Maulburg „Können Problem nicht aussitzen“

Die Schaffung von neuem Wohnraum für Obdachlose und Geflüchtete, die vor zwei Wochen die Gemeinderatssitzung beherrschte, dominierte am Montagabend die Fragestunde des Maulburger Gemeinderats.

Maulburg (hp). Bürgermeister Jürgen Multner hatte in der Sitzung vor zwei Wochen erklärt, dass die Gemeinde Geflüchtete zugewiesen bekomme und auch mit einer steigenden Zahl von Obdachlosen und weiteren Bürgern zu rechnen sei, die sonst keinen bezahlbaren Wohnraum finden. Im Gespräch war neben der Nutzung des Obergeschosses im alten Rathauses und der Liegenschaft im Lettenweg 2 ein Neubau in der Neuen Straße 28 (wir berichteten).

Im Netz hat dieses Ansinnen Wellen geschlagen. Mittlerweile gibt es eine online-Petition, die - Stand gestern Mittag - bereits 148 Unterstützter fand. „Es kann nicht sein, dass die Gemeinde Maulburg in der Nähe der Kita, des Dorfstüblis, der Schule und des Spielplatzes Märzengärten einen solchen sozialen Brennpunkt errichten möchte“, heißt es dort.

Ein Ehepaar beklagte sich Montagabend in der Fragestunde mit Blick auf den geplanten Neubau über mangelnde Information. Sie hätten davon nur aus der Zeitung erfahren und im Vorfeld nicht gewusst wo und weshalb der Neubau entstehen soll.

Bürgermeister Jürgen Multner wies darauf hin, dass das Thema in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung behandelt wurde. Die Gemeinde müsse Geflüchtete, die ihr vom Landrasamt zugewiesen werden, unterbringen. Ebenso Obdachlose und Familien, die beispielsweise wegen einer Eigenbedarfskündigung auf der Straße stehen würden. Dieser Aufgabe könne sich die Gemeinde nicht verschließen. So gesehen dürfe man den geplanten kommunalen Wohnbau nicht allein mit dem Thema Geflüchtete verknüpfen.

Auf die Neue Straße 28 habe man sich konzentriert, weil sich das Gelände in Gemeindebesitz befinde und groß genug sei für einen Neubau mit 400 Quadratmetern Wohnfläche und flexibler Gestaltung des Wohnraums. ist. Das Grundstück neben dem Dorfstübli sei dafür schlicht zu klein.

Man wolle eben keine Ghettoisierung mit einer Flüchtlingsunterkunft am Rande schaffen, sondern eine Durchmischung. Dass dies funktionieren könne, dafür gebe es in Maulburg Beispiele. „Wir müssen das Problem angehen, wir können es nicht aussitzen“, sagte Bürgermeister Multner.

Im Bestand allein könne man die Geflüchteten und Obdachlosen nicht unterbringen. Das hätten Aufrufe gezeigt. Pläne, die alte Alemannenhalle zu nutzen, erteilte Bürgermeister Multner von vornherein eine Absage. Das sei mit Blick auf Sportanlagen und Schule im Umfeld schon baurechtlich nicht machbar. Dass der Landkreis Lörrach seinerzeit in der alten Alemannenhalle Geflüchtete untergebracht habe, sei schlicht der Notlage geschuldet gewesen.

Aus den Zuhörerreihen kamen Bedenken, junge Mütter und junge Männer in einem Mehrfamilienhaus unterzubringen, denn der überwiegende Teil der zugewiesenen Flüchtlinge wird nach jetzigem Kenntnisstand aus männlichen Einzelpersonen bestehen. Die Gemeinde selbst hat auf die Zuweisung keinen Einfluss.

Ein Zuhörer lenkte im Zusammenhang mit der Wohnraumschaffung den Blick auf die Köchlinstraße und deren Bauruinen. Ein Schandfleck sei das. Bürgermeister Multner sagte dazu, dass Eigentumsverhältnisse und Denkmalschutz die Lage schwierig machten.

Ein anderer Zuhörer wünschte sich eine offensivere Kommunikation von der Verwaltung. Bürgermeister Multner meinte, dass es manchmal schwierig sei zu erfassen, was die Bürger bewegt. Die Stimmung brodele im Netz, meinte ein Zuhörer. Dem hielt Bürgermeister Multner entgegen, dass nicht alles, was im Netz kolportiert werde, auch der Wahrheit entspreche. Da seien schlicht „Fake News“ darunter.

Anstatt sich auf Facebook zu echauffieren, riet Kurt Greiner (FW) diesen Personen den Weg in die Gemeinderatssitzung. Denn Facebook, bekannte Greiner, laufe an ihm vorbei.

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