Maulburg Scharfzüngig und pointiert

Kabarettist Martin Herrmann begeisterte mit seinem Programm „Keine Frau sucht Bauer“ im Maulburger Dorfstübli. Foto: Gerd Lustig Foto: Markgräfler Tagblatt

Das Befeuern mit derben Sprüchen und anzüglichen Worthülsen ist seine Sache nicht. Viel eher schwingt er die feine Wortklinge und trifft mit geschliffenem Wort und intelligentem und durchdachtem Reim ins Schwarze.

Von Gerd Lustig

Maulburg. Martin Herrmann serviert Kabarett der leiseren Art. Meist gibt er sich scharfzüngig, pointiert und witzig. Vor allem aber ist es sein besonderer Humor, der ihm zu eigen ist und das i-Tüpfelchen bildet. Es ist ein feinsinniger und meist trockener Humor, mit dem der 63-jährige Bayer aufwartet und damit eine stattliche Anzahl von sprachlichen und zugleich köstlichen Volltreffern landet.

Und so hatte er auch bei seinem Auftritt im Maulburger Dorfstübli das Publikum schnell im Griff und hinter sich geschart. Alles in allem war’s ein äußerst unterhaltsamer und amüsanter Abend. Die Besucher in der proppenvollen Kulturhaustube schlugen dabei natürlich auf ihre Art zurück, forderten am Ende des Programms, das da hieß „Keine Frau sucht Bauer“ begeistert Zugaben. Und Herrmann zeigte sich generös, servierte eine Zugabe nach der anderen und verabschiedete sich schließlich mit dem guten Gefühl und beiderseitigem Einvernehmen: Hier darf er bestimmt mal wiederkommen.

Was treibt eine Frau aus der Stadt in die Arme eines Bauern auf dem Lande?  Warum hoffen fernseherprobte Städter inzwischen, eher eine Frau zu finden, wenn sie sich als Bauer verkleiden? Diesen und vielen anderen Mysterien ging der Kabarettist in seinem Programm nach. Martin Herrmann präsentierte sich dabei sehr selbstbewusst. Im genüsslichen Plauderton ersinnt er verblüffende Kausalitäten: „Die Scheidungsquote liegt in den Städten bei 50 Prozent. Nur auf dem Land herrscht Stabilität. Grund: keine Frauen. Die sitzen alle in der Stadt und lassen sich scheiden.

Herrmann beackert auch viele andere Felder, wobei er sich einiger lustig zweckentfremdeter Accessoires bedient. Ums Haupt gewickelt wird ein einfaches Seil zum  „String-Kopftuch“, das auch in deutschen Schulen tragbar sei. In Zeiten der totalen Überwachung a la „Google Earth“ rettet ein simples Sieb als Hardware-Verpixelung die Persönlichkeitsrechte.

Ein ganz normaler Eierschneider mutiert bei Herrmann zur „tibetanischen Taschenharfe mit Schallloch“. Und der Kabarettist entlockt diesem Utensil mithilfe des Resonanzkörpers seiner Gitarre tatsächlich bizarre Klänge. Wenn der Mann, der nach eigenem Bekunden unter „Reimzwang“ leidet, dazu auch noch fernöstliche Glückskeks-Weisheiten der Marke  „Schwimmen dir die Felle furt – Wiedergeburt“ ruft, geht’s mit wohl kalkuliertem Volldampf an die Schmerzgrenze.

Ganz offensichtlich wird bei allem kabarettistischem Tun aber noch eines: Dass der 63-Jährige, der inzwischen seit mehr als 30 Jahren auf deutschsprachigen Kleinkunstbühnen zuhause ist, ein exzellenter Musiker ist. Immer wieder greift er während des Abends zur Gitarre und sorgt auch auf diese Art für den guten und wunderbaren Ton.

Dann wieder erzählt er unverblümt, dass in Berlin Ganoven einen 30 Meter langen Tunnel gegraben und eine Bank ausgeraubt haben. Dazu stellt er sodann lapidar fest: „Offenbar gibt es in Berlin Bauvorhaben, die gelingen.“ Fürwahr, trockener als der Herrmann’sche könnte Humor nicht sein.

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