^ Neuenburg am Rhein: Der Lachs soll wieder heimisch werden - Nachrichten - Verlagshaus Jaumann

Neuenburg am Rhein Der Lachs soll wieder heimisch werden

Alexander Anlicker
Die zwei bis drei Zentimeter großen Junglachse werden extra für die Wiederansiedlung gezüchtet. Foto:  

Seit gut 70 Jahren gilt der Lachs im Rhein als ausgestorben. Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg hat vor 20 Jahren ein Programm zur Wiederansiedlung gestartet. Jetzt wurden an der Grißheimer Nato-Rampe 6000 Junglachse im Rhein ausgesetzt.

Mit Gummistiefeln und gut gefüllten kleinen Eimerchen gehen die Schüler der Klasse 5a der Mathias-von-Neuenburg ans Rheinufer. Einige Kinder halten die Behälter ins Flusswasser und die zwei bis drei Zentimeter großen Junglachse schwimmen davon. Andere nehmen die kleinen Fische behutsam in die Hand, geben ihnen einen Namen und setzen sie dann vorsichtig ins kühle Wasser des Rheins.

Fünftklässler der Mathias-von-Neuenburg-Realschule setzten die etwa drei Zentimeter großen Lachse im Rhein aus. Foto: Alexander Anlicker

Eingeladen hatte zur Lachsbesatzaktion der Sponsor Edeka Südwest gemeinsam mit Frank Sutter, der seit dieser Woche auch den Edeka-Markt in der Zährignerstadt betreibt. „Das ist nun unsere zehnte Besatzaktion und wir freuen uns sehr heute in Neuenburg mit Hilfe der Kinder insgesamt 6000 Junglachse in die Freiheit entlassen zu können“, sagt Michaela Meyer, die beim Offenburger Handelskonzern für das Thema Nachhaltigkeit zuständig ist. Damit komme man dem Ziel, den Lachs im Rheingebiet wieder anzusiedeln, erneut ein großes Stück näher.

Auch Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela entlässt an der Grißheimer Nato-Rampe Junglachse in die Freiheit. Foto: Alexander Anlicker

„Es ist wichtig etwas für die Natur zu tun“, betont Neuenburgs Bürgermeister Jens Fondy-Langela und freut sich, dass die 6000 Junglachse im Rhein ausgesetzt werden.

„Der Rhein ist grundsätzlich für Lachse geeignet“, sagt Ingo Kramer vom Landesfischereiverband Baden-Württemberg. Auf die Frage, ob der Besatz mit Lachsen vor dem Hintergrund des Klimawandels und steigender Wassertemperaturen sinnvoll sei, erklärt er, dass der Wassertemperaturen bis 27 Grad Celsius verträgt. Für die ebenfalls zur Familie der Salmoniden zählenden Forellen und Äschen seien hingegen Temperaturen von mehr als 20 Grad lebensbedrohlich, weist der Biologe auf die Risiken des Klimawandels hin.

Die kleinen Fische werden vom Transportbehälter auf kleine Eimerchen verteilt. Foto: Alexander Anlicker

Der Lachs sei vor 70 Jahren mit dem Bau der Wasserkraftwerke am Rhein ausgestorben, berichtet Kramer. Der Lachs zieht nach seiner Kinderstube im Rhein über die Nordsee in den Atlantik und kehrt später wieder zum Laichen an seinen Ursprungsort zurück. Er ist ein anadromer Wanderfisch, das bedeutet, er zieht zum Laichen wieder flussaufwärts. „Es reicht nicht aus, nur die Fische auszusetzen. Auch der Lebensraum muss wieder passen“, erklärt Kramer. Daher müssten bei Kraftwerken Fischtreppen gebaut werden, damit die Fische flussaufwärts kommen, und es brauche Kiesbänke als Laichplätze, ergänzt der Biologe und Fischexperte.

„Wir setzen jedes Jahr 300 000 bis 400 000 Lachse in Baden-Württemberg aus“, sagt Kramer. Am Restrhein zwischen Weil am Rhein und Breisach seien es nur 10 000 bis 20 000 Lachse pro Jahr, ergänzt er. Die meisten Lachse werden in den Schwarzwälder Nebenflüssen des Rheins, wie Kinzig und Alb ausgesetzt. Die etwa zwei bis drei Zentimeter großen Junglachse stammen aus der Lachszucht des Landesfischereiverbands, die dieser seit 2010 bei Oberwolfach betreibt.

Parallel dazu konnten die Schüler an verschieden Stationen etwas über die Wanderung des Lachses erfahren sowie beim Fischmobil mit Mikroskopen Kleinlebewesen und die Gewässerökologie untersuchen.

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