Müllheim Zauberhaftes Gesamtkunstwerk

Ein prachtvoller Anblick: der Müllheimer Kammerchor und das Orchester der Harmonikafreunde bei der „Irischen Nacht“. Foto: Dorothee Philipp Foto: Weiler Zeitung

Man hätte im ausverkauften Bürgerhaus eine Stecknadel fallen hören können, als das Orchester der Harmonikafreunde Müllheim einen leisen Akkord aufblühen ließ.

Von Dorothee Philipp

Müllheim. In den sanften Klang mischten sich bald Menschenstimmen, der Kammerchor Müllheim zog in den Saal, den Akkord summend. Dann mischten sich Flötenklänge und eine Harfe ein. Die Irische Nacht im Bürgerhaus begann leise und geheimnisvoll mit einer magischen Stimmung. Diese schlug dann unvermittelt in fröhliche Ausgelassenheit um, als das Orchester eine lustige Tanzweise anstimmte. Dieser Kontrast zwischen überbordender Lebensfreude und einer reichen, fast spirituellen Gefühlswelt bestimmten dieses außergewöhnliche Konzert, das eigentlich ein großer, zusammenhängender akustischer Breitwandfilm zum Thema Irland war. Man spürte zu jedem Zeitpunkt, mit wie viel Liebe zum Detail diese Herz und Sinne ansprechende Show geplant war.

Geschichte und Musik

Den roten Faden durch den Abend legte die Erzählerin Karla Kraus mit der in Abschnitten vorgetragenen dramatischen Liebesgeschichte zwischen Oliver und Maggie, in der auch die Zeit der großen Hungersnot Mitte des 19. Jahrhunderts lebendig wurde. Das Happyend ereignete sich nach dramatischen Verwicklungen erst ganz zum Schluss, als sich die beiden auf einem Auswandererschiff in die Arme fallen. Drumherum bauten die Harmonikafreunde und der Kammerchor eine musikalische Dramaturgie, die das Konzert zu einem Gesamtkunstwerk machte.

An diesem genialen Format waren beteiligt: Ein agiles Musikerduo mit Gitarre und Fiddle, und eine Rope-Skipping-Riege, die mit ihrer springlebendigen Agilität die Gesetze der Schwerkraft scheinbar aufhob. Dazu konnte man sich von traumhaften Fotos aus Irland, die auf die Leinwand hinter den Akteuren projiziert wurden, auf die grüne Insel entführen lassen.

Das Orchester präsentierte sich in der ganzen Bandbreite seiner stilistischen Mittel vom zarten Solo über die Interaktion der einzelnen Register bis hin zum prachtvollen Tutti. Die beiden Dirigenten Albrecht Haaf (Kammerchor) und Franco Coali (Harmonikafreunde) hatten die Musik aus Irland für ihre individuelle Besetzung neu arrangiert, das Publikum konnte schwelgen in herrlichen Melodien wie „Greensleeves“, „Dirty old Town“ und anderen beliebten Evergreens.

Farben, Klänge, Stimmungen

Niemand dachte in diesem Reigen aus Farben, Klängen, Stimmungen und Action an Pause oder Moderation, man konnte sich einfach treiben lassen in einem magischen Sog. Im Saal waren Laternen verteilt, in denen Kerzen brannten, der Saal und das Foyer waren dekoriert mit bunten Wimpeln und Girlanden in den Farben Irlands. Nach dem mächtigen Schlussakkord hielt es niemanden mehr auf dem Sitz. Die Akteure wurden mit stehenden Ovationen und Jubelrufen belohnt, die kein Ende nehmen wollten.

Der Übergang vom Konzert zum Fest war genial gemanagt, im Nu waren überflüssige Stühle aus dem Saal gebracht, und das Trio „The Wombats“ hatte sofort mit zündenden Rhythmen losgelegt. Mit Fiddle, Gitarre, Keyboard und Gesang griffen die drei die ausgelassene Stimmung blitzschnell auf und heizten sie weiter an.

Auch die Kulinarik war auf das Motto abgestimmt. Bürgerhauswirt Stefan Schmidt hatte ein irisches Menü im Angebot.

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