Maulburg Seniorenwohnen: Alle warten drauf

Gerald Nill
Als Träger von Georg-Reinhardt-Haus (vorn) und Dietrich-Bonhoeffer-Haus in Schopfheim hat das evangelische Sozialwerk große Erfahrungen im Bereich Senioreneinrichtungen. Als Partner der Gemeinde ist es nun auch federführend an dem geplanten Seniorenzentrum in Maulburg beteiligt. Foto: Werner Müller

Die Gemeinde Maulburg und das Evangelische Sozialwerk Wiesental (ESW) haben eine Absichtserklärung für Bau und Betrieb eines Seniorenzentrums an der Köchlinstraße unterschrieben. Damit rückt die seit mehreren Jahren gewünschte Realisierung des Vorhabens in greifbare Nähe. „Ich wünsche mir einen Baustart für das Seniorenprojekt im Laufe des kommenden Jahres“, bekundet ESW-Geschäftsführer Martin Mybes.

Von Gerald Nill

Mit dem Haushaltsentwurf der Gemeinde Maulburg ist offenkundig, dass der Startschuss für das ambitionierte Projekt ansteht: Im kommenden Jahr sind die ersten 800 000 Euro für das Projekt in den Gemeindeetat eingestellt. Die Gesamtkosten des Bauvorhabens belaufen sich nach heutigem Stand auf neun Millionen Euro.

Die Arbeitsverteilung zwischen Kommune und Evangelischem Sozialwerk sieht vor, dass die Gemeinde baut und das ESW den Betrieb übernimmt und dafür auch Miete an die Gemeinde entrichtet. Die Gemeinderatsfraktionen stehen geschlossen hinter dem Projekt.

In den 800 000 Euro seien zunächst vor allem Planungskosten enthalten, erläutert Martin Mybes. „Aber ich hoffe, dass 2022 auch schon die Bagger an der Köchlinstraße anrollen“. Angesichts einer

Kein Pflegeheim klassischer Prägung

Bauzeit von zwei Jahre wäre mit der Eröffnung des Hauses dann 2024 zu rechnen.

„Alle warten auf die Einrichtung“, weiß der ESW-Geschäftsführer. Spätestens seit einer sehr gut besuchten Infoveranstaltung in Maulburg vor drei Jahren sei die Erwartung an das Zustandekommen des Seniorenprojekts enorm hoch. Auch im Gemeinderat hatten Zuschauer schon ungeduldig nach der Realisierung des Vorhabens gefragt.

Keine Frage, Maulburg braucht die Senioren-Einrichtung angesichts der immer älter werdenden Gesellschaft. Für Martin Mybes ist aber auch klar: „Wir brauchen dort kein Pflegeheim klassischer Prägung.“

Bei der Schaffung kreativer Angebote für verschiedene Formen möglichst selbstbestimmten Lebens im Alter bringt das ESW viel Phantasie und Erfahrung mit. So ist es noch nicht lange her, dass das ESW am Schopfheimer Eisweiher eine Alten-Wohngemeinschaft eröffnet hat und damit einen neuen Weg gegangen ist. „Wir bieten in Schopfheim Servicewohnen, Tagespflege, Pflegewohnen und die ambulante Wohngemeinschaft“, skizziert Mybes die Palette der Angebote, angepasst an die individuellen Bedürfnisse der Kunden. Ein Heim sei keine Zukunftsvision, stellt der Experte klar, auch nicht für Maulburg.

„Es gibt tatsächlich schon Anmeldungen für das Seniorenprojekt in Maulburg“, verrät Mybes. Und zwar für den Bereich Servicewohnen. „Das entspricht genau den Bedürfnissen der Menschen.“ In Schopfheim gebe es eine Bewohnerin, die selbst mit der höchsten Pflegestufe auf diese Weise noch in ihren eigenen vier Wänden leben könne.

Zur Gestaltung des Gebäudes will der ESW-Chef nicht viel sagen, das sei in erster Linie Sache des Bauherrn, also der Gemeinde. Klar sei, dass die äußere Form des Hauses etwas gefälliger als in Schopfheim und „passend zum Ortsbild“ ausfallen soll.

Wenn der erste Spatenstich im kommenden Jahr erfolgt, kann Mybes schon fast gleichzeitig mit der Vermarktungsphase anfangen und sich ums benötigte Personal kümmern. 30 bis 40 Stellen im Pflegebereich braucht die Einrichtung – und Schwestern und Pfleger stehen aktuell nicht gerade Schlange. Mybes macht deutlich, dass er alle Sozialarbeiter und Altenbetreuer in Maulburg in das Projekt einbeziehen will.

Erste Anmeldungen liegen schon vor

Was wird konkret geplant? Nach heutigem Stand 20 bis 25 Wohnungen für den Servicebereich, gestaffelt nach unterschiedlichen Größen für Singles und Paare.

Der Tagespflege-Bereich, in den betagte Menschen tagsüber gebracht werden können, soll mit 15 Plätzen etwas kleiner ausfallen als im Schopfheimer Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Mit 15 Plätzen könnten aber durchaus rund 60 Personen betreut werden, da viele nur tageweise kommen, so Mybes.

Schließlich soll an der Köchlinstraße eine Wohngruppe für zwölf Senioren geschaffen werden, die ambulant betreut leben.

Nicht zu vergessen sei ein Multifunktionsraum mit einer Fläche von 150 Quadratmetern. In dieser Begegnungsstätte soll die Nachbarschaft aus- und eingehen und Kontakt halten zu den Bewohnern. Zudem schweben Mybes Kooperationen mit der VHS, der Kirche und Vereinen vor. Schließlich soll in dem Seniorenzentrum auch ein Stützpunkt für die ESW-Tochter Curare entstehen, von wo aus die Pflegekräfte ihre ambulanten Dienste anbieten können.

Wenn man Mybes so reden hört, ist die Senioren-Einrichtung fast schon Realität. Die Unterzeichnung eines „Letters of intend“ (Absichtserklärung) mit der Gemeinde kommentiert er „als Ausdruck eines großen wechselseitigen Vertrauens und Willen zu einer guten und zielführenden Zusammenarbeit zum Wohle der BürgerInnen in Maulburg“.

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