Müllheim Ängste von Kindern und Eltern sind gar nicht so verschieden

Jugendpsychotherapeutin Anita Schächter Foto: Philipp Foto: Weiler Zeitung

Von Dorothee Philipp

Müllheim (do). „Wer wohnt ein bisschen näher an der Angst?“ Auf die Frage der Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Anita Schächter gehen mehrere Arme in die Höhe. 21 Mütter und Erzieherinnen mit Kindern bis zu sechs Jahren haben sich in einem Besprechungsraum der Firma Hellma eingefunden zum Vortrag und Gespräch mit der Fachfrau über das Thema „Ängste“.

Der Vortrag gehört zu den Müllheimer Präventionswochen „Müllheim macht stark“, in denen mit zahlreichen Veranstaltungen auf die Thematik von Gewalt und Prävention aufmerksam gemacht und Hilfe für selbstbewusstes und couragiertes Handeln gegeben wird. „Angst ist ein natürliches Gefühl; sie macht uns aufmerksam für Gefahrensituationen“, leitet Anita Schächter ihren Vortrag ein. Die Ängste der Kinder seien oft gar nicht so verschieden von denen der Erwachsenen. Sie träten vielfach auf, wenn sich in der Entwicklung oder Lebenssituation eine Änderung anbahnt. Bei kleinen Kindern kann das ein Umzug, der Eintritt in den Kindergarten oder die Schule sein.

Wann ist fachliche Hilfe geboten? In jedem Fall dann, wenn das Kind sich in seine Ängste hineinsteigere und für behutsame Ermunterungen nicht mehr zugänglich sei, sagt Schächter. Es erfordere Einfühlungsvermögen, ein Kind in einer schwierigen Situation zu ermutigen, etwas Bestimmtes zu tun, wovor es sich fürchte, wie zum Beispiel sich beim Kindergartenfest alleine etwas zum Trinken zu holen. Schächter spielt die Szene fiktiv durch: „Wir dürfen hier die Hürden nicht zu hoch setzen, sonst erreichen wir das Gegenteil“, sagt sie.

Die Ängste benennen, in kleinen Schritten an ihrer Bewältigung arbeiten, das passt auch auf das später genannte Beispiel von Phobien, die auch Erwachsene plagen können. Diese dürfe man nicht bagatellisieren, aber auch nicht zu ernstnehmen. „Ich muss rausfinden, wo ich stehe und mir ein Ziel setzen“, ermuntert die Psychologin.

Am Beispiel einer Hundephobie erklärt sie, wie das aussehen kann: „Vielleicht reicht es schon, wenn man so weit kommt, dass man einen Hund im Raum ertragen kann. Man muss ja nicht bis zum Streicheln und Herumtollen gehen.“ Handlungsbedarf bestehe dann, wenn die Angst beginne, den Alltag einzuengen. Eindringlich warnte Schächter davor, kleine Kinder Sendungen wie „Tatort“ anschauen zu lassen. Hier könne man nicht sagen: Das ist ja alles nur im Film und erfunden. Hier würden Realitäten gezeigt, die auch Erwachsenen Angst machen können.

Spreche ein Kind angstbesetzte Themen wie Wohnungseinbruch oder Tod an und man sei darauf nicht vorbereitet, solle man das ruhig erst einmal zugeben. „Ich mache mir ein paar Gedanken, und dann sprechen wir darüber“, sei eine ehrliche Antwort. Dann könne man sich mit dem Partner, Freunden oder Geschwistern austauschen oder über Internet Ratschläge suchen, wie man mit dem Kind so darüber spricht, dass es nicht das Gefühl der Geborgenheit verliert.

Im Gespräch bringen die anwesenden Frauen viele Beispiele und Fragen und tauschen sich über konkrete Fälle aus, etwa darüber, wann ein Kind wirklich Angst hat und wann es das nur behauptet, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. „Sie bringen schöne Beispiele ein“, lobt Schächter. „Wir müssen den Kindern helfen, das, was sie fühlen, auch zu kommunizieren“, rät sie den Müttern und Erzieherinnen.

u Der Vortrag „Ängste“ von Anita Schächter wird am Mittwoch, 10. Juni, um 20 Uhr im Kindergarten Auggener Weg wiederholt. Das ganze Programm zu „Müllheim macht stark“ steht im Internet unter www.macht-stark.de. Die Präventionswochen dauern nach den Pfingstferien noch bis zum 12. Juni.

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