Müllheim Wenn das Einkommen nicht reicht

Ein Teil der „Tafel-Familie“ mit der Vorsitzenden Ingeborg Weber (3.v.r.) und Ladenleiterin Heike Knigge (2.v.r.) Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Täglich frisches Obst und Gemüse – das ist für einige Bürger ein Luxus. Unterstützung bekommen Menschen mit schmalem Geldbeutel bei der Tafel Markgräflerland. Und der Bedarf wird immer größer.

Von Dorothee Philipp

Markgräflerland . Vormittags am Laden der Tafel Markgräflerland an der Müllheimer Klosterrunsstraße: Zwei Männer entladen gerade den Sprinter. In diesem stapeln sich die Spenden der Supermärkte des heutigen Tages. Um 8.15 Uhr wurde die Sammelaktion gestartet, jetzt, gegen 10 Uhr, wird die erste Fuhre angeliefert, danach geht es nochmal auf Tour, damit bis um halb eins dann alles da ist, was an diesem Tag verkauft werden soll. Bananen, Karotten, Sellerie und Salat werden auf den Rollcontainer gepackt. Drinnen helfen einige Mitarbeiter beim Ausräumen und Einsortieren. Vor der Backwarentheke steht schon der Container mit Brötchen, Brot und süßen Stückchen, den andere Fahrer bereits angeliefert haben.

Waren kosten ein Zehntel

Wenn die Tafel um 15 Uhr öffnet, finden die Kunden einen picobello sortierten Supermarkt vor, in dem es alles zu kaufen gibt, was ein Vollsortimenter so zu bieten hat. Nur kosten die Waren ein Zehntel von dem, was in den anderen Läden dafür verlangt wird – ein voll bepackter Einkaufskorb unter zehn Euro. Denn die Kunden gehören zu den Menschen, deren Lebensunterhalt nicht reicht, um sich auf dem regulären Markt mit gesunden Lebensmitteln zu versorgen. Ein Thema, das die Politik bisher im weiten Bogen umgangen hat und dafür auf das Engagement der Ehrenamtlichen und Vereine baut, die die Tafeln inzwischen zu einer unverzichtbaren Institution in unserer Gesellschaft gemacht haben.

Rund 300 Kundenkarten hat die Tafel Markgräflerland derzeit im Umlauf, berichtet Ingeborg Weber, die Vereinsvorsitzende. „Das bedeutet, dass wir hier mit unserem Laden und mit unserem Verkaufswagen in den Nachbargemeinden 800 bis 1000 Menschen versorgen. Und die Tendenz ist steigend.“

Die Tafel Markgräflerland hat sich seit ihren Anfängen im September 2005 zu einem kleinen Unternehmen entwickelt, in dem rund 100 Menschen ehrenamtlich tätig sind: als Fahrer, Beifahrer, Mithelfer im Büro und im Verkauf. Sie ist auf die Sachspenden angewiesen, da sie selbst keinen Wareneinkauf vornehmen darf. Die Geldspenden fließen in den Betrieb: Wartung und Unterhalt der Fahrzeuge, Strom, Ladenmiete, Versicherungen und was da so alles anfällt, erklärt Rudolf Köpfer, Beisitzer im Vorstandsteam und Fahrer.

Eine große Familie

Nicht einer dieser Posten wird durch kommunale oder staatliche Unterstützung gefördert. „Wir bekommen nicht einmal die grünen Kennzeichen, die unsere Fahrzeuge von der Kfz-Steuerpflicht befreien würde“, sagt Weber. Und doch sind alle mit großem Eifer dabei: das Tafel-Team als große Familie.

Die Metzgerei Pfunder hat bei ihrer Spende heute einen Ring Fleischwurst mitgegeben, extra für die Fahrer. Der kommt auf den Mitarbeitertisch, wo schon die vollen Kaffeetassen und Weckle für eine kleine „Halbzeit“ liegen, bevor es weitergeht.

Auch Ladenleiterin Heike Knigge setzt sich kurz dazu. Sie legt großen Wert darauf, dass sich die Kunden im Müllheimer Tafelladen nicht als Menschen zweiter Klasse fühlen müssen. „Die Person hinter der Bäckertheke zum Beispiel ist für die Kunden ganz wichtig, da können sie auch mal was fragen und man hört ihnen zu“, sagt sie. Um großes Gedränge und damit Stress im Laden zu vermeiden, ist man in Müllheim dazu übergegangen, den Kunden Kärtchen mit Nummern zu geben. Nacheinander werden zehn Kunden gleichzeitig ins Geschäft gelassen. Dieses System funktioniere gut und werde von allen akzeptiert, da niemand bevorzugt oder benachteiligt behandelt werden will, erklärt Knigge.

Weihnachtsecke für Kinder

Für die Kinder der Tafelkunden gibt es derzeit etwas ganz Besonderes: In einem der Nebenräume steht ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, unter dem Spielsachen für alle Altersgruppen liegen. Original verpackte Lego-Sets, Playmobilboxen, Lernspiele, Bilderbücher, Bastelsets, Jojo und Diabolo-Spiele. Hier darf sich jedes Kind etwas aussuchen. Für die Älteren gibt es Gutscheine, zum Beispiel für die Eisbahn. Ein Sponsor, der anonym bleiben will, hat diese Bescherung ermöglicht.

Tafelwagen fährt in Dörfer

Immer wieder sind es großherzige Menschen, die der Tafel Markgräflerland helfen. Der nagelneue Verkaufswagen draußen auf dem Hof ist zum Beispiel eine Spende von Fernsehkoch Horst Lichter.

Der Wagen ist so gut dimensioniert, dass die bisherige Verkaufsgarage am Neuenburger Zipperplatz überflüssig wird. Er ermöglicht, dass die Tafel Markgräflerland auch in der Fläche eine gute Versorgung anbieten kann: montags in Buggingen, Neuenburg und an der Müllheimer Waldorfschule, dienstags in Sulzburg, Laufen und Badenweiler, donnerstags in Schliengen, Auggen und Neuenburg. Der Tafelladen in Müllheim ist montags, mittwochs und freitags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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