Rheinfelden Bekloppte im Büro

Andrea Volk sorgte für gute Unterhaltung. Foto: Gerd Lustig Foto: Die Oberbadische

Von Gerd Lustig

Rheinfelden. Sie plaudert, wie ihr das schnoddrige duisburgerische Mundwerk gewachsen ist –­ ohne Punkt und Komma. Den gepflegten Plauderton beherrscht die Kabarettistin, Comedian und Moderatorin aus dem Effeff. Unterbrechen lässt sie sich allenfalls mal durch die herzhaften Lacher aus dem Publikum. Und so wird es im Rheinfelder Bürgersaal beim ersten offiziellen Kulturevent in der Corona-Pandemie ein unterhaltsamer Abend.

Nicht Politik oder Gesellschaftskritik sind Volks Ding, sondern eher das nur vordergründig Seichte. Doch just dieser Alltag hat es in sich und birgt süffisante sozialkritische Elemente in sich.

Die Künstlerin kommt locker sympathisch daher und serviert mit allerlei sprachlichen Verballhornungen ihr Programm „Feier-Abend – Büro und Bekloppte“. Darin seziert sie genüsslich den Alltag in vornehmlich Großraumbüros, und nimmt deren scheinbare, bisweilen auch offensichtlich zu Tage tretenden Skurrilitäten und Absurditäten auf die Schippe. Sie setzt sich mit dem alltäglichen Wahnsinn im Büro auseinander und lässt in Figuren wie der Bio-Susi. der Dramen-Doris oder dem Baumwoll-Heinz das Geschehen in ironisierender Weise aufleben. Schließlich verbringen ja die meisten Menschen die meiste Zeit ihres Lebens im Büro. Da ist für Volk der genaue oder genauere Blick schier unumgänglich.

Und so bleiben die knapp 90 Minuten spannend und süffisant bis zum Schluss. Ganz nebenbei gibt Andrea Volk Tipps und Tricks zum Überleben im Büro-Alltag und ermöglicht Sichtweisen, auf die man erst mal kommen muss.

Das Programm ist wunderbar aus dem Leben gegriffen und überzeugt durch gut beobachtete und entlarvende Ehrlichkeit. Gefangen zwischen „Meetings und „Mahlzeit“ übt Volk das Überleben im Büro 4.0: Was kann man tun gegen den Flächennutzungsplan am Kühlschrank? Wie Meetings schöner aussitzen? Und wie praktiziert man den digitalen Wandel, wenn das „Kompetenzteam“ aus mehr Nullen als Einsen besteht? Auf all diese und noch mehr Fragen gibt die Kabarettistin prompte Antworten – zumeist köstlich und amüsierend.

Dazu lässt Andrea Volk den Kleinkrieg am Kopierer eskalieren, übt mit Bio-Susi so genannte Achtsamkeitstrainings in der Teeküche, dem Herzstück des Büros, und lässt gegen Bürokraten-Terror-Fuzzis à la Erich Honecker scharfe Wortgeschütze gegen die scheinbar ach so toll geregelte Welt auffahren.

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