Poetry Slam im Nellie Nashorn Auch Wortspielerei mit Finnisch

Regine Ounas-Kräusel
  Foto: R. Ounas-Kräusel

Das Nellie Nashorn hat seine Open-Air-Reihe „Sommer im Hof“ mit einem Poetry Slam gestartet. Bis 3. August sind dort Poesie, Musik, Kabarett, Comedy und das „Kino im Hof“ zu erleben.

Benno Brockmann, Ninel, Olaf Euler und Eeva Aichner, alle in der Poetryszene der Region bekannt, trugen ihre selbst verfassten Texte am Freitag allerdings drinnen auf der Bühne vor. Es regnete einfach zu stark. Natürlich lebt jeder Poetry Slam eben von diesen Texten, von so mancher überraschenden Perle. Doch genauso davon, dass das Publikum ins Geschehen eingreift und mit Applaus und Jurykarten den Poetry-Sieger des Abends kürt.

Viele aus Nachbarorten

Daher brachte Moderator Gregor Biberacher die Besucher zunächst mal richtig in Stimmung: Zur Gitarre sang er sein Lied „Tribute for Your best friend“ und bat danach um einen begeisterten „Zehnpunkte-Applaus“. Auf seine Frage, wo die Besucher herkämen, stellte sich heraus: Mehr als die Hälfte war gar nicht direkt aus Lörrach, sondern aus Nachbarorten. Ein Deutsch-Leistungskurs kam von einem Gymnasium in Freiburg.

Sinn für Unsinn

„Ich liebe Unsinn“, bekannte Benno Brockmann als erster Poetry-Slammer auf der Bühne. Wortgewandt und mit spitzer Zunge mokierte er sich über beliebig auf einer Schreibmaschine klappernde Affen, die vielleicht per Zufall auch ein Werk von Shakespeare tippen. Er nahm Fake News aufs Korn und die verkehrte Welt, in der Faschisten als Demokraten getarnt im Bundestag sitzen. Die Bühne war spürbar sein Element.

Klischeehafte Fragen

Ninel nahm die klischeehaften Fragen aufs Korn, die Menschen ihr stellen, sobald sie ihren Akzent hören und erfahren, dass sie bildende Künstlerin ist: Wo kommst du her? Kannst du von deiner Kunst leben?

Olaf Euler trug die Geschichte vom Elefankuchen vor, die im Alltag nur sein kleiner Sohn hört. Mit hoher Stimme mimte Euler den Löwenjungen Luis, der von Papa Löwe einen leckeren Elefankuchen gebacken haben will. Doch der raunzte mit tiefem Bass: „Keine Lust.“ Spitzbübisch blickte Euler ins Publikum. Begeisterter Applaus, hohe Punktzahl.

Die Freiburgerin Eeva Aichner schwärmte von der Mitternachtssonne in Finnland, ihrer zweiten Heimat. Sie bedauerte, dass man am längsten Tag im Jahr nicht im Freien auftreten könne. Dann trug sie mit viel Freude am Wortspiel das Deutsch-Finnische Poem „Yö“ vor. Das bedeutet „Nacht“ und klingt wie „Üö“. Immer wieder lachten die Zuhörer über die schönen Lautmalereien.

Zuhörer vergeben Punkte

Nach jedem Vortrag steckten die Besucher die Köpfe zusammen und berieten, wie viele Punkte sie vergeben wollten. Dann gingen die fünf verteilten Jurykarten hoch. Nach einem zweiten Durchgang auf der Bühne kamen Aichner und Brockmann ins Finale. Sie trug noch ein stimmungsvolles Gedicht über den Wind vor: Manchmal lausche sie einfach dem Wind und „ich stelle die Welt auf stumm“. Er thematisierte gesellschaftlichen Zwänge und seine eigene Situation. Mutig sprach er von seinen Depressionen und davon, dass er nach drei erfüllten Jahren auf der Bühne wieder zurück „in die Industrie“ müsse – die Familie, die Miete. Nach stürmischem Applaus überreichte Biberacher schließlich beiden Finalisten die Siegertrophäe, ein holzgeschnitztes Nashorn.

Infos zum „Sommer im Hof“ einschließlich „Kino im Hof“, einer Kooperation mit dem Free Cinema: www.nellie-nashorn.de

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