Rheinfelden „Außeritalienische“ aus der Schablone

Camela de Feo gastierte mit ihrer Kunstfigur „La Signora“ im Bürgersaal Rheinfelden. Foto: Gerd Lustig Foto: Die Oberbadische

Von Gerd Lustig

Rheinfelden. Ja ja, die Kleinen. Manchmal mutieren sie auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu Großen. Genau so eine ist Camela de Feo, die unter ihrem Bühnennamen „La Signora“ seit Jahren erfolgreich durch die Lande tingelt.

Aufgewachsen ist die selbsternannte „Außeritalienische“ im Ruhrgebiet. Neben der locker-schnoddrigen „Pott“-Sprache beherrscht sie das Schauspielerische, Komödiantische und Musikalische. Und so ist der Boden für einen unterhaltsamen, köstlich-frischen und amüsanten Abend bereitet. Mit ihrem Programm „Schablone – in der ich wohne“ begeisterte die 46-Jährige bei ihrem Gastspiel „Kabarett im Bürgersaal“ in Rheinfelden. Dank ihres Markenzeichens – „schwattes“ Haarnetz nebst Dutt und schwarzer Kluft wirkt sie um Einiges älter.

In eine Schablone oder Schublade lässt sie sich nicht stecken. Vielmehr meint sie mit Schablone die Bühne. Und keine Frage, da ist sie zuhause, das ist ihr Ding. Voller Energie tanzt, singt, spielt, plaudert und schwadroniert sie, was das Zeug hält – und das gute zwei Stunden lang.

Irgendwie verkörpert „La Signora“ eine Mischung aus vielen Gestalten. Da stecken sowohl Rumpelstilzchen und Pumuckl drin als auch die Hexe, die gute Fee und das Kind. Multitalent Carmela de Feo ist mal anrüchig und schlüpfrig, mal bezaubernd und engelslieb. Gleichzeitig ist sie auch direkt und entlarvend ehrlich.

Es ist meist Alltägliches, dem sie sich genüsslich widmet. Sie seziert die Dinge und Themen wie Thermomix, Männer, Liebe, das Grillen, Abgase im Straßenverkehr, die Hausfrau und dergleichen genüsslich, um die eigentlichen Wahrheiten überspitzt zu postulieren oder auch ad absurdum zu führen.

Gleichzeitig macht sie Mut und verkündet: „Misserfolg ist auch ein Erfolg – nur anders.“ Genau das ist die Signora’sche Art und Auffassung. Stets kann das letzte Wort alles umkehren oder in Frage stellen. Und: Glücklich sein, das ist für sie keine Option. „Denn das will man dann jeden Tag, macht also abhängig“, erklärt sie. Und so macht es ihr auch nichts aus, mies drauf zu sein. „Denn der Tod macht einen Riesenbogen um miesgelaunte Frauen – also leben wir auch länger als Männer.“

Immer wieder greift sie an diesem Abend zum Akkordeon. Dabei präsentiert sie bekannt Hits, wobei sie die Texte auf Deutsch und in ihrer kabarettistischen Art serviert – mal sarkastisch und satirisch, dann wieder lustig und gedankenverloren.

Schließlich entpuppt sich die Künstlerin auch noch als Meisterin der Stand-up-Comedy. Sie bezieht das Publikum ein ums andere Mal mit ein und verarbeitet das aus den Menschen Herausgekitzelte so geschickt, dass es den Anschein hat, als wäre dies genau so im Programm geplant gewesen.

Wie ein Roter Faden ziehen sich die freiwillig-unfreiwilligen Publikumsinfos durch den Abend und machen ihn auch gerade deshalb zu einer kurzweiligen und köstlichen Angelegenheit. „Signora“ versteht eben ihr Handwerk.

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