Müllheim Drei Tage Markgräfler Lebensfreude

Volker Münch

Darauf hatten viele Menschen in Müllheim und in der Region gewartet: Nach zwei Jahren konnte das Müllheimer Stadtfest wieder in der Fußgängerzone starten. Viele Gäste feiern mit der Stadt und den Vereinen das Jubiläum „50 Jahre Stadtfest“. Der traditionelle Fassanstich vor der Martinskirche war für Bürgermeister Martin Löffler in seinem nun dritten Amtsjahr eine Premiere.

Von Volker Münch

Müllheim. Selten kamen so viele Gäste zur Festeröffnung in die Martinskirche. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster und Müllheims Ex-Bürgermeister René Lohs. „Das Stadtfest steht für die Verbundenheit mit den Ortsteilen und der Region“, sagte Bürgermeister Martin Löffler und griff den ursprünglichen Anlass für das Fest auf. Löffler zollte bei dieser Gelegenheit den Ortsteilen und ihren Einwohnern großen Respekt für ihr Engagement in den Dorfgemeinschaften.

Unter dem Titel „Müllheim und das Markgräflerland – Geschichte einer besonderen Beziehung“ beleuchtete der Historiker, Museumsleiter und Kulturdezernent Jan Merk auf unterhaltsame Weise das Verhältnis zwischen Stadt und dem Markgräflerland, nachdem er sich zuvor sowohl der Entstehung der Stadt als auch des „Kunstbegriffs Markgräflerland“ angenommen hatte.

Blick in die Geschichte

Das Thema ist übrigens nicht zufällig gewählt. Es hat auch mit der Idee der Stadt zu tun, den Ortsnamen Müllheim um den Zusatz „im Markgräflerland“ zu ergänzen. Dazu hat Jan Merk viele Aspekte und Ereignisse zusammengetragen, die zeigen, wie sich Müllheim und das Markgräflerland wechselseitig beeinflusst und geprägt hätten. Sein historischer „Ausflug“ begann nicht erst bei der frühmittelalterlichen Siedlung „mulinhaimo“ um 758 nach Christus, sondern verweist auf archäologische Belege, die über die Kelten und Römer bis in die Steinzeit reichen. Über die Jahrhunderte blieb nach den Worten des Historikers Müllheim lange ein beschauliches, stolzes, großes Rebdorf. Erst die Kriege mit Frankreich gegen Ende des 17. Jahrhunderts hätten gewaltige Auswirkungen auf die Region gehabt. Das Marktrecht für die Stadt, die zerstörte Zähringerstadt Neuenburg und Zerstörung der Burg Badenweiler führte zur Verlegung des Amtssitzes des Markgrafen nach Müllheim. „Dieses Marktrecht und der Amtssitz brachten für Müllheim eine enorme Entwicklung“, wie Merk weiter berichtete. Müllheim erhielt als Ausdruck der gewachsenen Bedeutung vom letzten Markgrafen und späteren Großherzog Carl Friedrich 1810 die Stadtrechte verliehen. Damals gab es den Begriff „Markgräflerland“ noch nicht, vielmehr gehörte Müllheim zur Region „Breisgau“, die nördlich von Freiburg über das Basler Rheinknie bis nach Bad Säckingen hingezogen hatte. „Genau in dieser Zeitspanne ist der Begriff ‚Markgräflerland‘ erfunden worden“, betonte Merk.

Doch was das Markgräflerland wirklich ist, lasse sich gar nicht einfach beantworten wie unterschiedliche Sichtweisen bekannter Historiker, Kulturreferenten oder auch Publizisten vertraten. Tatsächlich sei diese Wortschöpfung dem Historiker und Archivar Joseph Bader zu verdanken, der den Begriff erstmals im Jahr 1843 verwandte. Bader habe es auf den Punkt gebracht und die neue Wortschöpfung mit den Werten, die bis heute noch gelten – also Landschaft, die Lage am Oberrhein, Wein, der Charakter der dort lebenden Menschen und die Mundart – in Verbindung gebracht. „Mit dieser Begriffsschöpfung ist Bader ein Coup gelungen, weil sich die damaligen Einwohner mit dem Begriff identifizierten“, betonte der Referent. „Für viele war und ist Müllheim so etwas wie der Inbegriff der Markgräfler Lebensart – und heimliche Hauptstadt des Markgräflerlandes“, berichtet der Festredner.

Zusatz ist gut gewählt

In der ersten Stadtchronik verwandte Pfarrer Albert Julius Sievert im Jahr 1886 den Namen „Müllheim im Markgräflerland“ Heute stünde der Name Markgräflerland für positive Assoziationen wie Lebensgefühl, Wein, Landschaft, Klima und vieles mehr, was die Lebensqualität ausmache, so Merk weiter. Deshalb sei die Entscheidung des Gemeinderates vor wenigen Tagen, den Namen der Stadt in „Müllheim im Markgräflerland“ zu ändern, die konsequente Fortführung einer langen, wechselvollen Beziehungsgeschichte. Nach dem Festvortrag fiel mit dem traditionellen Fassanstich, ausgeführt von Bürgermeister Löffler, mit Gesang und Musik des Hügelheimer Küferchors und der Stadtmusik der symbolische Startschuss für drei Tage Fest- und Weinlaune.

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