Neuenburg Getestet werden alle, bis auf Hunde

Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein - Die Corona-Teststation für Reiserückkehrer auf dem Parkplatz Neuenburg-Ost an der Autobahn A 5 ist seit Freitagmorgen um 6 Uhr in Betrieb. Die Testungen sind für Rückkehrer aus Risikogebieten verpflichtend. Am Vormittag haben sich bereits die ersten 123 Personen testen lassen.

Vor dem Hinweisschild zum Autobahnparkplatz Neuenburg-Ost ist die erlaubte Höchstgeschwindigkeit zunächst auf 100 und dann auf 80 Kilometer pro Stunde reduziert. „Corona-Teststation“ ist auf einer elektronischen Anzeigetafel zu lesen.

Urlaubsheimkehrer aus so genannten Risikogebieten können sich hier auf eine mögliche Infektion mit dem SARS-CoV2-Erreger testen lassen.

Der Ablauf an der Drive-In-Teststation

Die ankommenden Autos werden an einer ersten Station zunächst vorsortiert, und werden gebeten eine Mund-Nase-Maske aufzusetzen. Mit oder ohne Krankenversicherungskarte, lautet die Frage. Dabei geht es keineswegs um Geld oder eine Abrechnung mit der Krankenkasse. Wie in der Arztpraxis werden die Karten durch ein Lesegerät gezogen und damit die persönlichen Daten, wie Name, Geburtsdatum, Anschrift und Telefonnummer automatisch erfasst. Ohne Versichertenkarte müssen diese Daten von Hand erfasst werden. Das dauert länger und ist fehleranfälliger.

Die Insassen bekommen einen Zettel und ein Blatt mit Barcode-Aufklebern. Damit fahren sie weiter zu einer beiden Abstrichstellen – eine dritte steht als Reserve bereit. Speziell geschulte Helfer des Roten Kreuzes in Schutzanzügen mit Schutzmasken und Schutzbrille machen dann durchs geöffnete Autofenster den Abstrich und packen das Wattestäbchen dann in ein Teströhrchen. Diese werden in einer Kühlbox gesammelt und je nach Bedarf ein- bis zweimal am Tag vom Fahrer des Labors abgeholt.

Das ganze Prozedere dauert nur ein paar Minuten, dann können die Urlauber ihre Heimreise fortsetzen. Sie werden allerdings gebeten, sich bis zum Vorliegen des Ergebnisses in Selbstisolation zu begeben.Nach 48 Stunden liegt dann das Ergebnis vor. Aktuell seien aber die Labore bereits gut ausgelastet, heißt es seitens der Verantwortlichen. Sollte das Ergebnis positiv ausfallen, werden die Betroffenen automatisch vom Labor beziehungsweise dem für ihren Wohnort zuständigen Gesundheitsamt informiert. Mit der auf dem Barcode aufgedruckten Nummer können sich die Getesteten aber auch auf einer Internetseite über ihren Befund informieren.

„Getestet werden alle Insassen eines Autos, bis auf die Hunde. Bei Babys wird von Fall zu Fall entschieden“, erläutert Gerlinde Engler, Geschäftsführerin des Kreisverbands Müllheim des Deutschen Roten Kreuzes.

Schichtplan ist Herausforderung

Der Betrieb der Teststation an der A5 ist zunächst bis zum 30. September geplant. Es sei eine Herausforderung die Schichtpläne für die kommenden Wochen zu füllen, berichtete Engler. Täglich sind 25 Helfer des Roten Kreuzes von 6 bis 22 Uhr in zwei Schichten im Dienst. Darunter sind Hauptamtliche aus dem Rettungsdienst sowie Ehrenamtliche aus den Bereitschaften. Unterstützung erhält der Kreisverband Müllheim durch Rotkreuz-Helfer aus ganz Südbaden. Aber auch befreundete Hilfsorganisation, wie die Müllheimer Feuerwehr, hätten angeboten, Personal zu stellen, falls es knapp wird. Sie registrieren die Testwilligen, nehmen Abstriche vor und codieren die Proben.

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg stellt Ärzte für die Teststelle. Ein Arzt ist immer vor Ort, der als Ansprechpartner für medizinische Fragen und Beratung zur Verfügung steht und wenn notwendig neue Helfer einweist. „Wir haben viel Erfahrungen aus der Einrichtung von Fieberambulanzen und Abstrichstellen einzubringen“, erklärte Kerstin Schubert von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

700 Schwerpunktpraxen im Land

Die Ärzteschaft im Land sei mittlerweile mit 700 Corona-Schwerpunktpraxen am Start, sagte sie. Die kassenärztliche Vereinigung habe in den vergangenen Wochen wieder begonnen, in allen Landkreisen Abstrichzentren einzurichten.

Auch die Polizei ist ständig vor Ort präsent, auch um den Verkehrsfluss auf der Autobahn zu steuern.

Zur Infrastruktur vor Ort gehören auch zwei klimatisierte Container. Diese dienen nicht nur zur Kühlung der entnommenen Proben, sondern auch den Helfern. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad

Celsius kommen die Helfer in ihren Schutzanzügen schnell ins schwitzen, sagt der Präsident des Badischen Roten Kreuzes, Jochen Glaeser.

Es sei sinnvoll, dass diese Teststelle bei Neuenburg eingerichtet wird, sagt Glaeser und verweist auf die Urlaubsrückkehrer, die auf der Autobahn von Basel oder von Mulhouse kommen.

Die A 5 in Südbaden sei eine der am stärksten belasteten Autobahnen in Deutschland, ergänzte Werner Bundschuh, Vorsitzender des DRK-Kreisverbands Müllheim.

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