Neuenburg Vielfalt gemeinsam erleben

Die Stadt Neuenburg hat die Häuser A und B der Gemeinschaftsunterkunft vom Landkreis übernommen. Das Gebäude C mit den übrigen Containern soll abgebaut werden. Foto: Alexander Anlicker

Neuenburg am Rhein - „Jetzt geht der Schritt von der Erstbetreuung zum selbstbestimmten Leben“, fasste Bürgermeister Joachim Schuster den Sachstandsbericht zur Flüchtlingssituation in der Zähringerstadt zusammen. Zugleich machte er deutlich, dass es keine qualitativen Unterschiede in der Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen geben dürfe. Und wenn in der Stadt derzeit über ein Begegnungszentrum nachgedacht wird, geht es dabei nicht nur um Flüchtlinge, sondern alle Bevölkerungsschichten.

Die zuständige Teamleiterin Elvira Riesterer präsentierte dem Gremium einen umfassenden Bericht mit den aktuellen und zu erwartenden Flüchtlingszahlen. Bürgermeister Schuster hatte zuvor noch auf die unterschiedlichen Zuständigkeiten von Stadt und Landkreis hingewiesen. Die Stadt ist nur für die sogenannte Anschlussunterbringung zuständig, nach Abschluss des Asylverfahrens beziehungsweise wenn die Flüchtlinge bereits länger als zwei Jahre in der Gemeinschaftsunterkunft sind.

Statistik

Aktuell leben 126 Geflüchtete in Neuenburg, davon 67 Männer, 24 Frauen und 35 Kinder unter 18 Jahren. Darunter sind 13 komplette Familien und sieben Familien mit nur einem Elternteil. Von den Kindern besuchen sechs eine Kinderkrippe, jeweils sieben den Kindergarten und die Grundschule, drei Kinder besuchen die Werkrealschule, eines die Realschule, vier sind in einer Berufsschulklasse und fünf für Kindertagesstätten vorgemerkt.

Vom Landkreis zugewiesen wurden im Jahr 2017 insgesamt 15 Personen, unter anderem eine vierköpfige Familie aus Syrien und 2018 17 Personen, darunter eine fünfköpfige Familie aus dem Irak.

Die Geflüchteten kommen aus Eritrea, Syrien, Nigeria, Irak, Gambia, Afghanistan, Somalia, Togo, Libanon, Armenien und Pakistan. Eine Person aus Georgien sei abgeschoben worden, berichtete Riesterer. Die Stadt werde aber über Abschiebungen nicht informiert.

Unterbringung

Neuenburg setzt auf eine dezentrale Unterbringung. Neben dem ehemaligen Zollhaus an der Zähringer Straße hat die Stadt zum Monatsbeginn auch die Häuser A und B der Gemeinschaftsunterkunft (GU) an der Robert-Koch-Straße vom Landkreis übernommen. Das Haus C wird derzeit zurückgebaut, nachdem der Landkreis die GU in Neuenburg geschlossen hat. Da das Land keine leerstehenden Unterkünfte bezahlt, schließe der Landkreis die GU, wo er Verträge am einfachsten kündigen kann.

Im Erdgeschoss des Hauses A befinden sich drei Büroräume und ein Lernraum, im Obergeschoss können zwölf Personen bei Doppelbelegung untergebracht werden. Das Haus B bietet im Erd- und Obergeschoss ebenfalls Platz für jeweils zwölf Personen bei Doppelbelegung. In die Büroräume soll der Flüchtlingssozialdienst der Caritas umziehen, der derzeit noch im Sophie-Meier-Haus untergebracht ist, das allerdings abgerissen werden soll.

Sie sei froh um die zusätzlichen Räume für die Unterbringung, erklärte Riesterer und verwies auch auf das Thema Obdachlosenunterbringung.

Flüchtlingssozialarbeit

Seit 2016 arbeitet die Stadt mit der Caritas zusammen, der Vertrag läuft aber zum 31. Dezember aus und soll angesichts der zurückgehenden Flüchtlingszahlen nicht verlängert werden. Finanziert wurde die Flüchtlingssozialarbeit mit Geldern aus dem Pakt für Integration.

Darüber hinaus beschäftigt die Stadt seit Juli 2017 Andrea Kühne als Integrationsbeauftragte. Die 50-Prozent-Stelle ist auf drei Jahre angelegt und wird von der L-Bank mit 52 500 Euro bezuschusst. Aufgabe ist neben der Anschlussunterbringung auch die Integration und das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, unter anderem durch den Aufbau eines Pools von Lern- und Bewerbungspaten.

Zudem wurde die Flüchtlingsarbeit in der Zähringerstadt in den vergangenen drei Jahren mit jeweils 15 000 Euro im jährlich aus dem Programm „Gemeinsam in Vielfalt“ gefördert. Das Programm läuft bis Ende September. Derzeit laufen die Überlegungen für die Bewerbung des Nachfolgeprojekts „Gemeinsam in Vielfalt IV“.

Begegnungsraum

Unter anderem wird auch die Schaffung eines betreuten Begegnungsraums diskutiert. Dieser sei unter anderem in den Zukunftswerkstätten angeregt worden. Ein solcher Begegnungsraum soll, sind sich Verwaltung und Ausschuss einig, allen Bürgern zur Verfügung stehen.

Ausblick

Im laufenden Jahr muss die Stadt voraussichtlich keine Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung aufnehmen. Für die vier Jahre ab 2020 wurden vom Landkreis 24 Personen avisiert.

Sie möchten alle Nachrichten aus Ihrer Gemeinde lesen?
Dann testen Sie unser ePaper – 3 Wochen völlig gratis und unverbindlich! Klicken Sie HIER.

  • Bewertung
    0

Newsticker

blank

Umfrage

Von der Leyen hält ihre Bewerbungsrede in Straßburg

Ursula von der Leyen wurde vom EU-Parlament zur neuen EU-Kommissionspräsidentin gewählt. Halten Sie das für eine gute Entscheidung?

Ergebnis anzeigen
loading