Müllheim Statt Radlern sollen künftig Autos halten

Alexander Anlicker
Die Gemeinderäte finden die Idee gut, sorgen sich aber aufgrund der unübersichtlichen Kreuzung um mögliche Unfälle Foto: Alexander Anlicker

Gute Nachrichten für die Radfahrer in Müllheim: Der Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig das Radwegekonzept beschlossen. Im Mittelpunkt steht unter anderem der Klemmbachradweg, wo Radfahrer bei Querungen Vorrang bekommen sollen.

Von Alexander Anlicker

Müllheim. Die Bestandssituation sei gar nicht so schlecht wie gedacht, freute sich Bürgermeister Martin Löffler eingangs der Beratung und kündigte an, dass die Müllheimer Verwaltung das Maßnahmenkonzept umsetzen wolle.

Michael Beutel und Stephan Kritzinger vom Zentrum für integrierte Verkehrssysteme (ZIV), die online zugeschaltet waren, stellten die wichtigsten der 14 vorgeschlagenen Maßnahmen vor. Unter anderem ist vorgesehen, dass der Klemmbachweg an fast allen Kreuzungspunkten bevorrechtigt wird. Die Idee, dass Radfahrer auf dem Weg von Müllheim zum Bahnhof durchfahren können ohne anzuhalten, findet beim Gemeinderat durchaus Anklang.

Schneller zum Bahnhof: Vorfahrt für Radler

Kritisch sehen sie jedoch die Querung des Klemmbachradwegs mit der Schliengener Straße. Hier wird unter anderem Tempo 30 vorgeschlagen und der Radverkehr soll über eine entsprechende Beschilderung oder Markierung bevorrechtigt werden. Auch eine Fahrbahnanhebung des Radwegs sei denkbar, erklärte Beutel.

Das Problem aus Sicht der Ratsmitglieder seien die Sichtbeziehungen. Für Autofahrer sei nicht gleich zu sehen, ob auf dem Radweg ein Radfahrer angefahren kommt, stellte Stadtrat Jürgen Nafz fest. Auch andere Ratsmitglieder sahen diese Stelle kritisch und fürchten, dass es zu Unfällen kommt. Insbesondere auch, weil die Radfahrer mit E-Bikes auch deutlich schneller unterwegs sind.

Zuvor hatte Beutel noch einmal die bereits im Herbst vorgestellten Untersuchungsergebnisse zusammengefasst. Unter anderem wurde ein Radwegenetz von den Quell- zu den Zielpunkten erarbeitet. Zentrales Element ist der Klemmbachradweg, der Stadt und Bahnhof verbindet. Mit einer Videobefahrung wurden zudem Netzlücken erfasst. Dazu zählen unter anderem die Nussbaumallee und die Schwarzwaldstraße zwischen Nussbaumallee und Kaserne, die Sulzburger Straße sowie eine Radverbindung in Richtung Freibad und Eichwaldstadion. Das bestehende Netz stelle aber eine Erreichbarkeit der wesentlichen Quell- und Zielpunkte sicher, betonte Beutel jedoch.

Radstreifen statt Zweirichtungsverkehr

Die vorgeschlagenen Maßnahmen umfassen die bereits erwähnte Bevorrechtigung des Klemmbachradwegs an den Kreuzungen (Hacher, und Schliengener Straße sowie Hachberg- und Sterchelestraße) sowie eine einheitliche Radverkehrsführung an den Kreisverkehren.

Radwege im Zweirichtungsverkehr sollen nur noch in eine Richtung befahren und für die Gegenrichtung in Schutzstreifen markiert werden. Das betrifft unter anderem die Sulzburger Straße, die Werderstraße zwischen Tankstelle und östlicher Allee, die Östliche Allee zwischen Werder- und Hebelstraße sowie die Hebelstraße.

Im Gewerbegebiet zwischen B 3 und Bahngleis sollen Netzlücken geschlossen werden und das Radfahren sicherer werden. Dies soll unter anderem durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Kolsterruns- und Bahnhofstraße sowie Schliengener Straße erfolgen.

Weitere Lückenschlüsse durch Ausbau und Beschilderung betreffen die Nordseite der Schwarzwaldstraße zwischen Goethe- und Kinzigstraße, wo der Geh- und Radweg um 50 Zentimeter verbreitert werden soll. Ein Ausbau ist auch bei der Verbreiterung der Verbindung zwischen Auggener Weg und Südtangente (unterhalb Humberg) vorgesehen.

Auch die Öffnung von weiteren Einbahnstraßen steht auf der Agenda, beispielsweise beim Ziegleweg zwischen Freibad und Gällelegässle.

Darüber hinaus sollen sichere Querungsstellen geschaffen werden, beispielsweise an der Werder- und Schwarzwaldstraße.

Auch langfristige Planung im Blick

Zu den langfristigen Maßnahmen (bis 2030) zählt der Umbau der Kreuzung Moltke-/Schwarzwaldstraße, die mit rund 300 000 Euro veranschlagt wird. Vorgeschlagen wird der Bau von Radabstell­anlagen an der Werderstraße, beim Marktplatz und beim Verkehrsamt. Weitere Maßnahmen sind die Entfernung der Rüttelstreifen auf dem Klemmbachradweg, die Umgestaltung von Unterführungen durch die Entfernung von Umlaufsperren. Darüber hinaus wird die Erarbeitung eines integrierten Verkehrskonzepts für die Werderstraße angeregt.

Maßnahmen Schritt für Schritt umsetzen

In diesem Jahr sollen die Maßnahmen abgearbeitet werden, die sich mit Markierung und Beschilderung erledigen lassen. Maßnahmen, die Umbauten erfordern, sollen bis 2025 abgearbeitet werden; die Umgestaltung des Knotens Schwarzwald-/Moltkestraße bis 2030. Insgesamt werden die Kosten für die ersten Maßnahmen auf 160 000 Euro geschätzt. Bis 2025 kommen nochmals Maßnahmen im Umfang von 560 000 Euro hinzu.

Beutel, Kritzinger, aber auch Bürgermeister und Gemeinderat bedankten sich bei den Stadtradlern und der Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (Agus) Markgräflerland, die sich mit Informationen und Vorschlägen eingebracht haben. Kritzinger verwies zudem auf die mehr als 150 Teilnehmer der Onlinebefragung. Dies sei im Vergleich mit anderen Gemeinden eine große Beteiligung und zeige wie groß der Bedarf ist.

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