Müllheim Bürgerbündnis Bahn löst sich auf

Die Mitglieder des Bürgerbündnisses Bahn Markgräflerland stimmten für die Auflösung des Vereins.Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Auggen/Müllheim-Hügelheim. Die Deutsche Bahn hat bereits mit den Bauarbeiten für den Ausbau der Rheintalbahn im Planfeststellungsabschnitt 9.0 zwischen der Hügelheimer Runs und der Gemarkungsgrenze Auggen-Schliengen begonnen. Das Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland hat letztlich vergeblich für bessere Ausbaustandards und die Tieflage gekämpft und als Konsequenz seine Auflösung beschlossen.

Zur Mitgliederversammlung in der coronabedingt großzügig bestuhlten Hügelheimer Festhalle waren 25 Mitglieder gekommen, darunter der Müllheimer Bürgermeister Martin Löffler und der Hügelheimer Ortsvorsteher Martin Bürgelin sowie der Roland Diehl von der Bürgerinitiative MUT und der IG Bohr.

Man habe die Aktivitäten ruhig auslaufen lassen, erklärte der Vorsitzende Helmut Schmitt in seinem letzten Jahresbericht. Anhand des sich abzeichnenden Szenarios habe man für das Jahr 2020 auch keine Mitgliedsbeiträge mehr eingezogen.

„Wir gestehen uns selbst ein, dass wir das gesteckte Ziel, mit dem wir 2013 angetreten sind, nicht erreicht haben“, erklärte Schmitt. Das Bürgerbündnis habe sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, dass die betroffenen Gemeinden einen aktiven Lärmschutz ohne Schienenbonus bekommen. Des Weiteren hat sich das Bündnis für eine teilgedeckelte Tieflage anstatt hoher Lärmschutzwände eingesetzt. Darüber hinaus sollten Güterzüge mit Gefahrgut auf kreuzungs- und weichenfreien Trassen durch Bahnhöfe und Wohnbebauung rollen. Auch die Forderung, dass letztlich alle Güterzüge durch den Katzenbergtunnel fahren, wurde nicht erreicht. Ebenso scheiterte der Wunsch nach dem Erhalt des Müllheimer Bahnhofgebäudes und dem Ausbau des Bahnhofs zu einem modernen Verkehrsknotenpunkt.

Lärmschutz über Minimum

„Wir haben zwar keinen Vollschutz, aber einen über das gesetztliche Mindestmaß hinausgehenden Lärmschutz erreicht“, stellte der die Auggener Bürger im Vorstand vertretende Vorsitzende Peter Pilger fest. Er bedauerte, dass Auggens Bürgermeister Fritz Deutschmann nicht zur Versammlung gekommen war und auch keinen Vertreter geschickt habe.

„Die Politik hat uns seit dem Projektbeiratsbeschluss verlassen und hingehalten“, versuchte Schmitt eine Erklärung für das Scheitern zu finden. Die Bundes- und Landespolitiker hätten erwartet, dass Einigkeit in der Region bestehe und sich alle Gemeinden für die Tieflage einsetzten, erläuterte Schmitt.

Kritik übte Schmitt dabei an den südlichen Nachbargemeinden im Landkreis Lörrach, die aus der Furcht heraus, das regionale Halte in ihren Bahnhöfen wegfallen könnten, die Unterstützung verweigert hätten. Zudem liebäugelten einige Gemeinden damit, dass die bei ihnen abgestellten Gefahrgutzüge künftig auf Gleis 7 des Hügelheimer Knotens abgestellt würden, mutmaßte Schmitt. Das Gutachten des Züricher Ingenieurbüros Ernst Basler und Partner habe gezeigt, dass es dieses Gleis als Bypass für das Überwerfungsbauwerk gar nicht benötige, ergänzte er.

„So ist auch Demokratie“

„Letztlich haben wir es auch nicht geschafft, die Bevölkerung genügend zu mobilisieren“, sagte Schmitt und betonte: „So ist auch Demokratie. Es braucht Mehrheiten und letztlich kommen Kompromisse raus. Das ist mir immer noch lieber als Basta-Politik.“

„Ich hätte mir gewünscht, dass wir nicht sang- und klanglos gehen“, kommentierte Jasmin Dusi aus der Versammlung heraus die geplante Auflösung.

Letztlich stimmte die Versammlung mit 24 Ja- und einer Nein-Stimme für die Auflösung des Vereins. Helmut Schmitt war zuvor einstimmig zum Liquidator gewählt und Ulrike Minich als Schatzmeisterin mit der Abwicklung der Kasse betraut worden. Das Restguthaben soll, so der Beschluss der Mitgliederversammlung, an die Bürgerinitiative MUT (Menschen- und umweltgerechte Bahntrasse) gehen. Die Belange von Hügelheim sollen von der MUT vertreten werden (wir berichten noch).

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Peter Altmaier

Angesichts zunehmender Coronavirus-Neuinfektionen plädiert Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für härtere Strafen bei Verstößen gegen die Corona-Regeln. „Wer andere absichtlich gefährdet, muss damit rechnen, dass dies für ihn gravierende Folgen hat“, sagte Altmaier der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Teilen Sie seine Ansicht?

Ergebnis anzeigen
loading