Müllheim Sorge um kleine Stacheltiere

Claudia Bötsch

Die Pflanzen- und Tierwelt ächzt unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit – besonders betroffen ist der Igelnachwuchs. Die Tiere leiden unter Hunger und Dehydrierung. „In den nächsten Wochen wird es einige hundert Igel kosten“, befürchtet Anja Roth, Vorsitzende des Tierschutzvereins Markgräflerland. „Die Tiere brauchen jetzt unsere Hilfe“, macht sie im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich.

Von Claudia Bötsch

Markgräflerland. Die Trockenheit erschwert die Nahrungssuche immens. Würmer verziehen sich in tiefere und feuchtere Erdschichten, und der Boden ist zu hart zum Scharren nach Futter. Hunger und Durst treiben die eigentlich nachtaktiven Wildtiere darum derzeit immer häufiger auch tagsüber aus ihren Verstecken.

Alles staubtrocken

„Die Tiere finden einfach nichts bei diesem Wetter. Es gibt keine Käfer, keine Schnecken, alles ist staubtrocken“, weiß Roth, die seit mehr als 30 Jahren im Tierschutz aktiv ist.

Das hat auch zur Folge, dass Igelmütter sich auf der Suche nach Essbarem immer weiter von ihren Nestern und den noch zu säugenden kleinen Igeln entfernen. „Igelmütter verlassen ihre Babys derzeit reihenweise“, berichtet Roth, bei der zurzeit mehrere verwaiste und teilweise verletzte Igelbabys in Pflege sind. Am Montag wurde beispielsweise ein Jungigel in Neuenburg gefunden, der halb verhungert, ausgetrocknet und völlig kraftlos war. Wenn es gelingt, die Tiere wieder aufzupäppeln und sie stabil sind, werden sie behutsam wieder ausgewildert, erzählt Roth im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Igelnachwuchs ist zurzeit etwa vier bis sieben Wochen alt. In normalen Sommern mit ausreichendem Nahrungsangebot bringen diese zwischen 110 und 250 Gramm auf die Waage.

Unterernährte Igel

Aktuell bekomme sie allerdings nur unterernährte Igel zu Gesicht. „Bei uns werden immer wieder verletzte Igel abgegeben, zum Beispiel, weil sie in einen dieser unsäglichen Mähroboter geraten – diese Tiere waren aber gut genährt. Das ist derzeit leider nicht der Fall“, gibt sie ihre Beobachtungen weiter.

Appell an Gartenbesitzer

Sorgen machen Roth vor allem auch die kommenden Wochen und Monate. Denn viele Igel kommen noch im Spätsommer zur Welt. Unter den derzeitigen Bedingungen werde es jedoch äußerst schwierig für sie, es über den Winter zu schaffen. „Sie brauchen jetzt unsere Unterstützung“, appelliert die Tierschützerin an die Gartenbesitzer. Für viele Igel gehe es nicht mehr ohne eine Ergänzungsfütterung. Wobei sie klarstellt: „Wir haben aktuell eine Sondersituation. Normalerweise sollten Wildtiere wie Igel nicht gefüttert werden.“

Füttern ja – aber richtig

Derzeit seien für die Tiere jedoch eine Wasserschale und Katzennassfutter hilfreich: „Über das Wasser freuen sich nicht nur die Igel, sondern auch Vögel, Insekten oder Eidechsen.“

Wichtig sei, den Igeln nichts anderes als Katzennassfutter zu geben, betont Roth. „Hände weg von teurem Igel-Fertigfutter, das meist ungeeignet ist, gleiches gilt für Haferflocken, Milch, eingeweichtes Brot oder ähnliches.“ Das in den Mischungen oftmals enthaltene Getreide könne für die Tiere tödlich sein, da es für starke Magen-Darm-Entzündungen sorge. Igel sind reine Fleischfresser und laktoseintolerant, macht die Tierschützerin deutlich. Das heißt, sie können nach dem Trinken von Milch sterben.

Naturnah statt akkurat

„Und bitte Finger weg von Kunstdüngern“, appelliert Roth. Denn in der Not würden Igel alles fressen.

Generell hat sie einige Tipps für igelfreundliche Gärten: Naturnahe Gärten mit Rückzugsorten wie Laub- oder Holzhaufen seien ideal. Penibel aufgeräumte Gärten mit englischem Rasen seien für die Tiere hingegen ein Graus. Störend sind für Igel zudem Gartenbesitzer, die jeden Tag aktiv sind und dadurch die Tiere aufschrecken, ergänzt sie.

Wenn Unsicherheit über den Zustand eines Igels besteht, sollte das Tier gewogen werden, empfiehlt Roth. Bis zum Winter, wenn es für die Tiere in den Winterschlaf geht, sollten Igel mehr als 500 Gramm wiegen. Wer Igel findet, die krank oder verletzt sind, kann den Tierschutzverein kontaktieren.

Müllheim-Zunzingen (boe). Der Fall sorgt bei Anja Roth immer noch für Wut im Bauch: Ende Juli wurde die Tierschützerin nach Zunzingen gerufen. Dort war ein Igel in eine illegal aufgestellte Marderfalle geraten. Eine Igelmutter, wie an den Zitzen zu erkennen war.

Falle nicht überlebt

„An dem Tier waren Schmeißfliegen dran, die Maden waren schon ausgeschlüpft“, beschreibt sie den erbärmlichen Zustand des Tieres, das infolge seiner Verletzungen und seines Erschöpfungszustands verstarb. Die Igelmutter sei vermutlich erst nach Tagen vom Fallenaufsteller entdeckt worden, der daraufhin den Tierschutzverein angerufen habe.

Keine Genehmigung

„Es ist verboten, einfach solche Fallen aufzustellen“, stellt Roth klar. Der Marder unterliegt hierzulande dem Jagdrecht. Das heißt, „Marder dürfen nur von Jägern gefangen werden, die eine Sondergenehmigung haben“. Zudem sei es wichtig, dass die Falle regelmäßig, das heißt alle paar Stunden, kontrolliert wird.

Anzeige und Bußgeld

Der Fallenaufsteller sei leider sehr uneinsichtig gewesen, berichtet die Tierschützerin. Nach ihrer Anzeige sei die Polizei vor Ort gewesen und habe die Falle beschlagnahmt, die bereits wieder im Garten aufgestellt war. Der Mann muss nun ein Bußgeld zahlen wegen Jagdwilderei. Außerdem erwartet ihn laut Roth noch eine Anzeige von der Jägervereinigung.

Igelkinder wurden anschließend in der näheren Umgebung nicht gefunden, „obwohl die Anwohner die Augen offengehalten und auch Futter aufgestellt haben“. Im besten Fall war der Nachwuchs schon größer und konnte bereits selbst jagen, so Roth. Andernfalls sind die Jungen im Nest verendet oder wurden gefressen.

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