Müllheim Steinzeit-Jäger im Mauchener Tal

Im Gewann Steinacker – wo die Gemarkungen von Auggen, Feldberg und Mauchen aneinanderstoßen – haben sich vor mehr als 50 000 Jahren schon die Neandertaler niedergelassen und in der Mauchener Talmulde Jagd auf Wildpferde, Hirsche und Rentiere gemacht.

Von Alexander Anlicker

Müllheim-Feldberg. Anlässlich des „Tag des offenen Denkmals“ am Wochenende, 12. und 13. September, besuchte Staatssekretärin Katrin Schütz vom baden-württembergischen Wirtschaftsministerium auf ihrer digitalen Denkmalreise die derzeit stattfindenden archäologischen Ausgrabungen.

Der Name Steinacker komme nicht von ungefähr, erklärte der Feldberger Nebenerwerbslandwirt Helmut Nußbaumer, auf dessen Acker die Ausgrabungen stattfinden. Er habe schon als Kind hier Jaspis gefunden. „Seit ich denken kann, sind hier Hobbyarchäologen unterwegs“, berichtet er und freut sich, dass zum dritten mal auch die Profis hier graben.

Es ist eine der wenigen Grabungsstellen, an denen das Landesdenkmalamt selbst gräbt, erklärt Professor Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege. Seit der Umstrukturierung des Amtes würden 90 Prozent der Grabungen im Zusammenhang mit Bauprojekten von privaten Grabungsfirmen gemacht. Wenn davon gesprochen wird, dass Fundstellen zerstört werden, würden meist Baumaßnahmen damit verbunden, erklärt Wolf. Auf vielen landwirtschaftlich genutzten Grundstücken sei die schleichende Zerstörung ein Problem, dem das Landesdenkmalamt nicht nachgehen könne.

Das besondere an der Fundstelle im Gewann Steinacker ist die Tatsache, dass dort für zwei Epochen Nachweise für eine Besiedlung gefunden wurden, erklärte der Grabungsleiter und Gebietsreferent des Landesdenkmalamts Marcel El-Kassem.

Bereits vor rund 50 000 Jahren siedelten hier Neandertaler. Hier konnten zum ersten Mal Aktivitäten des Neandertalers in einer Freilandstation nachgewiesen werden, erläuterte Wolf. Darüber hinaus gibt es hier nachweise einer rund 30 000 Jahre alten gravettienzeitlicher Besiedlung.

Neben den Tieren; die durch die Täler der Vorbergzone streiften, waren es die Feuerstein-Vorkommen; die sowohl den Neandertalern als auch den jungsteinzeitlichen Menschen als Grundlage für die Herstellung von Werkzeugen und Speerspitzen dienten. „Die Steinzeit war nicht nur Steinzeit, sondern auch Knochen-, Geweih- und Elfenbeinzeit“, wies El-Kassem darauf hin, dass die steinzeitlichen Jäger nicht nur den Feuerstein zu nutzen wussten.

Die aktuelle Ausgrabung findet interdisziplinär und unter Beteiligung verschiedener Hochschulen statt. Neben Archäologen sind unter anderem Auch Geologen und Geophysiker beteiligt. Während die Archäologen an ausgewählten Stellen Zentimeter für Zentimeter in den Untergrund arbeiten, verschaffen sich andere mittels geoelektrischer Messungen, die sich die unterschiedlichen elektrischen Widerstände von Lösboden und Steinen zunutze machen, ein Bild vom Untergrund.

Auch bei der Altersbestimmung kommt High-Tech zum Einsatz: Mithilfe der OSL-Methode (optisch stimulierte Lumineszenz) lässt sich das Alter der Mineralien im Boden bestimmen.

El-Kassem freute sich über die Unterstützung aus dem Müllheimer Ortsteil Feldberg, so habe Ortsvorsteher Uli Waldkirch für die Unterbringung der Studenten gesorgt, die ab kommender Woche bei der Ausgrabung und beim Eintüten und Erfassen der Fundstücke mithelfen. Viel Lob hat der Gebietsreferent des Landesdenkmalamts auch für den engagierten Arbeitskreis Archäologie des Markgräfler Museums übrig. Die fachkundigen Mitglieder des Arbeitskreises organisierten Ausstellungen und haben in den vergangenen beiden Jahren auch bei den Ausgrabungen mitgeholfen. In diesem Jahr fallen sie als Corona-Risikogruppe jedoch aus.

„Ich mache das gerne, um Interesse für unsere Denkmale zu wecken“, erläuterte Staatssekretärin Schütz. Jetzt wo die Leute coronabedingt mehr zuhause seien, mache es Sinn, Denkmale vor Ort zu erkunden, ermutigte sie die Bürger auch über den 2Tag des offenen Denkmals2 hinaus auf Entdeckungsreise zu gehen. „Ich bin froh, dass das Denkmalamt in Baden-Württemberg im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist“, erklärte Schütz auf Nachfrage und verweist auf das nötige technische Know-how, das bei der Erforschung; aber auch bei der Restaurierung von Denkmälern erforderlich ist.

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