Müllheim Refugien für Fledermäuse

Alexander Anlicker
Wanderer, Spaziergänger und Sportler nutzen den Eichwald. Das Thema ist entsprechend emotional besetzt. Foto: Anlicker

Einmal mehr war der Eichwald Thema im Müllheimer Gemeinderat. Gut zweieinhalb Stunden lang ging es um Fledermäuse, die Zwischenrevision des Forsteinrichtungsplans, die Ergebnisse der Gespräche mit der Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“, die Bewirtschaftung des Eichwalds bis 2026 sowie den noch ausstehenden Beschluss des Forstbetriebsplans 2023 für den Eichwald (Distrikt 1).

Von Alexander Anlicker

Müllheim. Johanna Hurst vom Institut für angewandte Tierökologie in Freiburg stellte die Habitatpotenzialanalyse und Maßnahmeempfehlungen für Fledermäuse vor.

Fledermauskonzept

Verlässliche Zahlen, wieviele Fledermäuse im Müllheimer Eichwald leben, gibt es nicht. Gleichwohl machte die Wissenschaftlerin deutlich, wie gut der Eichwald als Lebensraum und insbesondere als Kinderstube für die Fledermäuse geeignet sei. Alte Bäume mit Spechtlöchern oder aufgeplatzter Rinde böten den Tieren ein Quartier. Dabei nutzten diese nichtnur ein Baumquartier sondern bis zu 50 Baumquartiere im stetigen Wechsel. Von Mai bis August zögen unter anderem die geschützte Bechsteinfledermaus, Kleinabendsgeler, Braunes Langohr und Mopsfledermaus ihren Nachwuchs im Wald auf und nützten diesen als Wochenstubengebiet. Zudem sei der Wald im Spätsommer und Herbst Paarungsgebiet und für einige Arten auch Überwinterungsgebiet. Insgesamt gebe es im Eichwald mögliche Vorkommen von bis zu 17 Fledermausarten, stellte Hurst fest, die mangels konkreter Zahlen aus dem Eichwald auch Daten aus einem fünf Kilometer Radius in ihr Gutachten einbezogen hat. Unter anderem verwies sie auf eine Mausohr-Kolonie in Müllheim mit rund 100 Tieren sowie eine Kolonie der Wimpernfledermaus mit 500 Tieren in Vögisheim.

Waldrefugien

Konsequenz aus der Untersuchung ist ein Konzept für eine fledermausfreundliche Waldbewirtschaftung in Zusammenarbeit mit dem Forst und dem Naturschutzbund, der unter anderem die Spechte im Eichwald kartiert hat. Das vom Gemeinderat nun bewilligte Konzept sieht vor, dass sechs weitere Waldrefugien ausgewiesen werden, wo der Wald sich selbst überlassen wird.

Darüber hinaus werden weitere Bereiche definiert, in denen die Waldnutzung temporär eingeschränkt wird. Letztendlich sollen diese Flächen in einem rollierenden System wechseln.

Gute Durchmischung

Im Bericht zur Zwischenrevision zog Forstdirektor Tobias Mathow eine positive Bilanz. Beim Einschlag habe man zur Halbzeit des zehnjährigen Forsteinrichtungsplans eine Punktlandung hingelegt. Darüber hinaus gebe es in Müllheim eine gute Baumartendurchmischung, was sich auch in den zurückliegenden Dürrejahren mit einem Schadholzanteil von nur 20 Prozent niedergeschlagen habe. Dieser Anteil sei andernorts deutlich höher.

Gespräche mit BI

Vieles was sich in den Konfliktlösungsgesprächen mit der Bürgerinitiative „Rettet den Eichwald“ ergeben habe, findet sich im Bewirtschaftungskonzept für den Eichwald für die kommenden fünf Jahre wieder, erklärte der für den Stadtwald zuständige Beigeordnete Günter Danksin. Man habe sich mit externer Begleitung in einer Gruppe von neun Personen dezidiert ausgetauscht, sagte er und bewertete das Ergebnis als „sehr gut gelungen“. Es sei ein Prozess gewesen, der Zeit und Einsatz gekostet habe.

„Wir wollen alle das beste für den Eichwald“, betonte Forstdirektor Mathow und sprach von einer „interessanten und lehrreichen Diskussion“.

Eichenbestand erhalten

Er erinnerte zunächst an die Intention des ursprünglichen Forsteinrichtungsplans. Die Zahl der Eichen ging in den vergangenen Jahrzehnten stetig zurück und mache aktuell nur noch die Hälfte des Baumbestands aus. Ziel sei es, dieses Erbe zu bewahren. Damit die Eichen nicht noch weiter von Buchen zurückgedrängt werden, seien Verjüngungsmaßnahmen vorgesehen. Je älter die Bäume sind, desto vulnerabler seien sie in Bezug auf den Klimawandel, stellte Mathow fest. Auf der Hälfte der 300 Hektar Eichwald seien die Bäume älter als 140 Jahre. Vorgesehen waren Verjüngungsmaßnahmen auf einer Fläche von 26 Hektar. In den ersten fünf Jahren fand die Verjüngung nur auf fünf Hektar statt. Dieser Ansatz wurde nun auf insgesamt 14 Hektar reduziert. Das bedeutet, dass in den nächsten fünf Jahren auf einer Fläche von zwei knapp Hektar verjüngt werden soll.

Dies war der Gemeinderatsfraktion der Grünen immer noch zuviel, welche die Fläche auf einen Hektar reduzieren wollte. Der Antrag wurde aber mit 14 zu sechs Stimmen abgelehnt.

Betriebsplan genehmigt

Letzlich stimmte der Gemeinderat dem Bewirtschaftungskonzept für den Eichwald für die kommenden fünf Jahre sowie dem Forstbetriebsplan 2023 für den Distrikt 1 zu.

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