Von Dorothee Philipp

Müllheim. Über 510 000 mal wurde Karin Schindlers Blog „Lebensart im Markgräflerland“ in den fast vier Jahren seines Bestehens schon angeklickt. Die Müllheimerin erfreut sich mit ihrer Mischung aus Rezepten, Kochanleitungen, Ausgehtipps und Dekorationsideen einer großen Fangemeinde. Jetzt hat auch der SWR angebissen: Vor einigen Tagen stand ein Fernsehteam vor ihrer Tür, um Einkauf und Zubereitung eines typischen Markgräfler Essens zu filmen. Der Beitrag soll in die neue Reihe „Essgeschichten“ aufgenommen werden, in der originelle Koch-Blogs, aber auch unbekannte oder in Vergessenheit geratene Lebensmittel vorgestellt werden.

Unbekannte und in Vergessenheit geratene Lebensmittel

Im Fall von Karin Schindler sei man auf beiden Schienen fündig geworden, sagte Kirsten Ruppel, die Leiterin des SWR-Drehteams, der Oberbadischen in der mit Kamerastativen, Leuten und Einkäufen vollgestopften Küche von Karin Schindler. Bei dem unbekannten Lebensmittel handelte es sich um Catalogna, eine Zichorienart, die am Kaiserstuhl „Vulkanspargel“ genannt wird. Die dunkelgrünen bis zu 60 Zentimeter langen Blätter ähneln einem großen Löwenzahn, das Gemüse hat mit diesem aber nur eine leichte Bitterkeit gemeinsam. Die blassen, fleischigen Schösslinge am Strunk erinnern entfernt an Spargel. Was denn das sei, habe sie ihre Nachbarin Gertrud Stange gefragt, als diese an einem Markttag mit dem Vulkanspargel im Korb nach Hause gekommen ist, berichtet Karin Schindler. Sie kenne das auch nicht, wolle es aber mal ausprobieren, meinte die Nachbarin. Und dann wurde gekocht und in den Blog gestellt.

Fernsehteam drehte zwei Tage lang

Zwei Tage ließ sich das Drehteam Zeit, bis alles im Kasten war. Zuerst ging’s gemeinsam zur Gärtnerei Piluweri nach Hügelheim, die die Catalogna anbaut. Am Tag darauf dann war Action in Küche und Garten angesagt. In ihrem Garten baut Karin Schindler Kräuter und Kleingemüse wie Peperoni an. Die Kamera folgte ihr ins wuchernde Grün, um sie bei der Ernte einer roten Chili-Schote abzulichten. Zusammen mit Knoblauch, Chili, Zwiebeln und Trauben – diese bieten dem Bitterton der Catalogna Paroli – wurde der Vulkanspargel dann in der Pfanne gebraten und mit einem Schuss weißem Gutedel abgeschmeckt. Dazu gab’s Pasta.

Aus den Kochbüchern von Mama und Oma hat Karin Schindler typische Markgräfler Gerichte „gerettet“, die heute kaum noch gekocht werden: Zum Beispiel saure Kartoffeln mit Fleischwurst, ein schmackhaftes Gericht, von dem die Fernsehleute ebenfalls begeistert waren. Und als süßer Abschluss kam eine „Hüsinger Torte“ auf den Tisch, eine hellblonde Verwandte der Linzer mit einem Belag aus Marmelade und Nüssen. „Das Wochenende mit den Leuten vom SWR war anstrengend, aber total interessant“, meinte Karin Schindler, nachdem das Drehteam wieder abgezogen war. Gewöhnungsbedürftig war für sie die Zeit, die manche Einstellungen brauchten. Ihren Tribut forderte die Filmerei bei den Spaghetti: Die seien, als sie schließlich auf den Tisch kamen, viel zu weich gewesen. Aber das sieht man im Film natürlich nicht.

FAST TÄGLICH NEUE REZEPTE

Die „Essgeschichten“ des SWR gehen erst im nächsten Jahr in Produktion, aber Karin Schindlers Blog ist präsent: Seit 2010 stellt sie fast täglich neue Rezepte und Fotos ein, kostenlos, für alle ohne Anmeldung einsehbar. Eine bis zwei Stunden am Tag investiert sie unter der Woche, um den Blog zu aktualisieren, am Wochenende wird ausführlich gekocht und fotografiert. Dabei assistiert ihr Mann Alexander Anlicker, der sie auch bei ihren Exkursionen durch das Markgräflerland und das Elsass begleitet.

Der Blog findet sich im Netz unter www.markgraeflerin.wordpress.com.