Neuenburg Kein Glück mit Holzspielwarenfabrikation

Heribert von Münchhausen, ein Nachfahre des berühmten „Lügenbarons“, malte in den 1950er-Jahren diese Ansicht von Neuenburg, die sich heute im Stadtmuseum befindet. Foto: zVg Foto: Weiler Zeitung

Von Winfried Studer

Neuenburg am Rhein. Die in Neuenburg zugezogenen Eheleute Gisela und Walter Kötter haben dem Museum für Stadtgeschichte ein Ölgemälde des Malers Heribert Freiherr von Münchhausen geschenkt. Das Bild zeigt den noch unbebauten östlichen Stadtrand Neuenburgs, im Bereich der Freiburger Straße, mit Blick zum Markgräfler Hausberg, dem Blauen, in den 1950er-Jahren.

Die Stadt war noch weitgehend vom Krieg gezeichnet und stand finanziell vor dem Abgrund. Viele Bürger, deren Häuser in Trümmer lagen, wohnten noch während der Kriegsjahre errichteten Baracken. Eine Hauptsorge der Stadt galt neben dem Wohnungsbau für die ausgebombte Bevölkerung der Ansiedlung von Gewerbe und Industrie. Manchen betrügerischen Versprechungen ist der Gemeinderat dabei „auf den Leim“ gegangen.

In dieser Zeit kamen auch die Eheleute Cläre und Heribert von Münchhausen nach Neuenburg am Rhein und mieteten in der Barackensiedlung beim „Wuhrloch“ eine Baracke, in der sie neben ihrer Wohnung eine kleine Holzspielwarenfabrikation einrichteten. Heribert von Münchhausen integrierte sich sehr schnell in Neuenburg. Schon 1955 finden wir ihn auf einer Fotografie im Stadtarchiv, die ihn als Elferrat bei der Fasnachtsproklamation zeigt. Leider waren die Zeitläufe nicht so, dass der Freiherr von Münchhausen, er stammte aus der Familie des berühmten „Lügenbarons“, und seine Ehefrau von der Holzspielwarenfabrikation leben konnten, und der Betrieb ging binnen kurzer Zeit ein. In dieser Zeit entstand das dem Museum für Stadtgeschichte geschenkte Bild des Künstlers Heribert von Münchhausen, der wie seine Ehefrau Cläre, ein begabter Maler war.

In ihrer Heimat in Schlesien waren beide sehr erfolgreich. Krieg, Leben unter Fremdherrschaft, Vertreibung und Lagerleben beendeten das erfolgreiche Künstlerleben.

Das Ehepaar von Münchhausen hat nach ihrer Vertreibung im Westen eine neue Heimat gesucht. Ihr Weg führte sie schließlich nach Neuenburg am Rhein. Die durch die Kriegsereignisse weitgehend am Boden liegende Zähringerstadt konnte ihnen leider nicht wie erhofft eine ausreichende Perspektive bieten. Heribert von Münchhausen versuchte es nun zunächst als Fahrlehrer. Auch hier war ihm kein Glück beschieden. Es wird vermutet, dass in der Region etablierte „Geschäftskollegen“, die in Neuenburg am Rhein kein Konkurrenzunternehmen wollten, „am Rad gedreht“ haben.

In Ottenheim, wo die von Münchhausens später Wohnsitz nahmen, begann für Sie eine neue erfolgreiche „Schaffensperiode, in der viele ihrer Gemälde“ entstanden. Heribert und Cläre von Münchhausen malten gegenständlich. Die Natur in allen Jahreszeiten war ein beliebtes Motiv des Künstlerehepaares. Schneeschmelze bei Freudenstadt, Abendstimmung im Hochschwarzwald, Frühling im Rheinwald, Morgenstimmung am Altrhein finden wir im Gesamtwerk der beiden Künstler.

1987 verstarb Heribert von Münchhausen. 1991 starb Cläre von Münchhausen. In Neunburg am Rhein, wo sie heute weitgehend vergessen sind, erinnert nun das Bild, das das Museum für Stadtgeschichte erhalten hat, an das Künstlerehepaar.

Lesen Sie das ePaper bis zum Jahresende für nur 39 Euro! Jetzt HIER anfordern.

  • Bewertung
    0

Umfrage

748941_0_4_1000x750.jpg

Die Bundesregierung hat entschieden, dass Urlauber, die in ein Risikogebiet reisen, die Kosten für den Corona-Test bei der Rückkehr nicht selbst übernehmen müssen. Zahlen werden die Krankenkassen. Was halten Sie davon?

Ergebnis anzeigen
loading