Lob für die Arbeit der Flüchtlingskoordinatorin Andrea Kühne, aber auch für die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer gab es im Neuenburger Gemeinderat. Behandelt wurde ein Sachstandsbericht zur aktuellen Flüchtlingssituation in der Zähringerstadt. Dass das Thema Kriminalität in Neuenburg so gut wie keine Rolle spiele, liege auch an „der guten Aufnahme der Flüchtlinge durch die Bevölkerung“, erklärte Kühne auf eine entsprechende Nachfrage aus dem Gremium.

Von Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein. Die Stadt nehme seit Mai 2014 Flüchtlinge auf, berichtete die zuständige Teamleiterin im Rathaus, Elvira Riesterer. Derzeit sind 78 Flüchtlinge im Rahmen der Anschlussunterbringung in Neuenburg untergebracht. Sie leben in acht verschiedenen Häusern, sowohl in städtischen Wohnungen als auch in Wohnungen, die von der Stadt angemietet wurden. Die dezentrale Unterbringung sei das richtige Konzept, unterstrich Bürgermeister Joachim Schuster.

Wohnraum zu beschaffen sei das größte Problem, berichtete Riesterer mit Blick auf die rund 15 Flüchtlinge, die der Stadt noch im Laufe dieses Jahres vom Landratsamt zugewiesen werden.

Zu den 78 Menschen in der Anschlussunterbringung kommen die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises. Die Einrichtung mit Platz für 96 Personen ist mit derzeit 85 fast voll belegt. Während andernorts, wie in Bad Krozingen und Staufen, wegen sinkender Flüchtlingszahlen die Gemeinschaftsunterkünfte geschlossen werden, bleibt die Einrichtung in Neuenburg noch länger bestehen. „Das liegt auch daran, dass es bei uns funktioniert“, stellte der Bürgermeister fest und erinnerte daran, dass der Pachtvertrag mit dem Landkreis noch bis Ende 2019 laufe.

Flüchtlingskoordinatorin

Seit Juli 2017 ist Andrea Kühne mit einer 50-Prozent-Stelle als Flüchtlingskoordinatorin für die Stadt tätig. Die Stelle ist auf drei Jahre befristet und wird mit einem Zuschuss in Höhe von 52 500 Euro von der Landeskreditbank gefördert. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass es gut ist, jemanden im Rathaus zu haben“, betonte Riesterer.

Sie sei in erster Linie zentrale Anlauf- und Beratungsstelle für Flüchtlinge, aber auch für Ehrenamtliche. „Ich mache das aber nicht alleine“, sagte sie und verwies auf die Zusammenarbeit mit der Caritas, dem Helferkreis und dem Verein „sichtbar ankommen“. Diese sind Teil eines Netzwerks, zu dem auch andere Akteure wie das Landratsamt und die Sozialarbeiter der Gemeinschaftunterkunft gehören.

Riesterer lobte unter anderem die gute Zusammenarbeit mit der Caritas, die der Stadt und den Flüchtlingen sehr zu gute komme. Die seit 2015 bestehende Kooperation werde auch 2018 und 2019 fortgesetzt und mit Geldern aus dem „Pakt für Integration“ finanziert. Neben der Netzwerkarbeit habe sie sich auch einen Überblick über das Sprachniveau, Talente, Ausbildung oder Arbeit der Flüchtlinge verschafft, um diese gezielt zu fördern. Ziel sei die Anschlussunterbringung, die Integration in die Zivilgesellschaft und die Arbeitswelt, dies sei die Arbeit für die nächsten drei Jahre, erklärte Kühne und betonte: „Integration braucht Zeit!“

Ausblick

Weiterführen will Kühne das Angebot mit zwei Computerarbeitsplätzen, die Flüchtlingen für Hausaufgaben oder zum Schreiben von Bewerbungen zur Verfügung stehen. Da diese Arbeitsplätze im Jugendkulturzentrum „Jamhouse“ untergebracht waren, brauche es nach dem dortigen Brand neue Räume für das Angebot, erklärte sie.

Patenschaftsmodell

In den kommenden beiden Jahren will sich die Stadt wieder am Landesprojekt „Gemeinsam in Vielfalt“ beteiligen und hat zwei Förderanträge gestellt. Ziele sind die nachhaltige Sicherung der Helferstruktur und die Förderung der Ehrenamtlichen. Für die Förderung der Inte­gration plant Kühne auch ein Patenschaftsmodell, bei dem Paten gezielt ein oder zwei Flüchtlinge unterstützen.

Darüber hinaus hat die Stadt Interesse am Förderprogramm „Prozessbegleitung Integration“ bekundet. Dabei geht es um die Entwicklung einer ganzheitlichen Integrationsstrategie durch Prozessbegleitung, Moderation und Coaching. Das Programm läuft vom Sommer 2018 bis November 2019 und wird mit bis zu 40 000 Euro gefördert, allerdings werden nur 20 Gemeinden in Baden-Württemberg zum Zug kommen.