Neuenburg Löcher sparen Lüftung

Silke Hartenstein
Ästhetisch: Das Parkhaus mit einfallendem Tageslicht Foto: Silke Hartenstein

Die Stadt Neuenburg hat vergangenes Wochenende zur Besichtigung des neuen Parkhauses am Rheintor eingeladen. Bürgermeister Joachim Schuster war zuversichtlich, das Parkhaus zum beginnenden Weihnachtsmarkt in Betrieb nehmen zu können. Nun dauert es noch einige Tage länger.

Von Silke Hartenstein

Neuenburg am Rhein. Noch liegen nicht alle Genehmigungen vor, um mit dem Betrieb starten zu können, erklärte Stadtsprecher Martin Bächler am Freitagmittag auf Nachfrage unserer Zeitung. Bächler geht jedoch davon aus, dass das Parkhaus am Rheintor in den nächsten Tagen öffnen wird.

231 Stellplätze stehen hier zur Verfügung, davon maximal 115 Dauerparkplätze. Am vergangenen Sonntag gab es für Fußgänger drei Führungen durch das noch leere Parkhaus. Hier zückten die 32 Teilnehmer der ersten Führung immer wieder ihre Handys und machten Fotos, denn am frühen Nachmittag schuf das durch die quadratischen Lücken in der rotbraunen Stampfbetonfassade einfallende Tageslicht eindrucksvolle Lichteffekte. Für die Führungen reiste der Architekt des Parkhauses, Daniel Schilp von der MONO Architekten GmbH, eigens aus Berlin an und stellte stolz fest: „So eine Fassade gibt es nirgendwo“. Der Grund für die vielen Lücken in der Fassade: Sie ersetzen die teure Lüftungsanlage. Regen, so Schilp, käme durch die 40 Zentimeter tiefen Lücken nicht hinein, etwas Schnee je nach Windverhältnissen eventuell schon.

Betriebskonzept

Zum Betriebskonzept sagte Bürgermeister Schuster, die erste Stunde Parkhaus-Nutzung koste 50 Cent, jede weitere Stunde koste je einen Euro, maximal betrage die Gebühr sechs Euro am Tag. Für 999 Euro Jahresgebühr solle maximal die Hälfte der 231 Stellplätze an Dauernutzer vermietet werden. Das Land fördere die Stellplätze mit zwei Millionen Euro. Die Kosten des Parkhauses, so Schuster, würden erst Anfang 2023 bekannt, wenn die Schlussabrechnung vorliege, doch: „Wir liegen im Budget.“

Lieferengpässe und Corona

2015 lobte die Stadt Neuenburg am Rhein den Architektenwettbewerb für Parkhaus, Bertholdsturm und Brücke aus. Ziele waren die Entlastung der Innenstadt von parkenden Autos und der Lückenschluss von der Stadt zum Rhein. Dass das Parkhaus während der Landesgartenschau noch nicht nutzbar war, lag an Lieferengpässen, wie Schilp auf Anfrage sagte, zudem seien immer wieder Bauarbeiter an Corona erkrankt.

Zudem war der Bau nicht einfach: Wo einst der Namensgeber des Parkhauses stand, das alte Rheintor in Neuenburgs Stadtmauer, gab es im 16. Jahrhundert einen Abbruch der alten Rheinuferkante. Fortan nutzten die Neuenburger die Steilkante zur Entsorgung diverser Materialien. Bei den im Juni 2020 begonnenen Erdarbeiten stieß man auf eine bis zu zwölf Meter dicke Schicht aus altem Stadtmaterial. Nun steht das Parkhaus auf zwölf Bohrpfählen. und auf dem Höhenniveau der Innenstadt entstand eine neue große Ebene, die künftig nutzbar ist für innerstädtische Nachverdichtung.

Hier bieten Parkgassen ohne Stützen Fahrkomfort, die Sicherheit von Fußgängern ist durch Markierungen oder dicke „Nagelköpfe“ zwischen Fußgänger- und Fahrbahn geboten – wer über die Nagelköpfe fährt, hört, dass er dort nicht fahren darf. Ein- und Ausfahrt erfolgen separat via Einbahnverkehr, eine digitale Anzeigetafel informiert über freie Stellplätze. Um einen Rückstau in den Verkehrskreisel zu vermeiden, bietet die Einfahrtsrampe Platz für zehn Autos hintereinander. Und wozu ist das große Moosrondell unter einer der fünf Lüftungsöffnungen im Dach da? Das Moos, so Schilp, wandle schlechte Luft um und brauche dafür weiter nichts als das Wasser, das aus dem Auspuff heraus komme.

Elektromobilität

15 Ladestationen für E-Cars sind auf die drei Parkhausebenen verteilt. Damit, so Bürgermeister Schuster, gebe es nun 43 Ladestationen in Neuenburg, plus 14 Ladestationen für E-Bikes. Dem Ziel von 50 Ladestationen bis 2030 sei man damit bereits sehr nahe.

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