Rheinfelden Adelbergkirche wird umbenannt

Tim Nagengast
Mit ihren 125 Jahren ist die Adelbergkirche das älteste Gotteshaus in Rheinfelden. Foto: Tim Nagengast

Rheinfeldens älteste Kirche soll in Zukunft „St. Jakobus am Adelberg“ heißen. Die Weihe findet am 20. Juli statt.

Wer es nicht kennt, übersieht es leicht: Das Adelbergkirchlein wird von seiner neuen Umgebungsbebauung durchaus ein wenig verschluckt. Nichtsdestotrotz verdient dieses kleine Bijou im ansonsten eher nüchternen Rheinfelder Stadtbild einen genaueren Blick. Denn obwohl schon seit einigen Monaten kein Gottesdienst mehr darin gefeiert worden ist, herrscht in dem Gotteshaus jede Menge Leben. Die Sanierung des Innenraums steht vor ihrem Abschluss. Am 20. Juli wird die Kirche neu geweiht.

Älteste Kirche der Kernstadt

Was viele Menschen nicht wissen: Die Adelbergkirche ist der älteste Sakralbau der Kernstadt und stammt aus einer Zeit, als die heutige Stadt Rheinfelden ihren Namen noch nicht trug.

Zunächst waren die Rheinfelder Protestanten kirchlich auf Beuggen untergebracht. Im Rittersaal des dortigen Schlosses feierten sie im 19. Jahrhundert ihre Gottesdienste, bis sich im heutigen Rheinfelden eine Diasporagemeinschaft gründete. Diese erwarb am 11. September 1898 von den damaligen Kraftübertragungswerken Rheinfelden (KWR) einen Bauplatz oberhalb der Rheinbrücke. Wer sich heute dort umsieht, entdeckt vor der Kirche einen Brunnenring aus dem Jahr 1866. Er ist der letzte Rest des „Ott’schen Anwesens“, welches hier einst stand. Das Ensemble hatte der Beuggener Stahlwarenhändler Gottfried Rüsch anno 1863 errichten lassen. Nach seinem Tod erwarb Heinrich Ott das Ensemble, von dem – bis auf den Brunnenring – heute nichts mehr zu sehen ist. Und die Besitzerwechsel gingen weiter. Später richtete die evangelische Kirche das Anwesen für ihre Zwecke her. Dazu wurde das Ökonomiegebäude abgerissen. Auf seinen Grundmauern steht heute die Adelbergkirche, die in Teilen aus dem Abbruchmaterial errichtet worden ist. Die zunächst noch als Pfarrhaus genutzte Ott-Villa diente später privaten Zwecken und wurde anno 1973 abgebrochen.

Kirche wird 125 Jahre alt

Doch zurück zur Adelbergkirche: Sie wurde am 17. September 1899 geweiht. In Kürze wird sie also 125 Jahre alt. Zunächst nur als Provisorium bis zum Bau der Christuskirche gedacht, hat das Kirchlein bis heute die Zeiten überdauert und erfreut sich einer regen Nutzung. Zunächst evangelisch, übernahmen die Alt-Katholiken die Kirche im Jahre 1937. Nachdem die KWR in den 1970er Jahren das Gotteshaus erworben hatten, erhielt die Stadt Rheinfelden die Nutzungsrechte der Kirche. Sie verpachtete sie an die alt-katholische Gemeinde. Vor elf Jahren schließlich konnte die Stadt das Kirchlein auf dem Adelberg für einen symbolischen Euro kaufen. Seither trägt sie die Kosten für die Instandhaltung und hat zu Beginn dieses Jahrzehnts für die Sanierung des Türmchens gesorgt. Die alt-katholische Gemeinde zeichnet derweil für den Innenraum verantwortlich, dessen Neugestaltung und Sanierung in diesen Tagen endet.

Insel der Ruhe in der Stadt

Mit ihrer leuchtend weißen Fassade passt die Adelbergkirche recht gut zur ebenfalls weißen Umgebungsbebauung, die dem kleinen Gotteshaus aber, je nach Perspektive, schon ein wenig auf die Pelle gerückt ist. Nichtsdestotrotz führen eine breite Treppe von unten und ein Fußweg von oben her auf die die Kirche umgebende Grünfläche – eine kleine Insel der Ruhe und Besinnung in der pulsierenden Löwenstadt.

Bis zuletzt war die Ausstattung der Kirche übrigens immer noch „evangelisch“. So fehlte etwa der für katholische Kirchen übliche Tabernakel zum Aufbewahren der Hostien. Ebenso gab es kein Lesepult (Ambo) für die Verkündigung der Schrifttexte und der Predigt. Auch ein Sitz des Vorstehers der Liturgie war nicht vorhanden.

St. Jakobus als Patron

Und noch immer hat die Adelbergkirche keinen für katholische Kirchen üblichen Heiligen, auf dessen Name sie geweiht ist. Doch dies wird sich in Kürze ändern. Die alt-katholische Gemeinde Hochrhein-Wiesental wünscht sich „St. Jakobus am Adelberg“ als neuen Namen für ihr Rheinfelder Gotteshaus. Als neuer Patron soll der Heilige Jakobus dabei auch als Leitbild für die nahezu abgeschlossene Umgestaltung der Kirche dienen.

Am Samstag, 20. Juli, wird die Kirche nach halbjähriger Umbauzeit neu geweiht. Der Festgottesdienst beginnt um 14.30 Uhr. Da mit sehr viel Publikum gerechnet wird, soll die Weihe in Bild und Ton zusätzlich in ein Zelt neben der Kirche übertragen werden, wie Pfarrer Armin Strenzl mitteilt.

  • Bewertung
    0

Umfrage

Wahlkampf in den USA - Biden

US-Präsident Joe Biden kandidiert für eine weitere Amtszeit, die Zweifel an seiner Kandidatur werden aber immer lauter. Sollte sich Biden zurückziehen?

Ergebnis anzeigen
loading