Neuenburg Drei Wochen leben in der Blase

Patric Strub (r.) zeichnet nach dem Spiel gegen Kroatien den dänischen Nationalspieler Emil Jakobsen (l.) als „Player of the Match“ aus. Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Die Handball-Weltmeisterschaft für die Herren fand vom 13. bis 31. Januar in Ägypten statt. Das Land wurde am 24. Januar vom Robert-Koch-Institut als Hochrisikogebiet eingestuft. Mittendrin der Neuenburger Patric Strub.

Von Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein. Der 40-Jährige arbeitet bei der Internationalen Handballföderation (IHF) in Basel und ist als Wettkampfdirektor für die Organisation und Durchführung von den Weltmeisterschaften der Damen, Herren und Junioren sowie der Handballwettbewerbe bei den Olympischen Spielen verantwortlich. Unsere Zeitung hat sich mit Strub über das Leben in der Blase unterhalten.

Frage: Herr Strub, ich erreiche Sie zuhause. Sind Sie nach der Rückkehr aus Ägypten in Quarantäne.

Nein. Es gibt Ausnahmen für Sportveranstaltungen, wenn man regelmäßig vor Ort getestet wurde.

Frage: Wie oft wurden Sie in den drei Wochen getestet?

Ich wurde während der Weltmeisterschaft alle 24 Stunden einmal getestet. Es gab zwei Personengruppen, alle die in Spielfeld oder Spielernähe eingesetzt waren, wurden alle 24 Stunden getestet. Die zweite Gruppe, zu der unter anderem Fotografen, Kameraleute und Journalisten zählten, wurden alle 72 Stunden getestet.

Frage: Es wurde im Zusammenhang mit der Handball WM und Corona immer wieder vom „Leben in der Blase“ gesprochen. Wie muss man sich das vorstellen?

Es gab eine Blase pro Spielort. Darin befanden sich die Mannschaften mit ihren Funktionären, wir IHF-Vertreter und Mitarbeiter. Auch alle Hotelangestellten, bis hin zur Putzfrau, waren mit in der Blase. Niemand fuhr am Abend nach Hause und kam am nächsten Morgen wieder. In den Hotels wurde auch jeweils eine komplette Etage für die Quarantäne freigehalten.

Frage: Trotzdem gab es Corona-Fälle?

Bei der Mannschaft von den Kapverdischen Inseln gab es beim Eintritt in die Blase zwei Corona-Fälle. Da einige Spieler bereits beim Trainingslager in Portugal positiv getestet wurden, wurde die Mannschaft in Ägypten auch nach ihrer Anreise separiert. Auch für sie gab es tägliche PCR-Tests. Außerdem wurde vor der Fahrt in die Sporthalle zusätzlich noch ein Antigen-Schnelltest durchgeführt. Nachdem aber dann weitere Fälle aufgetreten sind und wir die Gesundheit anderer Mannschaften und Kontaktpersonen gewährleisten müssen, hat der Verband dann seinen Rückzug von der WM geklärt. Insgesamt hat die Blase funktioniert. In dieser befanden sich rund 3000 Leute. In den drei Wochen wurden mehr als 25 000 Corona-Tests durchgeführt und es gab vor allem beim Eintritt in die Blase positive Fälle.

Frage: Die wievielte Weltmeisterschaft war das jetzt für Sie?

Das weiß ich gar nicht genau. Ich bin seit 2001 bei jeder Weltmeisterschaft von Damen, Herren, Juniorinnen und Junioren mit dabei. Hinzu kommen vier olympische Handball-Wettbewerbe. Seit 2010 bin ich als „Competition Director“ für die Organisation und Durchführung der Wettbewerbe verantwortlich.

Frage: Inwiefern beschäftigt Sie als Wettkampfdirektor das Thema Corona?

Das Corona-Management ist teilweise auch meine Aufgabe. Wir haben eine spezielle Arbeitsgruppe gebildet, zu der auch Vertreter der ägyptischen Behörden und Regierung zählten. Das Hygienekonzept war rund 70 Seiten lang. Wir haben uns während der WM daran gehalten und diese deshalb auch gut hinbekommen.

Frage: Vor Corona wurden freie Tage genutzt, um auch mal Land und Leute kennenzulernen. Wie viel haben Sie von Ägypten gesehen?

Ich habe von Ägypten rein gar nichts gesehen. Wir konnten und durften nirgendwo hin. Die Weltmeisterschaft war in diesem Jahr komplett auf den Sport reduziert. Oberstes Ziel war, das Ansteckungsrisiko zu minimieren und zu zeigen, dass man mit dem richtigen Konzept in der heutigen Zeit eine internationale Sportveranstaltung durchführen kann.

Frage: Die WM ist vorbei, aber es stehen schon die nächsten Wettbewerbe vor der Tür. Was kommt als nächstes?

Die Olympischen Spiele in Tokio, die im vergangenen Jahr abgesagt wurden, stehen an. In vier Wochen beginnt die Olympiaqualifikation mit je drei Turnieren für die Damen und Herren, darunter ein Turnier in Berlin.

Frage: Finden die Olympischen Spiele statt?

Ich gehe davon aus. Wir hatten erst am vergangenen Freitag eine Videokonferenz mit dem Internationalen Olympischen Komitee. Dort gibt es ein ähnliches Konzept, wo die Erfahrungswerte aus Ägypten mit einfließen werden.

Der 40-jährige Neuenburger wechselte nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten im Neuenburger Rathaus im Jahr 2001 zur Internationalen Handballföderation (IHF), die ihren Sitz in Basel hat. Seit 2010 ist Patric Strub als Wettkampfdirektor für die Organisation und Durchführung von Weltmeisterschaften und Handball-Wettbewerben bei den Olympischen Spielen verantwortlich.

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