Müllheim Bahn und Bus müssen besser verknüpft werden

Der Verkehrsplaner Ulrich Grosse. referierte unter der Überschrift „Quo vadis Bahnhof Müllheim?“ Foto: Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Von Alexander Anlicker

Müllheim/Auggen. „Der öffentliche Personen-Nahverkehr in Müllheim hat Potenzial – und ein Problem auf der letzten Meile“, lautete ein Fazit des renommierten Verkehrsplaners Ulrich Grosse. Unter der Überschrift „Quo vadis Bahnhof Müllheim?“ referierte er auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (AGUS) Markgräflerland in der Auggener Sonnberghalle.

Detlef Schulz-Tavares verwies auf die zeitgleich stattfindenden Ereignisse, wie den Ausbau der Rheintalbahn und die Nahverkehrsplanung. Er begrüßte unter den Gästen Buggingens Bürgermeister Johannes Ackermann sowie die beiden Müllheimer Bürgermeister-Kandidaten, Heitersheims Bürgermeister Martin Löffler und Raphael Fechler.

Die Schiene erschließe nur eine begrenzte Fläche. Die Bahn habe dabei eine Rückgratfunktion. Man müsse aber Bahn und Bus verknü­pfen, sagte Grosse.

Einzugsgebiet

Das Einzugsgebiet des Müllheimer Bahnhofs umfasse die Gemeinden Müllheim, Neuenburg, Heitersheim, Badenweiler, Buggingen und Auggen mit knapp 50 000 Einwohnern. Der Mittelbereich Müllheim zähle 1500 Firmen mit 18 000 Arbeitsplätzen sowie 27 000 Pendler. Dabei sei auch die Verbindung nach Süden interessant, arbeiteten viele Pendler doch auch in Basel, Grenzach-Wyhlen, Weil am Rhein und Lörrach.

Pendler-Statistik

Spannend ist in diesem Zusammenhang die Pendler-Statistik für die beiden größten Städte Müllheim und Neuenburg. Aus Müllheim pendeln täglich 888 Menschen nach Freiburg, 639 in die Schweiz und 512 nach Neuenburg. Aus Neuenburg fahren 920 Menschen nach Müllheim, 624 nach Freiburg und 481 nach Basel.

Fehlende Parkplätze

Der Bahnhof Müllheim zählt nach der Stationsdatenbank des Landes rund 6500 Ein- beziehungsweise Aussteiger. Am Bahnhof gibt es 346 Fahrradabstellplätze und 321 Park & Ride-Plätze, letztere reichten „vorne und hinten“ nicht, stellte Grosse fest.

Wenn ein Bahnhof über 1000 Nutzer habe, sei die Bahn zur Barrierefreiheit verpflichtet, der Bahnhof kann also nicht so bleiben wie er ist, stellte Grosse fest.

Das Zielkonzept 2025 des Landes für den Müllheimer Bahnhof sieht von 5 bis 24 Uhr stündlich einen Regional-Express (RE) und eine Regionalbahn (RB) von Freiburg nach Basel sowie eine Regionalbahn Freiburg-Müllheim und Müllheim-Neuenburg(-Mulhouse) vor.

Der Bahnhof

Um den ÖPNV attraktiver zu machen, müsse man den Bahnhof – das Gebäude soll bekanntlich der auf der östlichen Seite liegenden Neubautrasse weichen – und das Umfeld aufwerten, wiederbeleben, nutzen und verdichten. Wichtig sei eine Nutzungsmischung sowohl kulturell als auch sozial und gastronomisch, meinte Grosse und betonte, dass Vielfalt die Sicherheit steigere. Hinzu komme eine leichte Orientierung mit Symbolen und Piktogrammen, aber auch attraktive Wege mit Rampen und Treppen. Als positives Beispiel nannte er den Bürgerbahnhof in Leutkirch im Allgäu.

Darüber hinaus sei der Bahnhof multimodale Schnittstelle zu Bus, Auto, Rad, Taxi und auch Fußwegen.

Grosse schätzt, dass im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn die Müllheimer Bahnsteige von einst 400 Metern auf 160 Meter gekürzt werden. Wenn man will, dass Fernverkehr hält, müsse man über die Landesfahrplankonferenzen gehen, sagte Grosse. Als Beispiel nannte er den Intercity Basel-München, der in Bad Krozingen hält.

Nahverkehrsplan

Das ÖPNV-Gesetz des Landes verlange von den Aufgabenträgern, den Stadt- und Landkreisen, einen Nahverkehrsplan. Dieser sei kein Fahrplan, sondern ein Rahmenplan und habe unter anderem Einfluss auf die Vergabe der Konzessionen.

Grosse sieht in der derzeitigen Aufstellung eines neuen Nahverkehrsplans eine große Chance für die Schaffung eines attraktiven Nahverkehrs. Derzeit fahren täglich 80 Busse von und zum Müllheimer Bahnhof, allerdings nicht vertaktet. Rein rechnerisch würde dies einen Viertelstundentakt bei der gleichen Zahl an gefahrenen Buskilometern ermöglichen.

Schlechte Verbindung

Rund ein Drittel der Müllheimer wohnt im Süden der Kernstadt, hat aber eine schlechte Verbindung zum Bahnhof und muss beim Verkehrsamt umsteigen – das kostet Fahrgäste. „Das Potenzial ist groß, aber Müllheim hat ein Problem auf der letzten Meile“, brachte es Grosse auf den Punkt.

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