Rheinfelden Auf den Spuren von Vater und Sohn

„Kleines Welttheater“: ein Bilderzyklus des Rheinfelder Stadtkünstlers Arnold Schneider Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden. Was wäre die Rheinfelder Fasnacht ohne die Figuren, Kostüme und Masken von Arnold Schneider? Der Rheinfelder „Stadtkünstler“ drückte dem Narrentum am Hochrhein mit seinen künstlerischen Entwürfen und seinem Humor seinen Stempel auf.

„Schneider hat in die Masken die zwei Hauptphilosophien menschlichen Lebens hineingeschnitzt: den Pessimismus der heruntergezogenen Mundwinkel des Mannes, den lachenden und stupsnäsigen Optimismus der Frau“, konnte man in einer Rheinfelder Tageszeitung 1972 über „Fasnacht am Hochrhein“ lesen.

Nachdem Arnold Schneider (1908-1992) mit der Figur des Latschari eine feste Größe in der Rheinfelder Fasnacht geschaffen hatte, wollten auch weitere Cliquen künstlerisch mit seinen bildnerischen Ideen versorgt werden. 1956 entwarf er Kostüme und Masken für das Ahnennest Nollingen, 1964 für die Alemannenclique in Herten, wobei er sich bei den Kostümen an die Romantik hielt, bei den Masken aber seinem eigenen Stilempfinden folgte.

Arnold Schneider war jedoch nicht nur ein „Designer“ der Rheinfelder Fasnacht, bis hin zum bunten Kostüm der Maximale, der ersten Rheinfelder Guggenmusik – er war primär Maler und Bildhauer, der nach dem Zweiten Weltkrieg erste Impulse in der Kunst der Industriestadt setzte.

Gewissenhafte Kunstschau beginnt im deutschen Kaiserreich

Im Rahmen des Projekts „Zeitenwende“ des Netzwerks Museen zeigt die Stadtgalerie im Haus Salmegg „Wie die Kunst nach Rheinfelden kam“. Die Kunstschau beginnt aber weit früher, schon im deutschen Kaiserreich, folgt den Spuren von Fritz Schneider (1875-1950), dem Vater, einem Kunst- und Kirchenmaler, der öffentliche Aufträge bekam und als Bühnenbildner am Stadttheater in Metz arbeitete.

Die Familie kam aus dieser Garnisonsstadt in Elsass­Lothringen in den 1920er Jahren als Folge des Ersten Weltkrieges nach Rheinfelden und baute hier ein Malergeschäft auf. Sohn Arnold, der das künstlerische Talent seines Vaters geerbt hat, reifte in der neuen Wahlheimat nach einer Holzbildhauerlehre bei Lahr zum Künstler, Maler, Bildhauer und Grafiker heran. Maßgebend war ein zweijähriges Studium an der Hochschule für Bildende Kunst in Karlsruhe bei Georg Scholz, einem der führenden Vertreter des „Kritischen Realismus“ und der Neuen Sachlichkeit.

Die von Martina Schilling und Elisabeth Veith kuratierte große Doppelschau wird sehr ansehnlich und gewissenhaft präsentiert. Sie folgt den Spuren von Vater und Sohn, zeigt die berufliche und gesellschaftliche Entwicklung dieser Künstlerdynastie. Das Ankommen in Rheinfelden wird sichtbar in verschiedenen Stadtansichten und Stadtlandschaften beider Maler. Die Schau weist aber auch auf die Lebenswege nach Metz zurück, präsentiert viele Familienbildnisse, Selbstporträts, Kinderbilder.

Bei Vater Fritz Schneider fällt auf, dass er die Schrecken des Ersten Weltkriegs und überhaupt das Thema Tod, Zerstörung und Vergänglichkeit in vielen Gemälden im Stil des Symbolismus verarbeitet. Auch der Sohn hat eine Periode, in der er sich dem symbolistischen Stil zuwendet, aber auch mythologischen und religiösen Themen. Beispielhaft ist das „Kleine Welttheater“, allegorische Darstellungen, in denen der Maler das Leben in Zirkus- und Theatermotiven versinnbildlicht.

Tendenz zum Farbkräftigen und Kubistischen

Viele Bilder verraten eine Tendenz zum Farbkräftigen und Kubistischen mit Themen wie „Der arbeitende Mensch“ oder „Mutter und Kind“, aber auch einen Hang zum Karikatur- und Anekdotenhaften in den Zeichnungen. Der Künstler hat, wie seine Figurensprache verrät, seine Umwelt zeitkritisch betrachtet und sogar in hintergründig-satirischen Gedichten reflektiert.

Arnold Schneider hat sich selbst und seinen Vater oft porträtiert, sowohl in Malerei als auch in Skulpturen; ein bezeichnendes Selbstbildnis in Bronze findet sich darunter. Für die „Gärtnerin“ stand Ehefrau Hilda Modell, während die „Drei Grazien“ eher abstrahierte Figurenbilder sind. Oft verwendet er verschlüsselte Metaphern für seine eher intellektuellen Bildtitel wie „Der Laute, der Stille, der Schweigende“.

Die Kuratorinnen können auch mit Werkbeispielen belegen, dass Vater und Sohn gern dieselben Motive wählten, diese aber stilistisch unterschiedlich umsetzten. Auch Kunst am Bau findet Raum: Einiges ist noch vorhanden, anderes wie Sgraffito und Wandgemälde sind nicht mehr original erhalten, aber in der Schau dokumentiert.

Und natürlich hängt auch die Latschari-Urmaske von 1937 in der Ausstellung. An der Tür steht ein Latschari, den Schneider den an Häuserecken lehnenden arbeitslosen jungen Männern als „Clochard moderne“ aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise realistisch nachempfunden hat.  Bis 26. August, Sa, So 12-17 Uhr

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