Maulburg „Zusammen sind wir stark und mutig“

Echt bühnenreif war die Vorstellung, welche die 38 Schüler der Klassen 4a und 4b der Wiesentalschule Maulburg für ihr Abschlussfest auf die Beine stellten.

Von Gudrun Gehr

Maulburg. In wochenlanger Probezeit wurde ein Musical einstudiert, das bei sämtlichen Darstellern die erstaunlichsten Talente zum Vorschein brachte. Da wurde über eine Stunde lang in einer fantastischen Choreografie getanzt, gesungen, getrommelt, inbrünstig (Luft)-Gitarre gespielt, gerappt, gedichtet und rezitiert. Die Schüler verdeutlichten bei ihrer Vorführung die Stimmigkeit des Titels des Musicals: „Jedes Kind kann was.“ Die Lehrerinnen Celia Bomheuer, Madleine Mouris und Waltraud Schwald hatten sich mit ihren Schützlingen mächtig ins Zeug gelegt. Jetzt hieß es erstmals in der neueröffneten Mensa der Wiesentalschule: „Bühne frei“.

Treff Dorfstübli

Inhalt des Musicals waren die Talente der Kinder, die sie im Alltag oft nicht genügend entfalten können. So verabredeten sich die Kinder in ihrem Lieblingstreffpunkt Dorfstübli, weil dort ihre Talente von „Annemarie“ (Annemarie Weber, ehemalige Leiterin des Dorfstüblis) und „Tobias“ (Tobias Hohenstatter, Nachfolger von Annemarie Weber) erkannt und gefördert werden. Dort sollten mittags um vier Uhr Pläne geschmiedet werden, wie all ihre Neigungen umgesetzt werden können. Ein freudiger Chor der Schüler begleitet das Treffen mit einem Lied: „Und plötzlich treff ich dich, und alles wird schön, du wirst schon sehen.“ Das Dorfstübli und seine Umgebung wurde von den kleinen Bühnenbildnern mit einer hinreißend charmanten Kulisse präsentiert. Mit einem imaginären Hinweisschild wurde das Betreten des Jugendtreffpunktes vom Bürgermeisteramt verboten. Junior-Bürgermeister Neumann bot in Anzug und Krawatte einen überzeugenden Auftritt: „Das Dorfstübli rentiert nicht, es kostet nur.“ Entsetzt mussten die Kinder die Absichten des Bürgermeisters zur Kenntnis nehmen: „Eine Tankstelle mit Waschanlage wirft viel mehr Gewinn ab.“

Die Kinder entschieden sich für den Protest. Im Chor wurde festgestellt: „Kinder haben Rechte, Kinder brauchen Freiheit, Kinder dürfen laut sein, Kinder dürfen Kinder sein.“ Nachwuchs-Bürgermeister Neumann beharrte auf seinem Standpunkt: „Ihr habt nichts zu melden.“ Widerstand wurde organisiert: Protestsongs und Demos wurden geplant, die Öffentlichkeit einbezogen. Tänzerisch stellen die Kinder Überlegungen an, ob man verfahren soll wie bei den „Bremer Stadtmusikanten“, die kurzerhand ein Haus besetzten. Die kleinen Darsteller stellten im Chor fest: „Zusammen sind wir stark, zusammen sind wir mutig.“

Kinderprotest

Nachdem Trommler die Öffentlichkeit mobilisiert hatten und eine Fußballmannschaft zu Hilfe gekommen war, entschied die Verwaltung zu Gunsten der Kinder: Das Dorfstübli bleibt wo und wie es ist. Die Kinder ernteten vom Publikum einen langen begeisterten Applaus für die brillante Darstellung.

Die kleinen Künstler hatten die Strapazen bei den Rekordtemperaturen in der Mensa sehr gut überstanden, lediglich die Tontechnik verabschiedete sich bei der Hitze. Die Kinder ließen sich vom Ausfall der Hintergrundmusik in keiner Weise beeindrucken und hatten ihr Repertoire voll im Griff.

Rektorin Heike Schmarje bedankte sich bei den kleinen Künstlern und den Lehrerinnen für die fantastische Leistung mit dem aufwendigen Kulissenbau. Sie verabschiedete ihre Schüler mit einem Zitat von Arthur Schnitzler: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“ Auch Bürgermeister Jürgen Multner bedankte sich für die beeindruckende Darbietung der beiden Klassen und meinte schmunzelnd: „Ähnlichkeit mit lebenden Personen sind rein zufällig.“ Grußworte kamen ebenfalls von den Elternvertretern. Bei der „After-Show-Party“ sorgten die Eltern der dritten Klasse für Bratwürste und Steaks sowie Getränke.

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