Neuenburg Schritt in Richtung Normalität

Chalampés Bürgermeisterin Martine Laemlin und Neuenburgs Rathauschef Joachim Schuster warben am 8. Mai mit einer Aktion auf der Rheinbrücke für die deutsch-französische Freundschaft. Foto: Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein/Chalampé - Bundesinnenminister Horst Seehofer hat am Mittwoch angekündigt, die Grenzkontrollen zur Schweiz und nach Frankreich zu lockern. Die Bürgermeister von Neuenburg am Rhein, Joachim Schuster, und dem elsässischen Chalampé, Martine Laemlin, freuen sich über die geplanten Erleichterungen beim Grenzübertritt. In der vergangenen Woche hatten die beiden gemeinsam ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt

So sollen laut Absprache der Bundesregierung mit den beiden Nachbarländern ab dem Wochenende alle Grenzübergänge wieder geöffnet werden und nur noch stichprobenartig kontrolliert werden.

Nach wie vor braucht es aber einen triftigen Grund für den Grenzübertritt. „Es gibt weitere Ausnahmen für Reisen aus familiären und persönlichen Gründen“, hieß es aus dem Bundesinnenministerium.

Armin Schuster (CDU), Bundestagsabgeordneter für den Wahlkreis Lörrach-Müllheim, zeigt sich mit den angekündigten Lockerungen zufrieden. „Mein intensives Dringen seit zwei Wochen - Grenzkontrollen kurzfristig fortzuführen, aber mit deutlichen Lockerungen - hat damit Früchte getragen“, heißt es in einer Mitteilung des Abgeordneten. Wichtig sind ihm dabei „Lockerungen im kleinen Grenzverkehr“.

Erfreut über den weiteren Schritt in Richtung Normalität sind Neuenburgs Bürgermeister Joachim Schuster und seine Amtskollegin aus der elsässischen Nachbargemeinde Chalampé, Martine Laemlin. Beide hatten sich am 8. Mai mit einer Aktion auf der Rheinbrücke für die deutsch-französische Freundschaft eingesetzt.

„Es ist ein Schritt zu mehr Normalität. Die stichprobenartigen Kontrollen halte ich für wichtig, da Frankreich immer noch Faktor 3,5 mehr Verstorbene aufweist“, erklärt der Neuenburger Rathauschef. „Wir sind im engen Austausch und haben uns über den Erfolg unserer Aktion gefreut. Wir sehen eine große Erleichterung für die Pendler.

Weniger Zeitverlust und weniger Benzinkosten. Vor allem sind viele, die freundschaftliche oder partnerschaftliche Verbindungen über den Rhein haben, froh über die Öffnung“, sind sich Laemlin und Schuster einig.

„Alle sollten froh sein, dass wir die Kaufkraft aus dem Elsass binden können. Ohne das Elsass gäbe es viele Märkte und Einkaufsmöglichkeiten in Neuenburg nicht. Mehr Toleranz der Einheimischen wäre hilfreich und mehr Sensibilität für die hiesigen Strukturen bei den französischen Einkäufern“, antwortet er auf die Frage, was er älteren Neuenburger Bürgern sagt, die sich schon jetzt beim Einkaufen unwohl fühlen?

Schuster glaubt nicht, dass am Samstagmorgen bei Aldi, Lidl und DM das Chaos ausbrechen wird. „Wichtig ist vor allem das alle deutschen und französischen Kunden sowie das Verkaufspersonal sich strikt an die Regeln halten: Hygiene, Eigenschutz und Abstand“, betont Schuster.

Allerdings zählt Einkaufstourismus derzeit nicht zu den Gründen, die einen Grenzübertritt rechtfertigen, das gilt übrigens in beide Richtungen.

„Man muss immer noch einen Grund haben, um über die Grenze zu gehen“, sagt Martine Laemlin und berichtet von deutschen Anrufern bei der Mairie in Chalampé, die sich erkundigt haben, ob sie wieder in Frankreich einkaufen dürfen.

Laut Rücksprache mit der Region Grand Est gebe es Lockerungen, die insbesondere familiäre Gründe betreffen, sagt die Bürgermeisterin. Die Umsetzung werde noch zwischen den Innenministerien, der Bundespolizei und der französischen Grenzpolizei abgesprochen.

Jean Rottner, der Präsident des Generalrats der Region Grand Est, habe an den französischen Innenminister Christophe Castaner geschrieben und gebeten, die Grenze für die Bürger der Grenzregionen so schnell als möglich zu öffnen, berichtet Laemlin und ergänzt, dass dies von deutschen und französischen Abgeordneten im Grenzgebiet unterstützt werde.

„Jeden Tag geht es einen kleinen Schritt weiter“, sagt Laemlin. Mit großen Schritten vor dem 15. Juni rechnet sie allerdings nicht. Zunächst gelte es, den 2. Juni abzuwarten, wenn die französische Regierung weitere Schritte verkündigt. „Wenn alle die Regeln respektieren, wird die Grenzöffnung funktionieren“, ist sie überzeugt.

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