Maulburg Wegen Corona kein Nachtumzug

Maulburg/Steinen - 1991 war es der (zweite) Golfkrieg, 30 Jahre später ist es die Corona-Pandemie, die die Narren zwingt, ihr Häs im Schränk zu lassen. Als eine der ersten Gemeinden hat Maulburg den Nachtumzug im kommenden Jahr abgesagt.

Die Gemeinde hat auf Grundlage der aktuellen Landesvorgaben und unter Berücksichtigung, dass die Sicherheit von Besuchern und Mitwirkenden oberste Priorität hat, eine Entscheidung zu den bevorstehenden Großveranstaltungen getroffen, um so auch den Organisatoren Planungssicherheit zu geben, heißt es im Rathaus.

Nachdem schon das Dorffest 2020 aufgrund der Corona-Krise nicht stattfinden wird, hat die Verwaltung den Teufelsknechten mitgeteilt, dass auch der Nachtumzug 2021 abgesagt wird.

Die Teufelsknechte reagieren mit Bedauern und Verständnis auf die Absage: "Wir als Veranstalter bedauern diesen Beschluß sehr, tragen diesen aber vollumfänglich mit", erklären sie auf ihrer Homepage - "Wir hoffen auf Euer Verständnis und freuen uns Euch am Nachtumzug 2022 wieder begrüßen zu dürfen."

1992 fand der erste Nachtumzug statt

Feiern gehört sich nicht, wenn im Nahen Osten ein Krieg tobt, wurde 1991 die Absage der Fasnachtsveranstaltungen begründet. Es sei, so der damalige Ehrenoberzunftmeister Willy Reinhardt, mit sich selbst wohl kaum zu vereinbaren, dass man für die Bevölkerung die Stimmungskanone darstellen muss, wenn man im Hintergrund an die schlimme Entwicklung im Golfgebiet denken müsse. Die einzige Veranstaltung, die trotzdem stattfinden sollte, sollte das Scheibenfeier sein.

Ein Jahr später, 1992, fand dann der erste Nachtumzug in der Fasnachtsgeschichte Maulburgs statt. Weil der Sonntagsumzug in der Vergangenheit auf immer weniger Interesse stieß, hat sich die Narrenzunft stattdessen entschlossen, vor dem Zinkenball einen Nachumzug durchzuführen. Seither locken diese Nachtumzüge jedes Jahr unzählige Besucher an.

Grundlage: Empfehlungen des RKI für Großveranstaltungen

War es 1991 ein Krieg, der zur Absage der Fasnacht führte, ist es 30 Jahre später, 2021, die Corona-Pandemie, die in Maulburg zur Absage des Nachumzugs führt. Die Gemeinde Maulburg beruft sich dabei auf Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Bewertung von Großveranstaltungen. Veranstaltungen können dazu beitragen, das Coronavirus (SARS-CoV-2) schneller zu verbreiten. Daher kann laut Robert Koch-Institut je nach Einzelfall das Absagen und Verschieben von Veranstaltungen gerechtfertigt sein, um der vorrangigen Gesundheitssicherheit der Bevölkerung Rechnung zu tragen.

In Steinen ist die Fasnacht 2021 ebenfalls ein Thema. Kommende Woche werden entsprechende Gespräche stattfinden, sagt Ordnungsamtsleiter Renatus Wehrer. Persönlich hält Wehrer es für schwierig, an einer Fasnachtsveranstaltung wie dem Sonntagsumzug die Corona-Verordnung mit ihren Hygieneregeln und einem Mindestabstand durchzusetzen. Und auch die Vereine sieht er vor der Schwierigkeit, ein Hygienekonzept zu erarbeiten.

Sowohl in Steinen als auch in Maulburg konzentrierten sich die Fasnachtsveranstaltungen in den letzten Jahren auf die Straßenfasnacht. Eine Saalfasnacht mit Zunftabendenen gab es zuletzt weder in Steinen noch Maulburg.

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