Müllheim 500 wertvolle Bücher fürs Museum

Ein Schatzkästlein mit 500 wertvollen Büchern bekam das Markgräfler Museum von der Familie Blankenhorn geschenkt. Unser Foto zeigt einige der ältesten Exemplare. Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Das Blankenhorn-Palais in Müllheim wird einmal mehr seinem Namen gerecht: Schon 1974, als die ersten Weichen für die Einrichtung des späteren Markgräfler Museums in dem klassizistischen Stadtpalais gestellt wurden, trat die Familie des Weinbaupioniers Adolph Blankenhorn als wohlwollende Gönnerin und Spenderin auf. Möbel, Bilder, Originaldokumente und anderes gehören als Schenkungen oder Dauerleihgaben schon seit jener Zeit zum Fundus der Sammlung. Jetzt ist eine wertvolle Bibliothek dazugekommen.

In seiner jüngsten Sitzung sprach sich der Müllheimer Gemeinderat einstimmig dafür aus, die Schenkung anzunehmen, eine Formalie, die das Kommunalrecht verlangt, um eventuelle geschäftliche Beziehungen zum Spender transparent zu machen.

Ältestes Werk stammt aus dem Jahr 1599

Rund 500 Bände umfasst die „Badische Bibliothek“, die Erich Blankenhorn, der Sohn des Weinbaupioniers Adolph Blankenhorn, in den 1930er Jahren zusammengetragen hat. Sie umfasst geschichtliche Darstellungen, religiöse Traktate, Bücher zu kulturellen und literarischen Themen, die alle einen Bezug zur Markgrafschaft Baden haben. Dazu kommen Städteporträts, Biografien und historische Zeitschriften.

Das älteste Werk ist eine religiöse Schrift des Markgrafen Ernst Friedrich von Baden aus dem Jahr 1599. Vier Bücher stammen aus dem 17., 25 aus dem 18. Jahrhundert. Der Schwerpunkt liegt auf Ausgaben aus dem 19. und 20. Jahrhundert – 40 große Kartons voll, nach einem Fachgutachten ein materieller Wert von über 40 000 Euro.

Die Sammlung wurde nach dem Tod von Erich Blankenhorn im Jahr 1963 von dessen Sohn Herbert und seiner Frau Gisela übernommen. Nach ihrem Tod im Jahr 2013 fand sich im familiären Vermächtnis ein Dokument, in dem sich Herbert Blankenhorn wünscht, dass die Bibliothek einmal dem Markgräfler Museum zur Verfügung stehen solle. Diesem Wunsch kamen die Erben mit der Schenkung nun nach.

Museumsbibliothek wächst auf 6 000 Bände

Die Schenkung mit den gut erhaltenen und aufwändig gestalteten Büchern kommt zu einem idealen Zeitpunkt ins Markgräfler Museum. Denn seit einigen Jahren wurde hier mit ehrenamtlicher Hilfe der pensionierten Bibliothekarin Diemut Beck bereits systematisch eine Museumsbibliothek zum Schwerpunktthema Markgräflerland und Badische Geschichte aufgebaut, die jetzt zusammen mit der Schenkung auf 6 000 Bände angewachsen ist. Ein Pfund mit dem man auch wuchern kann: Wissenschaftlern und interessierten Laien steht diese Bibliothek nach Absprache für Recherchen zur Verfügung.

„Man kann hier durchaus von einem Kompetenzzentrum für Geschichte und Kunst des Markgräflerlands sprechen“, sagt Kulturdezernent Jan Merk, der auch Leiter des Museums ist. In der Museumsbibliothek stehen viele Unikate, die sonst nirgends zugänglich sind, ihre Zahl wird sich durch den Neuzugang noch erheblich vergrößern.

Von den Nazis vom Amt enthoben

Dass die „Badische Bibliothek“ in einem solchen Umfang und mit einem solch durchdachten Konzept entstehen konnte, ist eigentlich eine traurige Geschichte: Erich Blankenhorn, geboren 1878, trat als Offizier in die Dienste des Kaisers Wilhelm II. und wurde nach dem verlorenen Weltkrieg 1920 als Oberst Leiter der Badischen Polizei. Die Jahre der Weimarer Republik machten aus ihm einen bekennenden Demokraten, der die Umtriebe der Nationalsozialisten kritisch verfolgte. Als er sich 1933 weigerte, sein Amtsgebäude mit der Hakenkreuzfahne zu beflaggen, setzten ihn die braunen Machthaber kurzerhand ab.

Seine unfreiwillige Arbeitslosigkeit nutzte Blankenhorn, um ehrenamtlich den Aufbau des Badischen Armeemuseums in Karlsruhe und Rastatt zu leiten und eine Privatbibliothek aufzubauen. Von ihm hat ein unbekannter Künstler eine Büste geschaffen, die sich ebenfalls im Besitz des Markgräfler Museums befindet.

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