Rheinfelden Anekdoten, Balladen und Chansons

Peter Schell und Christine Schmid Foto: Rolf Reißmann Foto: Die Oberbadische

Von Rolf Reißmann

Rheinfelden. Die Fallers waren da, zwar nur der Bauer Karl, aber er sorgte für Stimmung und viele Neuigkeiten. Schauspieler Peter Schell trat bereits zum zweiten Mal in Rheinfelden auf, kam diesmal gemeinsam mit der in der Region bestens bekannten Christine Schmid. So begann der Abend vor den mehr als 60 Zuschauern stimmungsvoll. Schell trug Balladen und Gedichte vor, wechselte vom Komischen ins Nachdenkliche.

Doch das Motto des Abends lautete „Was Sie schon immer über die Fallers wissen wollten aber nie zu fragen wagten“. Und so wurde es ein Dialog. Ob denn solch ein Serienteil chronologisch entstehe, wollte ein Besucher wissen. „Nein, wir drehen da gleich mal alle Küchenszenen aus mehreren Folgen ab, dann sind wir wieder draußen“, beschrieb Schell. „Wichtig ist, dass wir konzentriert die Szenen erstellen, mit möglichst geringstem Aufwand.“

Andere erkundigten sich nach der Entstehung der Geschichten. Zwar sind an jeder Folge nur ein oder zwei Autoren beteiligt, doch wechseln sie sich ab und so kamen im Lauf der Zeit bisher mehr als 1000 Filmfolgen rund 50 Texter zusammen. Jede Folge wird eingeordnet in die Gesamtgeschichte, so besteht für jeden Teil die Vorgabe, an die zurückliegende Folge anzuschließen und die nächste schon etwas vorzubereiten.

Übrigens waren „Die Fallers“ als Serie nur mit etwa 50 Folgen vorgesehen. Nunmehr ziehen die Schwarzwaldbauern bereits seit 25 Jahren die Zuschauer in den Bann. Schell erzählte auch davon, dass die meisten Schauspieler etliche weitere Engagements besitzen. „Denn allein von der Serie werden die wenigsten satt, mitunter treten sie gar nicht in jeder Folge auf“, beschrieb Schell.

Dann sind Drehtage auch nach den Möglichkeiten der Kollegen einzurichten, die andernorts Verpflichtungen haben. Er übernachte als einziger während der Drehs auf dem Bauernhof. Das schaffe engen Bezug zur Realität und vielleicht spüre man es auch beim Ansehen des Films, dass er doch ganz gut bei der Stallarbeit zupacken könne. „Ich staune manchmal, mit welcher Gelassenheit die Kühe den Rummel eines Drehtages über sich ergehen lassen“, meinte er schmunzelnd. „Da kommt das große Licht, da wird es laut, da sind viele Leute, und die Tiere stehen da, als gehe sie das gar nichts an.“

Zum Lesen des Textbuches stehe den Schauspielern unterschiedlich Zeit zur Verfügung, früher sei es manchmal nur eine Woche gewesen, heute komme der Text mitunter zwei Monate vor dem Dreh. Da sei nicht nur gute Vorbereitung möglich, sondern man könne auch in geringem Maße Einfluss nehmen. Einmal sollte er in zu stark politisch akzentuierter Sprache reden, das habe ihm widerstrebt, und er bat um andere Formulierungen, das sei dann auch erfolgt. Ausgestrahlt werden die Folgen dann rund ein Jahr später, denn Schnitt, Synchronisation, Verbesserung am Ton und viele weitere Arbeiten benötigen ihre Zeit.

Doch Peter Schell beließ es nicht beim Plaudern über die SWR-Serie, er setzte immer wieder mit seinen Darbietungen sehr hörenswerte Akzente. „Der rechte Barbier“ von Chamisso war ebenso dabei wie Brechts Legende von der Entstehung des Buches Laotse und die Satire „Der Pflaumenbaum“.

Gleich zu Beginn hatte sich Schell, ein geborener Schweizer und in deren sowie der alemannischen Mundart sattelfest, dafür entschieden, Hochdeutsch zu reden. Doch einen Ausbruch konnte er sich doch nicht verkneifen und rezitierte „Die sächsische Loreley“ der Leipziger Mundartdichterin Lene Vogt.

Christine Schmid bereicherte die gut 90 Minuten mit ihrer wohlklingenden Musik. Temperamentvoll sang sie die vom Publikum erwarteten Chansons, ihr eigenes Lied „Das Lebe ist ein Zirkus“ bis hin zum Abschiedssong „Lilliy Marleen“. Höhepunkt des Programms allerdings waren jene Stücke, bei denen Schmid mit dem Akkordeon den rezitierenden Peter Schell begleitete, so bei den Traumbildern von Heinrich Heine. Kurzweilig, interessant, anspruchsvoll, einfach schön. Für jene, die die Örtlichkeit nicht kannten, mag es überraschend gewesen sein, zu diesem Abend in eine Trauerhalle eingeladen zu werden, brachte dieses Programm den Beweis, dass auch ein Bestattungshaus mitten im Leben stehen kann.

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