Müllheim „Da steckt viel Leid dahinter“

Der Leiter des Müllheimer Polizeireviers, Polizeioberrat Thomas Müller, stellte die polizeiliche Kriminal- und Verkehrsunfallstatistik vor. Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Die Anzahl der Straftaten im Einzugsbereich des Polizeireviers Müllheim ist im vergangenen Jahr um 12,9 Prozent gesunken. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für das Jahr 2020 insgesamt 4377 Straftaten, 646 Fälle weniger als im Vorjahr, aus. Sorge bereitet Revierleiter Thomas Müller nach wie vor das Thema Rauschgift sowie die Entwicklung der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Letztere haben sich seit 2016 fast verdreifacht.

Von Alexander Anlicker

Müllheim. „Jeder Fall ist einer zu viel“, sagte Revierleiter Müller am Freitag bei der Vorstellung der Kriminalstatistik mit Blick auf die insgesamt 92 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Darunter sind 31 Fälle von sexuellem Missbrauch, zehn Fälle von Vergewaltigung, Nötigung oder sexuellen Übergriffen, aber auch 23 Fälle im Zusammenhang mit Kinderpornografie. „Da steckt viel Leid dahinter“, betont Müller mit Blick auf die Opfer. „Wenn man in einer Whats-App-Gruppe kinderpornografisches Material bekommt, soll man dieses nicht einfach löschen, sondern bei der Polizei anzeigen“, unterstreicht er. Auch bei den 31 Fällen von sexuellem Missbrauch fordert Müller dazu auf, nicht einfach wegzuschauen. „Das geht gar nicht, 31 Fälle sind 31 Fälle zu viel“, sagt er.

Von den 4377 Straftaten im vergangenen Jahr wurden 3582 vom Revier Müllheim bearbeitet, 651 Fälle weniger als im Jahr zuvor. Dies sei vermutlich der Corona-Situation geschuldet, erklärte Müller. Die meisten Straftaten entfallen auf die größeren Städte wie Müllheim mit 1230, Bad Krozingen mit 885 und Neuenburg mit 776 Fällen.

Die Aufklärungsquote stieg im selben Zeitraum von 55,8 auf 60,9 Prozent. Dies liege unter anderem an den Rauschgiftdelikten.

Ermittlungsgruppe Rauschgift

Die Zahl der Rauschgiftdelikte hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen und stieg von 480 auf 498 Fälle. Der Schwerpunkt lag dabei in Müllheim mit insgesamt 252 Fällen, ein Plus von 51 Fällen im Vergleich zu 2019. Eine eigens gebildete Ermittlungsgruppe Rauschgift beim Polizeirevier Müllheim hat allein 107 Fälle bearbeitet. Marihuana hat mit 357 Fällen den größten Anteil an den Rauschgiftdelikten.

Die Ermittlungsgruppe arbeite erfolgreich, so sei es nicht mehr so einfach, auf Schulhöfen an Cannabis zu kommen, berichtet Müller. Es sei aber nach wie vor genauso viel Stoff im Umlauf, wie vor der Verhaftung eines Dealers, der eine Million Euro umgesetzt hatte und zwischenzeitlich zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde.

Einbruch, Ladendiebstahl und Straßenkriminalität

Die Zahl der Diebstahlsdelikte ist im Vergleich zum Vorjahr von 1524 um ein Drittel auf 1014 Fälle zurückgegangen. Wenn Läden geschlossen haben, gibt es auch weniger Ladendiebstähle. Auch die Zahl der Wohnungseinbrüche ging von 112 auf 44 Fälle zurück. Auch hier vermutet Müller die Corona-Pandemie als Ursache. Die Täter wissen, dass die Menschen wegen Home Office mehr zuhause seien. Zugleich sei es beispielsweise für Einbrecherbanden aus dem Kosovo gefährlicher, wenn an den Grenzen wieder kontrolliert werde.

Rückläufig war auch die Straßenkriminalität: Waren es im Jahr 2019 noch 1022 Fälle, wurden im Jahr 2020 nur noch 700 Fälle gezählt. Dies liege unter anderem daran, dass es außer Fasnacht im vergangenen Jahr nicht viele Feste gegeben habe, wo Menschen über die Stränge schlagen können. Die Zahl der Rohheitsdelikte ist hingegen weniger stark zurückgegangen. Die Statistik weist 677 (Vorjahr: 771) Fälle, davon 496 (553) Körperverletzungsdelikte, aus. Die Gewalt habe sich von der Straße in den häuslichen Bereich verlagert, vermutet Müller.

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