Müllheim Rollstuhl, Kinderwagen und Rad

Stadt und Bahn ringen um die künftige Ausstattung des Bahnhofsgebäudes.Foto: Alexander Anlicker Foto: Weiler Zeitung

Der Müllheimer Gemeinderat beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Ausgestaltung des Bahnhofsbereichs im Zuge des Ausbaus der Rheintalbahn. Schwerpunkte waren unter anderem die Themen Radverkehr und Barrierefreiheit.

Von Alexander Anlicker

Müllheim. Müllheims Bürgermeister Martin Löffler erinnerte daran, dass der Gemeinderat erst im September 2018 der Verwaltung ein Verhandlungsmandat für Gespräche mit der Bahn gegeben habe, nachdem die Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss gescheitert war. Der Zeitraum sei recht knapp, aber es sei schon etwas erreicht worden, meinte Löffler. Unter anderem leitet die Bahn ein Planänderungsverfahren für den Bahnhof ein. Auch werde der zentrale Omnibusbahnhof nach den Vorstellungen der Stadt überplant. Baudezernentin Franka Häußler informierte das Gremium über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit der Bahn.

Vereinbarungen und Verträge

Häußler berichtete, dass zwischenzeitlich die erste Eisenbahnkreuzungsvereinbarung für die Wasserleitung des Zweckverbands Wasserversorgung Weilertal (ZWW) im Bereich der Hügelheimer Runs unterzeichnet worden sei. Weitere Vereinbarungen wie die Eisenbahnüberführung Zienkener Weg, die Eisenbahnüberführung für die Parkplatzzufahrt auf der Westseite des Bahnhofs sowie die Neuenburger Runs seien kurz vor dem Abschluss.

Darüber hinaus werden verschiedene Planungsvereinbarungen vorbereitet. Häußler nannte unter anderem die durch die mit der Verlegung der Klosterrunsstraße erforderliche Verlegung von Kanälen. In diesem Zusammenhang sollen die Mischwasserkanäle auf Trennsystem umgestellt werden und ein Regenwasserkanal zu einem neuen Versickerungsbecken nördlich des Autobahnzubringers (Bundesstraße 378) gebaut werden. Die Stadt müsse 70 Prozent der Kosten tragen, was dem Anteil des aus dem Industriegebiet kommenden Regenwassers entspricht. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 4,3 Millionen Euro, wovon die Bahn 30 Prozent übernimmt, erklärte Häußler auf Nachfrage von Stadtrat Michael Fischer.

Erste Ausschreibungen im März

Die Bahn hat Baurecht und wird das erste Ausschreibungspaket im März ausschreiben. Im vierten Quartal soll mit dem Bau begonnen werden. Ende der Bauzeit sei voraussichtlich im Jahr 2025. Der erste Bauabschnitt umfasst unter anderem das Freimachen des Baufeldes für die Verlegung der Klosterrunsstraße sowie die Eisenbahnunterführung für die Parkplatz-Zufahrt, die neuen Parkplätze auf der Ost- und Westseite, die Sanierung der Treppe und Unterführung sowie der Bau der Rampe zu den künftigen Bahnsteigen.

Die Stadt habe der Bahn mitgeteilt, wo sie Sichtbeziehungen beziehungsweise transparente Lärmschutzwände wünscht. Diese fließen in die Berechnung für die Lärmschutzwände und in die Planänderung ein. Wichtig sei, vom Busbahnhof und von den Fußgängerbereichen auf den Bahnsteig zu sehen, erklärt Häußler.

Barrierefreiheit und Radverkehr

Erfreut zeigte sich Häußler, dass es gelungen ist, die Bahn von einer Rampe auf der Westseite zu überzeugen. Diese verläuft in einer Zickzack-Linie, so dass Radler keine Fußgänger gefährden. Auf der Ostseite ist stattdessen ein Aufzug vorgesehen. Eine Rampe sei aus Platzgründen nicht möglich, erläuterte Häußler. Dennoch beschloss der Gemeinderat, dass sich die Verwaltung in den Gesprächen mit der Bahn weiter für Rampe und Aufzug einsetzen soll. Wenn es nur eines geben sollte, dann sollte dem Aufzug der Vorzug gegeben werden. Für ältere Menschen, die nicht gut zu Fuß seien, sei der Aufzug besser, argumentierte Jörg Pflieger. Eckhard Phillips regte an, dass der Aufzug so dimensioniert sein müsse, dass der Rettungsdienst mit Krankentrage und Personal hineinpasse. Dies käme dann auch Familien mit Rad und Anhänger zugute.

Radfahrer, die ihr Fahrrad im Zug mitnehmen wollen, können entweder den Aufzug nutzen oder durch die neue Unterführung zur Rampe auf der Westseite fahren.

Was die Fahrradabstellplätze angeht, ist die Bahn bereit, die vorhandenen 305 Plätze wieder herzustellen. Die Stadt geht von einem Bedarf von mindestens 400 Plätzen aus, müsste laut Bahn die Differenz aber selbst finanzieren. Allerdings würden die Fahrradabstellplätze zu 50 Prozent mit Fördermitteln des Landes bezuschusst. Hier sei in den Gesprächen noch vieles offen, berichtete Häußler. Man müsse jedoch mehrgleisig fahren. Es brauche sowohl kostenlose offene Abstellplätze als auch abschließbare Boxen oder ein abgeschlossenes Parkhaus, da immer mehr Menschen teure E-Bikes hätten.

Angesichts des Platzbedarfs müsse man sich auch überlegen, in die Höhe zu gehen. So gebe es hydraulische Schienen, mit denen man zwei Räder übereinander abstellen könne.

Zentraler Omnibusbahnhof

Der Planfeststellungsbeschluss sieht eine Lösung vor, wie sie jetzt vorhanden ist. Das Baudezernat hat zusammen mit einem Planungsbüro eine Lösung mit einem barrierefreien Mittelbussteig erarbeitet, der ebenfalls Platz für sechs Busse (davon fünf Gelenkbusse) bietet. Ein Lösung, die von den Busunternehmen für gut befunden und wohl auch von der Bahn akzeptiert werde. Die Stadt werde sich zudem für ein durchgehendes Dach einsetzen.

Ansprüche an das Bahnhofsgebäude

Was das Bahnhofsgebäude angeht, drückt die Bahn aufs Tempo und will bis Ende Februar die Unterlagen für das Planänderungsverfahren einreichen. Die Stadt habe in ihrer Stellungnahme ein größeres Dach gefordert, um darunter mehr Nutzungen unterzubringen. Unter anderem hatte die Stadt auch Fotovoltaik-Anlagen auf dem Dach angeregt, für die entsprechende Technikräume benötigt werden. Zugleich würde eine Müllheimer Bank gerne einen Geldautomaten und Servicestation einrichten. Die dafür nötigen Räume könnten in einem separaten Gebäudeblock oder aber im Bereich des Kiosks und des Backshops untergebracht werden.

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