Rheinfelden Alte Rheinbrücke als Schleuserpfad

Über die alte Rheinbrücke sollten vier Menschen nach Deutschland geschleust werden. Foto: Ulf Körbs/Archiv

Rheinfelden/Lörrach - Ein Pakistani wollte vier Männer von der Schweiz nach Deutschland schmuggeln. Ort der Handlung war die alte Rheinbrücke in Rheinfelden.

"Es tut mir leid, ich habe einen Fehler gemacht“, beteuerte der Angeklagte, ein 52 Jahre alter Mann aus Pakistan, der seit mehr als 20 Jahren im italienischen Chiasso an der Grenze zur Schweiz lebt und im Tessin arbeitet, vor dem Amtsgericht Lörrach. Ähnliches hatte auch sein Anwalt in einer schriftlicher Erklärung verlautbaren lassen. Und weil er bereits seit mehr als vier Monaten in U-Haft sitzt, flehte er: „Ich will jetzt wieder zu meiner Familie zurück.“

Vor den Kadi gezogen worden war der 52-Jährige, weil er Anfang Februar dieses Jahres vier männliche Personen, zwei davon aus Indien und zwei aus Pakistan, wobei einer noch mit 13 Jahren minderjährig war, über die Schweizer Grenze bei der alten Rheinbrücke in Rheinfelden nach Deutschland einschleusen wollte, wofür er einen Geldbetrag von 780 Euro erhalten hatte. Der deutsche Zoll griff die nächtliche Fußgängergruppe indes auf, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Staatsanwalt fordert Haft auf Bewährung

Schleusen von Ausländern in vier Fällen, in einem Fall eines Minderjährigen“, hieß jetzt die Anklage, die der Staatsanwalt verlas. Auch wenn der Angeklagte ein vollständiges Geständnis abgelegt habe, so plädierte er dennoch für die Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, dies indes zur Bewährung ausgesetzt. Der Verteidiger hatte danach auf eine Bewährungsstrafe von unter einem Jahr plädiert.

Richter Dietrich Bezzel fällte indes ein milderes Urteil. „Zehn Monate Haftstrafe, zwei Jahre zur Bewährung“, ergingen im „Namen des Volkes“, womit der Mann mit sofortiger Wirkung wieder auf freiem Fuß war. Zugute hielt er dem Angeklagten neben der U-Haft, die nicht leicht war für den Mann, zudem das Geständnis und auch die Tatsache, dass er sich bislang in seinem Leben noch nichts strafrechtlich Relevantes hat zu Schulden kommen lassen.

Und letztlich legte er noch eins drauf: Der seit Februar beschlagnahmte Wagen wird nicht eingezogen, wie es noch der Staatsanwalt gefordert hatte, sondern das Fahrzeug mit einem geschätzten Restwert zwischen 500 und 1000 Euro wird stattdessen an den Mann aus Pakistan ausgehändigt, damit er künftig weiter seinem Beruf als Markthändler im Tessiner Raum ausüben kann. Allerdings muss er zuerst die von der Aargauer Polizei erhobene Geldbuße wegen Parkens im Halteverbot berappen.

Verteidiger: Mandant wollte nur helfen

„Mein Mandant wollte den Menschen nur helfen, war sich dabei aber nicht bewusst, dass er eine schlimme Straftat begeht“, hatte der Anwalt während der zweieinhalbstündigen Verhandlung mit drei Zeugen geltend gemacht. Die Schwere seiner Tat sei ihm erst im Nachhinein klar geworden. Es habe sich aber in jedem Fall um eine einmalige Sache gehandelt. Das nahm schließlich auch Richter Bezzel dem Anwalt und seinem Mandanten ab, zumal umfangreiche Ermittlungen rund um den Fall keinerlei weitere Verdachtsmomente lieferten. Der Angeklagte hatte auch seine beiden Handys für die Untersuchungen zur Verfügung gestellt. Und außerdem: Freiwilig verzichtete der jetzt Verurteilte auch auf die 780 Euro, die er von den Ausländern für die Schleusung bekommen hatte.

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