Müllheim Aufbrüche, Umbrüche und Krisen

Weiler Zeitung, 14.06.2018 21:45 Uhr

Im Dachgeschoss des Markgräfler Museums wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet: Hinter den Kulissen entsteht die Sonderausstellung „Zeitenwende. Die 1920er Jahre in Müllheim“, die am Sonntag, 17. Juni, 11.15 Uhr, vom Beigeordneten der Stadt Müllheim, Günter Danksin, und Kulturdezernent Jan Merk eröffnet wird.

Müllheim. In der Stadt Müllheim wird mit der Ausstellung, die bis 24. Februar 2019 läuft, erstmals die Zeit der Weimarer Republik näher erforscht und dokumentiert.

30 Museen beteiligen sich am trinationalen Ausstellungsprojekt

Das Ende des Ersten Weltkriegs hat Europa fundamental verändert. Dies gilt auch für den Oberrhein und die angrenzenden Gebiete. Die Zeitenwende 1918/19 nach dem Ersten Weltkrieg steht im Mittelpunkt einer ganzen Ausstellungsserie, mit der 30 Museen aus der Schweiz, Frankreich und Südwestdeutschland diese Zeit der Aufbrüche, Umbrüche und Krisen beleuchten. In Müllheim wird eine der ersten Ausstellungen zu sehen sein – die meisten weiteren Ausstellungen eröffnen in den kommenden Monaten.

Ausstellungsserie macht Unterschiede in den drei Ländern deutlich

Die europaweit einmalige Ausstellungsreihe, in Kooperation mit dem MuseumsPassMusées entstanden, bietet die Gelegenheit, die großen Unterschiede der damaligen Situation in den drei Ländern kennenzulernen. Neben den nationalen Unterschieden vermittelt diese aber ebenso wichtige regionale oder thematische Perspektiven. In allen drei Ländern sind die neuen, jetzt kontrollierten Grenzen und ihre Auswirkungen spürbar.

Die 1920er Jahre in Müllheim: Sogar Überlegungen für Zeppelin-Flughafen

Auf deutscher Seite sind die Entstehung der Republik, das Frauenwahlrecht oder die Demilitarisierung wichtige Themen. Schweizer Ausstellungen behandeln den Landesstreik, der das Land an den Rand eines Bürgerkrieges brachte, den Nobelpreis für Carl Spitteler oder die durch die Kriegszeit beeinflusste Kunst Paul Klees. Französische Ausstellungen erinnern an die Rückkehr von Elsass-Lothringen zu Frankreich oder die Auswirkungen der jahrelangen Kämpfe in den Vogesen.

Auch in Müllheim prägen moderne Entwicklungen in Kultur und Gesellschaft ebenso wie Wirtschaftskrisen die 1920er Jahre. Die Garnisonsstadt Müllheim wurde demilitarisiert, die Grenze zu Frankreich rückte wieder ganz nahe, neben Landwirtschaft und Weinbau erfolgten zaghaft erste Industrieansiedlungen. Sogar die Einrichtung eines Zeppelin-Flughafens in Müllheim wurde erwogen.

Der erste hauptberufliche Bürgermeister Artur Hämmerle amtierte seit 1919, ein Kino sowie Konzerte und Ausstellungen in der „Festhalle“, der profanierten Martinskirche, bereicherten das kulturelle Leben, die Rolle der Frauen begann sich zu ändern, technische Neuerungen hielten Einzug.

Führungen, Vorträge, Filme und Exkursionen finden begleitend statt

Das Ausstellungsprojekt, an dem neben dem Museumsteam auch das Stadtarchiv beteiligt ist, bestimmt das Museumsjahr: Zahlreiche Begleitveranstaltungen zur Ausstellung wie öffentliche Führungen, Vorträge, Filme und Exkursionen sind geplant und werden jeweils aktuell bekanntgegeben.

Besonders eng ist die Kooperation mit dem Stadtmuseum Rastatt: Auch dort sind die 1920er Jahre in einer ehemaligen Garnisonsstadt ausgestellt und können direkt mit der Lage der Stadt Müllheim in der Weimarer Republik verglichen werden. Bereits jetzt liegt zur gemeinsamen Ausstellungsreihe ein informatives Faltblatt vor, das dazu einlädt, sich verschiedene Aspekte der spannenden Zeit nach 1918 in den beteiligten Museen zwischen Stuttgart, Strasbourg, Colmar, Basel, Bern und Stockach am Bodensee anzusehen.