Oberes Wiesental Wenn der Wald zur Berufung wird

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Christian Suchomel ist der neue Leiter des Forstbezirks Todtnau. Foto: Verena Wehrle

Er wollte wieder näher am Wald, wieder mehr in seiner geliebten Natur sein: Deshalb kam Christian Suchomel im April als Leiter des Forstbezirks Todtnau zurück ins Obere Wiesental. Er stellt sich den Herausforderungen mit Blick aufs große Ganze.

Wer ist eigentlich für unseren Wald verantwortlich, und welche Aufgaben hat eigentlich ein Forstbezirksleiter? Dies wollten wir von Christian Suchomel wissen, dem neuen Leiter des Forstbezirks Todtnau.

Der Bezirk

Das riesige Gebiet reicht vom Feldberg bis nach Zell, vom Belchen bis nach Präg und schließt auch das Kleine Wiesental mit ein. Es beinhaltet zwölf Forstreviere.

Die Aufgaben

Die Mitarbeiter des Forstbezirks bewirtschaften im Auftrag der Kommunen den Wald und setzen deren Ziele um. Zum Tagesgeschäft gehören die drei Bereiche Holznutzung, Erholung und Naturschutz, erklärt Suchomel: „Dabei gibt es natürlich Konflikte, alle drei Bereiche in Einklang zu bringen, und deshalb ist es unser Job, dies auszusteuern.“

Herausforderung Klima

Die Holznutzung sei dabei ein bedeutender Teil für das Einkommen der Gemeindekassen. „Dabei gilt es jetzt auch für uns, langfristige Lösungen zu finden für einen Umbau zu klimaneutralen Wäldern.“ Dazu dienen Baumarten, die mit den veränderten Klimabedingungen und dem Standort zurecht kommen. Mittlerweile habe die Fichte vielerorts Probleme. „Sie wird kurzfristig noch vorhanden sein, aber nicht mehr in der Masse. Die großen Bestände kommen noch aus der Zeit, als der Klimawandel noch kein Thema war“, weiß der Experte. Ein zukunftsfähiger Bergmischwald bestehe aus Buchen, Tannen, Bergahorn und Douglasien.

Herausforderung Käfer

Zum Gespräch mit unserer Zeitung bringt Suchomel nichts anderes mit als Käfer und ein Baumrindenstück. Eindrücklich erklärt der Experte anhand des von Borkenkäfern regelrecht durchzogenen Baumrindenstücks, was die kleinen Käfer Großes an Schaden anrichten. Und mit diesen Schäden umzugehen, gehöre zu den wohl größten Herausforderungen seiner Arbeit. Das Käferholz müsse so schnell wie möglich aus dem Wald geholt werden – denn die Populationen verbreiten sich rasend schnell. Die Folge: Die schieren Massen an Käferholz, die eigentlich erst Jahre später genutzt werden sollten, treiben die Holzpreise extrem in den Keller.

Und was passiert mit den Kahlflächen im Wald? Auch hier muss der Forstbezirksleiter zusammen mit seinem Team die richtigen Entscheidungen treffen, wo abgewartet wird oder wo welche Baumart gepflanzt werden soll. Bei den 20 Hektar Kahlflächen in Präg etwa soll erst geschaut werden, was die Natur bringt. Der Käfer jedenfalls soll nicht mit aufs Pressebild, denn Suchomel sagt: „Ich hoffe, ich kann das Thema bald hinter mir lassen.“

Hotspot für Naturschutz

Und im dritten Bereich Naturschutz lebe man im oberen Wiesental in einem Hotspot, wie es Suchomel nennt, also einem Raum, wo verschiedene Schutzgebiete wie Biosphäre oder Waldbiotope zusammentreffen. Der Forst müsse die Wälder entsprechend der verschiedenen Zielsetzungen bewirtschaften.

Den Blick aufs große Ganze

Suchomel ist derjenige, der im ganzen Bezirk den Blick aufs große Ganze haben muss, Maßnahmen mit den Behören wie dem Naturschutz abstimmen muss. „Ich bin liebend gerne draußen“, sagt er. Aber dennoch müsse er den Großteil seiner Arbeit im Büro erledigen.

Wie er zum Beruf kam

Der 43-Jährige war schon immer an der Natur interessiert, erzählt er. Seinen Zivildienst absolvierte er beim Naturschutzbund, dort habe er im Forst mitgeholfen, was sein Interesse für seine spätere Tätigkeit weckte. Auch sein Studium der Forstwirtschaft in Freiburg sei sehr praxisbezogen gewesen. Auf Umwegen ging es für Suchomel vor fünf Jahren in die Landesforstverwaltung. Bis zu seinem Wechsel in den Forstbezirk Todtnau plante er im Regierungspräsidium die Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in den Naturschutz, etwa beim Bau von Windkraftanlagen. Doch dann wollte er wieder näher am Wald sein, und wieder zurück kommen in das Gebiet, in das er von 2018 bis 2020 bereits als Trainee gearbeitet hat. Denn ihm gefalle die Gegend, womit ihm der Einstieg leicht gefallen sei.

Noch lange möchte er im Forstbezirk arbeiten. Denn: „Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich, ich muss mich jeden Tag neuen Herausforderungen stellen, das macht sehr viel Spaß.“

Der Wald und der Käfer

Größe des Bezirks:
 Der Forstbezirk Todtnau umfasst 25 mal 20 Kilometer, das sind 16 500 Hektar. Ein Hektar sind übrigens 100 mal 100 Meter.

Käferpopulation:
 Ein Borkenkäferweibchen legt im Schnitt 60 Eier pro Brut ab. Die erste Generation bohrt sich in die Bäume ein und vermehrt sich explosionsartig – im Laufe einer Vegetation folgen aus der Brut eines Weibchens bis zu 250 000 Nachkommen. Aus einem Käferbaum können so im Laufe eines Jahres 8000 befallene Bäume werden. Die Trockenheit begünstigt die Vermehrung..

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