht möglich ist“ habe sich tatsächlich erst im Praxistest gezeigt. Diese Erkenntnis sei vorab (etwa angesichts der Erfahrungen anderswo) nicht möglich gewesen, beteuerte Bollinger: „Jeder Standort ist anders“.

Im Gemeinderat und unter den an der Diskussion zeitweilig beteiligten Zuhörern lösten diese Erklärungsversuche Kopfschütteln aus: „Grandioser Planungsfehler“, „Frechheit“, „ein Unding, was da geboten wird“. Kaum befriedigend auch die von Bollinger ins Feld geführte Information, dass es derlei Fertigbau-Brücken nun mal nur im – offenkundig ja zu schmalen – Festmaß von drei beziehungsweise sechs Metern gebe. „Ich glaube kaum, dass die Laster über Nacht plötzlich breiter geworden sind“, stellte Markus Messmer (CDU) evoutionsbiologische Überlegungen an. Und falls doch, ergänzte Werner Meier (Freie Wähler), sollte der Fall Maulburg Anlass sein, die Brücken an die neuen Realitäten anzupassen.

Lösungsvorschlag

Geht es nach dem RP, soll der Verkehr aus Richtung Lörrach künftig kurz vor der neuralgischen Stelle mit einem „Kurzschluss“ von der Bundesstraße auf die parallel zur B317 laufende Wiesentalstraße in Maulburg geleitet und dann über die beiden Kreisel nach dem Engpass wieder auf die Bundesstraße geleitet werden. Der Verkehr von Schopfheim Richtung Lörrach bliebe auf der Bundesstraße. Das stieß zunächst bei den Bewohnern der „Königsberger Siedlung“ auf Widerstand, die bei dieser Verkehrsführung von den Automassen quasi eingekesselt würde. Seit Jahren werde man von der B317-Baustelle drangsaliert, nun solle noch mehr Verkehr hinzukommen – „das ist eine Frechheit“.

Kreative Lösungssuche

Aber auch mit Blick auf das restliche Dorf und das an der Wiesentalstraße angesiedelte Gewerbe gab es große Bedenken: Die Wiesentalstraße würde auf der betreffenden Teilstrecke ein halbes Jahr zur Einbahnstraße. Was immer an Kundschaft, Anliefer- oder Baustellenverkehr (Endress+Hauser hat an der Straße derzeit eine Großbaustelle) in die Wiesentalstraße will, muss dann wieder durchs Dorf fahren. „Als Gemeinde können wir gar nicht anders, als da etwas anderes zu fordern“, machte Bürgermeister Jürgen Multner deutlich und hatte in der Ablehnung des Vorschlags die Gemeinderäte geschlossen an seiner Seite.

Ideen für eine Alternativlösungen gab′es so einige im Rats- und Zuschauerrund: Man könnte den Gewerbekanal vorübergehend trockenlegen und bräuchte dann für die Baustellenumfahrung keine Brücke, schlug ein Zuhörer vor.

Oder man könnte die Bauarbeiten komplett stoppen und die Bundesstraße wie gehabt in Betrieb nehmen, bis eine Lösung gefunden ist, schlug Gemeinderat Christof Schwald vor, der sich nicht „zwischen Pest und Cholera“ (aktuelle Situation versus RP-Vorschlag) entscheiden mochte. Ein Baustopp freilich ist ausgeschlossen, machte Bollinger deutlich: Abgesehen davon, dass der sämtliche Planungen über den Haufen werfen würde: Die bisherige Brücke ist schlicht nicht mehr befahrbar.

Lösungsvorschlag der Gemeinde

Beste Lösung aus Sicht der Gemeinde wäre es, wenn die Sechs-Meter-Brücke durch zwei Drei-Meter-Brücken ersetzt würde, so dass es für jede Fahrrichtung eine eigene Brückenspur gäbe. Solcherart getrennt und auf Spur gehalten, sollten dann auch zwei Lkws aneinander vorbeikommen, so die Überlegung.

Die Gemeinde appellierte an den RP-Mitarbeiter, schnellstmöglich zu klären, ob diese Lösung technisch möglich ist. Zu prüfen ist vor allem, ob die Widerlager diese Zwei-statt-Eins-Lösung tragen, und ob so kurzfristig überhaupt zwei schmale Brücken verfügbar sind. Nicht einlassen wollte sich die Gemeinde auf den Vorschlag Bollingers, diese Option zu prüfen – und die vom Regierungspräsidium favorisierte Lösung parallel dazu schon umzusetzen. „Damit werden Tatsachen geschaffen“, so Multner. Letztlich nahm der RP-Mitarbeiter den Prüfauftrag an. Auf einen Zeitrahmen festnageln lassen wollte er sich allerdings nicht. Heißt: Vorerst und auf nicht näher definierte Zeit bleibt die Situation auf Bundesstraße und im Dorf wie sie ist (siehe auch Artikel rechts unten).