Müllheim Breakdance für den ganzen Körper

Mitten im Trubel des Müllheimer Samstags: Rays bei der Arbeit an seinem Siegerbild. Foto: Dorothee Philipp

Müllheim - Der Künstler „Rays“ hat es geschafft: Zum zweiten Mal gewann der Freiburger den im vergangenen Jahr von der Stadt Müllheim und der Stadtjugendpflege ins Leben gerufenen „Graffiti-Contest“.

Ein eindrucksvolles Kunstwerk, das gekonnt mit dem Raum und interessanten 3D-Wirkungen spielt. Mit „Rays“ angetreten waren zwölf Sprayer aus der ganzen Region. Gesprüht wurde auf 2,5 mal zwei Meter große Tafeln, die ein örtliches Holzbauunternehmen zur Verfügung gestellt hatte. Auch sonst waren die Sponsoren aufgeschlossen, ihre Namen waren auf einer eigenen Graffiti-Tafel zu bewundern. „Ich bin eigentlich nicht gekommen, um unbedingt zu gewinnen“, verrät Sian aus Waldkirch, der mit Rays und einigen anderen in der oberen Werderstraße arbeitet. Er finde es schön, so mitten im Geschehen, mit Passanten und Zuschauern, die vom benachbarten Eiscafé aus den Fortgang der Arbeiten beobachten. Das sei doch was anderes als in einer dunklen Unterführung. Bis zu vier Stunden dauere es, bis ein solches Bild fertig sei, erklärt er.

Ein bisschen gewöhnungsbedürftig

Das Format der gesponserten Holztafeln sei ein bisschen gewöhnungsbedürftig, meistens arbeite er mit extremeren Querformaten. Und nein, er sprühe nie ungebeten an Hauswände. Es gebe genügend Beton, beispielsweise in eigens dafür freigegebenen Unterführungen, wo man ganz legal sprayen kann. Das Übermalen alter Sachen gehört hier dazu. Mit dem nötigen Respekt vor den Arbeiten anderer natürlich. Die Farben decken hervorragend. So gut, dass man auch mit hellen Farbtönen die dunkleren übermalen könne, erklärt „Kidpone“, ein bekannter Freiburger Grafikdesigner und Sprayer, Mitorganisator der Müllheimer Veranstaltung. Es riecht nach frischer Farbe und zeitweise ist nur das Klackern zu hören, wenn die Sprayer ihre Dosen schütteln, in denen Kugeln dafür sorgen, dass die Farbe nicht verklumpt. Die Schwünge, mit denen sie die Konturen malen, haben etwas Sportives: „Das ist Breakdance für den ganzen Körper“, findet Kidpone. Sein zehnjähriger Sohn Elias ist auch dabei: „Ich hatte mit fünf meine erste Sprühdose in der Hand“, erzählt er stolz.

Vom Wettbewerb ausgeschlossen

Die andere Gruppe arbeitet auf dem Markgräfler Platz. Zwei Sprayern, die gemeinsam ein großes Bild mit Türkis- und Blautönen in der Mache haben, geht dann irgendwie der Gaul durch: Ein nur Eingeweihten bekanntes Kürzel das so etwas heißt wie „Fuck the Police“ oder ähnlich, materialisiert sich am unteren Bildrand. Da ist Ärger nicht weit. Stadtjugendpfleger Bernd Jahn greift energisch ein: die beiden müssen den Spruch übermalen und werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Auch die für später geplante Abschlussparty im Jugendzentrum ist für sie gelaufen. In der Werderstraße hat eine Polizeistreife einen Sprayer entdeckt, auf dessen T-Shirt ein beleidigender Spruch prangt. Und hat der Junge nicht gerade auch etwas Entsprechendes auf sein Bild gesprüht? Die angeblich anstößige Zahlenfolge auf dem Bild sei ein Teil der Emmendinger Postleitzahl, erklärt dieser. Sein Hemd muss er unter den Augen der Beamten auf links ziehen. Nervosität kommt auf. „Ich finde es schade, dass einige so eine Veranstaltung als Plattform für Beleidigungen nutzen,“ sagt Thomas Müller, der Leiter des Müllheimer Polizeireviers, der seinen freien Nachmittag unterbrochen hat und gekommen ist, um die Stimmung zu beruhigen.

Weiterer Verlauf des Contests blieb friedlich

Der weitere Verlauf des Contests bleibt friedlich. Alle bis auf die beiden Disqualifizierten machen sich einen chilligen Abend am Jugendzentrum „Bungalow“, das Kidpone inzwischen mit einem neuen, leuchtend grünen Graffiti aufgepeppt hat. Die Gewinner werden bekannt gegeben: Den zweiten Platz belegt „Vato“ aus Müllheim, den dritten „Ziek“ aus Freiburg. Alle drei erhalten Gutscheine für „Arbeitsmaterial.“ Einige der Bilder werden bei der Volksbank Breisgau-Markgräflerland, einer der Hauptsponsoren, in Müllheim und im Gewerbepark Breisgau aufgestellt. „Wir hatten eine nette Party mit schönem HipHop, einem guten DJ und zwei Plattenspielern“, berichtet Jahn am nächsten Tag.

Das „Bungalow“ sei für viele Jugendliche aus Müllheim ein echtes Zuhause, wo sie sich wohlfühlen und ihren Stützpunkt haben. „Wir von der Stadtjugendpflege sind die einzigen Erwachsenen, die auf die Kids Einfluss nehmen können, weil hier gegenseitiges Vertrauen herrscht“, sagt er. Den T-Shirt-Träger habe er zum klärenden Gespräch beiseite genommen: „Der ist erst 15 und hat gar nicht an die Folgen gedacht. Jetzt weiß er es“.

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