Neuenburg Gesellschaftlicher Wandel zeigt sich

Im Jahr 2017 wurden in der Stadtbibliothek Neuenburg knapp 63 000 Ausleihen gezählt, 2018 waren es rund 59 300. Foto: sba

Neuenburg am Rhein - Konkurrenz durch Internet: Die Stadtbibliothek Neuenburg verzeichnet in ihrem Jahresbericht 2017/18 einen tendenziellen Rückgang der Gesamtausleihen. Und auch die Zahl der aktiven Nutzer ist rückläufig. Ende 2018 wurden 1398 aktive Leser gezählt, ein Jahr zuvor waren es 1464.

Im Jahr 2017 wurden knapp 63 000 Ausleihen verzeichnet, 2018 waren es rund 59 300, wie dem Bericht von Bibliotheksleiterin Angelika Schweizer zu entnehmen ist. Zum Vergleich: 2016 waren es noch 65 192 Ausleihen, im Jahr zuvor 63 127.

Konkurrenz durch Streaming-Dienste

Bemerkenswert ist der Rückgang bei den sogenannten Non-Book-Medien, insbesondere bei Musik-CDs, Hörbüchern und DVDs (zehn bis 15 Prozent). Gerade diese Medienarten seien viele Jahre für den Ausleihaufschwung mitverantwortlich gewesen. Hier macht sich inzwischen jedoch die vermehrte Konkurrenz durch Streaming-Dienste bemerkbar. Darauf hingewiesen wird, dass Hörbücher mittlerweile auch in großer Auswahl in der „Onleihe Dreiländereck“ zur Verfügung stehen. Das Angebot der Verbundsbibliotheken hat 2018 sein fünfjähriges Bestehen gefeiert.

Ein mäßiger Rückgang wurde auch im Bereich der Erwachsenenbibliothek verzeichnet, bei der Belletristik und den Sachbüchern. Wobei sich aktuelle Sachbücher und Neuerscheinungen der Romane großer Beliebtheit erfreuten. Konstant gute Ausleihzahlen kann indes die Kinderbibliothek bei allen Medienarten vorweisen. Bei Gesellschaftsspielen und Zeitschriften seien sie Ausleihen sogar gestiegen, ist dem Jahresbericht zu entnehmen.

Onleihe Dreiländereck: Kontinuierlicher Anstieg

Kontinuierlich gestiegen sind seit der Gründung 2013 die Ausleihen der „Onleihe Dreiländereck“. Im vergangenen Jahr wurden 5658 „Onleihen“ registriert.

Insgesamt stehen den 12 000 Bürgern Neuenburgs über die Bibliothek rund  30 000 Medieneinheiten (physischer Bestand und Angebot „Onleihe Dreiländereck“) zur Verfügung. Zudem können sie auf die Informationen der digitalen Datenbanken „Brockhaus“ und „Munzinger – Wissen, das zählt“ zurückgreifen.

Der Etat für den Erwerb von neuen Medien wurde 2017 und 2018 auf 34 000 Euro pro Jahr erhöht (Vorjahre: 32 000 Euro). Davon wurde im Jahr 2017 2502 neue Medien und 2018 2384 neue Medien erworben.

110 Veranstaltungen in zwei Jahren

Die Stadtbibliothek ist auch ein wichtiger Veranstaltungsort der Stadt, wie die Bilanz deutlich macht. 2017 und 2018 gab es insgesamt 110 Veranstaltungstermine. Darunter fällt der Leseclub „Heiß auf Lesen“, der zur Leseförderung der Schüler von Klasse eins bis sieben angeboten wird. Die dafür jährlich rund 300 Neuanschaffungen von Kinder- und Jugendbüchern stehen während der Sommerferien ausschließlich den angemeldeten Clubmitgliedern zur Verfügung.

Die Stadtbibliothek organisierte zudem drei literarische Veranstaltungen für den Krimiherbst. Seit 2018 besteht zudem eine Kooperation mit der Bibliothek aus Mulhouse: Seit September macht der „Bibliobus“, eine Bibliothek auf vier Rädern, immer am letzen Freitag im Monat von 14.30 bis 16.30 Uhr auf dem Konstantin-Schäfer-Platz Station. Über 3500 französischsprachige Medien können ausgeliehen werden.

Von Vorlesezeit bis Bücherkoffer

Außerdem gibt es einen bunten Strauß von Veranstaltungen, die sich durch das Jahr ziehen: Das Angebot reicht von der monatlichen Vorlesezeit für Kinder ab vier Jahren über Einführungen in die digitalen Medien und den jährlichen Medienflohmarkt bis hin zu Autorenbegegnungen für Erwachsene. Darüber hinaus gibt es vielfältige, bewährte Kooperationen mit den Bildungseinrichtungen, Kindertagesstätten und Schulen am Ort: zum Beispiel den „Bücherkoffer“ für Erstklässler oder die Bibliotheksrallye für Drittklässler zur Förderung der Lese- und Medienkompetenz.

Welche Rolle nimmt die Bibliothek künftig ein?

„Die Gesellschaft befindet sich durch Digitalisierung, veränderte Schul- und Arbeitswelten sowie vielfältige Familienkonstellationen im Wandel“, machte die Leiterin der Stadtbibliothek in ihrem Ausblick deutlich. Dieser Wandel verändere auch die Bibliothekswelt des 21. Jahrhunderts. Einerseits stelle die zunehmende Digitalisierung die Bibliotheken vor neue Aufgaben, und gleichzeitig werde die Bibliothek als „Dritter Ort“ immer bedeutungsvoller – als Lebensraum zwischen dem eigenen Zuhause und der Arbeitswelt / Schule. „Bibliotheken müssen demnach eine hohe Aufenthaltsqualität mit bequemen Arbeitsmöglichkeiten und ein breites Lern- und Bildungsangebot anbieten“, bilanzierte Schweizer. Essenziell sei zudem die technische Ausstattung wie PCs mit Internetanschluss.

WLAN, digitale Angebote und Treffpunkt

Viele Kriterien eines „Dritten Ortes“ erfülle die Neuenburger Stadtbibliothek bereits, andere sollen laut Schweizer künftig intensiviert werden. Sie verwies auf ein frei zugängliches WLAN (Arbeiten mit dem Laptop / Erklärung der digitalen Angebote wie Onleihe-App, Brockhaus-App, E-Book-Reader).

Zudem gehe es um weitere digitale Angebote wie zum Beispiel den Streaming-Dienst „Filmfriend – das Filmportal für Bibliotheken“. Die Verbund-Lösung in Baden-Württemberg ist im Januar mit 20 Einrichtungen gestartet. Einen verstärkten Fokus will man künftig zudem auf das „Bildungshaus als Treffpunkt innerhalb der Stadt“ legen.

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