Müllheim Fernsehgemeinschaft zieht Stecker

Alexander Anlicker
Nachdem nun auch der letzte Nutzer auf Satellitenfernsehen umgestellt hat,, hat Stephan Denzer von der Fernsehgemeinschaft Feldberg den Stecker gezogen und das örtliche Kabelnetz außer Betrieb genommen. Foto: Alexander Anlicker

Nach gut 55 Jahren ist die Fernsehgemeinschaft Feldberg Geschichte. Stephan Denzer, Vorsitzender und zugleich Techniker des Vereins, hat kurz vor Weihnachten quasi den Stecker gezogen und damit die Anlage abgeschaltet, die seit 1967 die Dorfbewohner mit Radio und Fernsehen versorgte.

Von Alexander Anlicker

Müllheim. In den 1960er-Jahren war es im Müllheimer Ortsteil Feldberg um das damals noch recht junge Medium Fernsehen nicht gut bestellt: Hellenberg und Stalten, zwischen den Radio- und Fernsehsendern auf dem Blauen und dem Kaiserstuhl gelegen, störten den Empfang.

Im Jahr 1967 gründete sich dann die Fernsehgemeinschaft Feldberg, um Abhilfe zu schaffen. Der Verein stellte auf der Egt zwischen Feldberg und Niedereggenen einen Mast auf, mit Antennen für die damaligen drei deutschen Fernsehprogramme von ARD, ZDF und SWR sowie den Schweizer Sender DRS. Damit hatten die Feldberger sogar ein Programm mehr als die Einwohner im Kernort, berichtet Stephan Denzer.

Von der Antenne ging das Kabel zunächst unter das Dach des Anwesens von Otto Kammerer, dem damaligen Vorsitzenden des Vereins. Von dort ging es dann weiter von Haus zu Haus. Insgesamt fünf Kilometer Kabel wurden im Ort verlegt, hinzu kamen Verstärker an sechs Standorten.

Seit 1999 ist die Technikzentrale im ehemaligen Schlachthäusle untergebracht. Damals übernahm Stephan Denzer das Amt von Otto Kammerer als Vorsitzender und Technikverantwortlicher. Als Funkamateur bringt Denzer auch das technische Know-how mit ein.

Einst mit rund 200 Anschlüssen

Rund 200 Fernsehanschlüsse gab es in besten Zeiten im Ort, berichtet Denzer. Auch noch als in den 1980er-Jahren das Kabelfernsehen in Deutschland eingeführt wurde, denn Feldberg blieb beim Kabelfernsehen außen vor. Das Kabel endete am Ortsausgang von Vögisheim. Der Anschluss von Feldberg sei für den damaligen Anbieter wohl nicht rentabel gewesen, sagt Denzer.

Der Verein ergänzte die Antennen auf der Egt um Satellitenschüsseln, und so waren es zu Beginn der 1990er-Jahre 14 Programme, öffentlich rechtliche und private Fernsehsender, welche die Fernsehgemeinschaft über das eigene Kabelnetz ins Haus lieferte. Am Ende waren es sogar rund 30 Programme, einschließlich eines eigenen Feldberger Infokanals, der in einer Endlosschleife auf Neuigkeiten und Veranstaltungstermine im Ort aufmerksam machte. Finanziert wurde dies unter anderem durch einen Werbespot einer örtlichen Winzergenossenschaft. Selbst digitale Fernsehprogramme über Satellit wurden seit dem Jahr 2000 ins Vereinsnetz eingespeist.

Weniger Nutzer seit dem Jahr 2000

Dennoch war die Zahl der Nutzer seit Beginn des Jahrtausends rückläufig. In den Neubaugebieten wurde auf Satellitenfernsehen gesetzt und auch im Ort nahmen die Schüsseln zu. Im Jahr 2016 hat die Telekom Feldberg zudem ans Glasfasernetz angeschlossen.

Anfang 2021 zählte der Verein noch zehn aktive Fernsehanschlüsse, zwei Tage vor Heiligabend hat nun der letzte Nutzer auf Satellitenempfang umgestellt. Stephan Denzer hat den Stecker gezogen und das Verteilernetz im Ort ausgeschaltet. Damit gehen knapp 55 Jahre Fernsehgeschichte in Feldberg zu Ende und auch der Feldberger Infokanal hat seinen Betrieb eingestellt.

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