Maulburg Von der „Schimpfete“ bis zum Tiefgründigen

Hans-Jürgen Hege
Markus Manfred Jung (links) und Erhard Zeh im Dorfstübli Foto: Hans-Jürgen Hege

Maulburg  - Lieder und Gedichte von Roland Hofmaier und Gerhard Jung standen am Sonntag im Mittelpunkt eines denkwürdigen „Alemannische Oobe“, zu dem das Dorfstübli-Team in die Neue Straße eingeladen hatte. Und es wurde gleich richtig gemütlich, fast schon kuschelig, nachdem der Heimatdichter Markus Manfred Jung mit Büchern voller Geschichten, Gedichten und Erzählungen seines Vaters am Vorabend von dessen 24. Todestag und sein Partner, der Musikpädagoge Erhard Zeh mit seiner Gitarre, auf der Dorfstübli-Bühne Platz genommen hatten.

Zweistündiges Potpourri aus Liedern und Texten

Abwechselnd brillierten die beiden Künstler vor den heimat- und muttersprachverliebten Gästen im voll besetzten Saal rund zwei spannende, kurzweilige Stunden lang mit einem vielseitigen Potpourri teils verschmitzter und humorvoller, teils aber auch nachdenklich stimmender Lieder und Gedichte. Jede Menge Beifall wurde am Ende mit Zugaben von der einen und mit großzügigen Spenden für die Flüchtlingshilfe und für die Jugendpsychiatrie „Granja El Ceibo“ in Rafaela (Argentinien) von der anderen Seite belohnt. „Wir verzichten auf ein Honorar“, hatten die Akteure bei freiem Eintritt für einen „freiwilligen Zustupf“ ins Spendenkässle geworben. Das begeisterte Publikum ließ sich nicht zweimal bitten. „Des war jetz wieder mol richtig schön“, hieß es von allen Seiten. Klar, dass unter solchen Voraussetzungen der Geldbeutel recht locker saß, zumal jeder den sozialen Hintergrund der Benefizaktion, die übrigens am 9. Juni dieses Jahres in der Wehrer Stadthalle in eine weitere Runde gehen wird, erkannte und für gut befand.

Der Barde und der Mundartdichter hatten alle Register gezogen, damit ihre Zuhörer auf die Kosten kommen. Lieder zum Mitsingen wie der Ohrwurm „rutsch e bizzeli nöcher“ waren dabei, vom urigen Dialekt „im Wiesendal“, wo „s‘breitschde alemannisch gschwätzt“ wird. Erhard Zeh erzählte singend vom „Lebe“ des „leider viel zu früh verstorbenen Roland Hofmaier“, dessen Freundschaft zu Gerhard Jung sein Sohn Markus Manfred im Interview mit unserer Zeitung ( Die Oberbadische vom 22. April) so begründet hatte: „Mein Vater war schon immer ein Förderer gewesen von „Junger Mundart“, wenn er Echtheit und Qualität gesehen hat. Im Humor und der Menschlichkeit fand er in Roland Hofmaier einen Seelen- und Geistesverwandten.“ Hofmaier erlaubte mit seinen Texten („s’Morgedrama“) Einblicke in sein Privatleben, wusste, dass „dr Teufel immer uff de gliich große Huffe schisst“, hörte sich am Zoll um, wo er immer wieder über ein gewisses „i hab nüt debi“ stolperte. Er lud zur Reise durchs Rebland ein, warb für „Gschwelldi mit Spinat“ und nannte Gründe für sein unbändiges „Heimweh nach em Markgräflerland“. Und er ahnte: „d Zitt goht z’End“.

Natürlich stand Markus Manfred Jung seinem singenden Kollegen in nichts nach. Für Lachsalven sorgte die „alemannische Schimpfete“ aus der Feder seines Vaters, trotz derber Kampfansagen wie „ich glaub du willsch dieni Zäh im A-Loch Polka danze säh“. Er ließ die Erinnerungen an Gerhard Jung aufleben mit einer bemerkenswerten philosophischen Betrachtung über die Bedeutung des Wortes „Wort“ und unterstrich mit zahlreichen weiteren vom Vater zu Papier gebrachten Gedanken seine ebenfalls im Interview in unserer Zeitung zum Ausdruck gebrachte Meinung: „Seine Werke waren in Bezug auf Sprache und Ausdruck von einzigartiger Qualität. Ihr Inhalt war geprägt von tief empfundener Menschlichkeit.“

Auch Markus Manfred Jung wird noch überrascht

Das kam auch zum Ausdruck im Finale, das Erhard Zeh mit Gerhard Jungs „Gute Nacht Lied“ einläutete, einem Lied, das sogar dessen Sohn überwältigte. So meinte Markus Manfred Jung hinterher: „Dieses Lied habe ich noch nie gehört.“ Kurz: Es war ein toller, schöner Abend, ein Abend in illustrer, gemütlicher Runde und endlich wieder ohne Maske. Vielleicht passend dazu eine von Senior Jungs kürzesten, aber in jeder Beziehung treffenden Geschichten: „Des war de Hammer, sagte der Nagel zum Daumen.“

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