«Nicht dem Profit dienen» Ärzte warnen vor kommerziellen Motiven bei Klinik-Reformen

Mehr oder weniger Krankenhäuser? Ärzte und Politik streiten über Reformvorschläge. Foto: Stefan Sauer/zb/dpa Foto: dpa

Berlin - In der Diskussion um eine Reform des Klinik-Angebots in Deutschland hat Ärztepräsident Klaus Reinhardt vor kommerziellen Motiven gewarnt. "Krankenhäuser müssen dem Patienten dienen, nicht dem Profit", sagte der Chef der Bundesärztekammer der Deutschen Presse-Agentur.

"Ein Abbau der Versorgungskapazitäten, den uns immer wieder verschiedene politikberatende Stiftungen empfehlen, hätte bei uns im März und April zu gleichen Verhältnissen geführt wie in Spanien und Italien." Die Corona-Krise habe aber gezeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich gut aufgestellt sei.

"Wir haben das schaffen können, weil wir uns in den letzten Jahren gegen die weitere Kommerzialisierung im Gesundheitswesen gestemmt haben, weil wir Kliniken als Einrichtung der Daseinsvorsorge sehen und nicht als Industriebetriebe", sagte Reinhardt. "Wir haben schnell die notwendigen Kapazitäten im Krankenhaus aufgebaut. Und unser System flächendeckender ambulanter ärztlicher Versorgung hat uns vor einer Überinanspruchnahme der Krankenhäuser bewahrt."

Im Sommer vergangenen Jahres hatte eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung für Aufsehen gesorgt - demnach könnte die Patientenversorgung durch die Schließung von mehr als jedem zweiten Krankenhaus erheblich verbessert werden. Die verbleibenden Häuser könnten deutlich mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten.

Reinhardt sagte, es sei anzuerkennen, dass es einen großen Reformstau gebe. "Wir brauchen vor allem eine neue Vergütungssystematik, die nicht mehr ausschließlich auf wirtschaftliche Effizienz ausgerichtet ist." Auch die Krankenhauslandschaft sei neu zu organisieren. "Auf dem Land brauchen wir weiterhin flächendeckend eine stationäre Versorgung, bei der Notfälle schnell und gut behandelt werden können. Aber wenn es medizinisch sinnvoll ist, vor allem in urbanen Gebieten, dann müssen auch Standorte zusammengelegt werden können."

Dies bedeute, Synergieeffekte zu nutzen, um den Arbeitsdruck auf Ärzte und Pflegepersonal zu reduzieren. "Nur bitte diskutieren wir nicht über Einsparung beim Personal, nicht bei dem Behandlungsbedarf der zweitältesten Gesellschaft der Welt, nicht bei unserem Ärzte- und Pflegemangel", mahnte Reinhardt. "Im Gegenteil, wir brauchen mehr pflegerische Stellen, gleichzeitig aber darf keine einzige ärztliche Stelle verloren gehen." Er verwies zudem darauf, dass die Länder Investitionsverpflichtungen für die Kliniken von inzwischen etwa 30 Milliarden Euro in den vergangenen zehn Jahren nicht nachkämen.

© dpa-infocom, dpa:200805-99-46014/2

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