Rheinfelden Anspruchsvolles Programm

Zwei Schwestern im Einklang: Die Geigerin Aloisia Dauer und die Cellistin Natalia Dauer beim Weihnachtskonzert in Schloss Beuggen, das großen Publikumszuspruch fand. Foto: Jürgen Scharf

Rheinfelden-Beuggen - Erst zum Schluss, bei dem kleinen Bukett arrangierter internationaler Weihnachtslieder, wurde es „weihnachtlich“. Zuvor war das Weihnachtskonzert in der Reihe „Junge Klassik“ in Schloss Beuggen alles andere als ein besinnliches Pflichtprogramm zu den Festtagen. Es war die reine Kür.

Was die Schwestern Aloisia und Natalia Dauer im bis auf den letzten Platz besetzten Rittersaal boten, war horrend schwierige Solo- und Duoliteratur für Geige und Cello – ein höchst anspruchsvolles Weihnachtsprogramm.

Gemeinsam gespielt

Während die 29-jährige Geigerin Aloisia Dauer ihr Studium an der Universität Mozarteum Salzburg abgeschlossen hat und in München Violine unterrichtet, studiert ihre jüngere, 21-jährige Schwester noch an der Musikhochschule Basel als Meisterschülerin von Ivan Monighetti. Nach langer Zeit spielten die beiden Schwestern Dauer mal wieder gemeinsam.

Begonnen haben sie ihr Recital in schwesterlich vertrautem Zusammenspiel mit dem Duo op. 3 von Reinhold Glière, sieben in sich geschlossene, kurze und im Charakter unterschiedliche Sätze, mal barock, mal romantisch, und beendet haben sie ihren Auftritt mit der Passacaglia von Johan Halvorsen auf ein Thema von Händel.

Programm souverän aufgebaut

Aloisia Dauer, die am Mozarteum in der Klasse von Irmtraud Tarr im Fach „Performance Science“, also im Studiengang für Theater, Tanz und musikalische Aufführung, einen Abschluss machte, baute das Programm souverän als „Lecture Recital“, als Gesprächskonzert, auf - zur Freude ihrer Rheinfelder Professorin, die im Publikum saß.

Von Sibelius, über dessen unbekannte Violinwerke sie ihre Masterarbeit gemacht hat, führte Aloisia Dauer zwar nichts auf, dafür aber von Eugène Ysaye. Nach Bach und Paganini das Schwerste überhaupt, was eine Geigerin an Sololiteratur spielen kann. Das geigerische Vermächtnis von Ysaye sind seine sechs Violinsonaten; jede hat einen berühmten Geigenkollegen als Widmungsträger. Die vierte ist Fritz Kreisler gewidmet, der sie auch selber gespielt hat, und Ysaye zitiert darin Themen des Violinvirtuosen.

Vor allem aber greift er barocke Tanzformen wie Allemande und Sarabande auf, was man in Dauers prononciertem Spiel gut heraushören konnte. Mit ihrer sehr persönlichen Darstellung dieser bedeutenden Solosonate hat Aloisia Dauer eine außerordentlich imponierende Visitenkarte abgegeben.

Musikalisch extrem schwierig

Ihre Schwester stand ihr in der musikalisch extrem schwierigen Solosonate von Zoltan Kodály nicht nach. Natalia Dauer spielte zwar nur den Kopfsatz (Allegro maestoso), den sie aber manuell perfekt im Griff hatte. Die Nachwuchscellistin überzeugt generell mit einem expressiven Ton, und der Satz klang durch die einen Halbton tiefer gestimmten Saiten noch dunkler und melancholischer, als er an sich schon ist.

Trotz ihres jugendlichen Alters versteht es die Cellistin, die Musik voll und ganz auszuspielen und sich dem puren Klang anzuvertrauen. Dazu verfügt sie schon bestens über Mittel wie einen rhythmisch packenden Zugriff und Klanglichkeit, sodass sie bei Kodály farbige und folkloristische Elemente der Musik zu Tage fördern, aber gleichzeitig das Werk in einer unbestimmtem, schwebenden Stimmung belassen kann.

Die verschiedenen Stimmungsbilder und Klangfarben verlangten von der jungen Musikerin wie von den Zuhörern hohe Konzentrationsbereitschaft. Dass das musikalische „Familienunternehmen“ Dauer die begabten Töchter professionell unterstützt, zeigte das aufwendige Licht- und Tonequipment mit verschiedenen Aufnahmegeräten und einer stimmungsvoll bunten Lichtshow.

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