Rheinfelden Bläser und Orgel im intensiven Dialog

Jürgen Scharf
Das Trio Cantabile mit Irmtraud Tarr (vorne), Heike Rügert und Heiner Krause, hier an der Orgel in der Schlosskirche Beuggen. Foto: Jürgen Scharf

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden-Beuggen - Ein Konzertprogramm – zwei klangliche Welten: Das Trio Cantabile mit der Klarinettistin Heike Rügert, dem Hornisten Heiner Krause und der Organistin Irmtraud Tarr trat dieser Tage in zwei verschiedenen Kirchenräumen auf – der Beuggener Schlosskirche und der St. Galluskirche Ötlingen – und brachte dabei von Seiten der Orgeln die instrumentale, aber auch atmosphärischen Unterschiede der Spielstätten buchstäblich zum Klingen. Zwischen den beiden Kirchenorgeln liegen klangliche Welten. Im Gegensatz zu der gut gestimmten Orgel in Ötlingen hat die störungsanfällige Beuggener Schlossorgel (im Organisten-Jargon werden solche Instrumente „Traktor-Orgeln“ genannt) ihre Tücken, und es fehlt ihr das Schwellwerk. Daher musste Irmtraud Tarr in César Francks Prélude, Fugue et Variations op.18 für Orgel solo die Manuale wechseln; schließlich konnte sie nicht auf den Tönen ausruhen, weil kein Schweller vorhanden ist.

Dank ihrer Attacke, ihrem Temperament und ihrer Emphase ist das Spiel der energiegeladenen Rheinfelder Organistin auch an unzulänglichen Instrumenten von erstaunlicher Lebendigkeit. Tarr versteht es, sich über die instrumentalen Widrigkeiten nonchalant hinwegzusetzen.

Zusammen mit dem mit bemerkenswerter Intonationssicherheit auftretenden Hornisten Krause und der mit hervorragender Tonqualität, voller Natürlichkeit und sensibel spielenden Klarinettistin Rügert entstand im Verbund mit der Orgel ein Musizieren in kammermusikalischer Dichte. Die Instrumente waren in guter Klangbalance zu hören.

Die technisch bessere Orgel der Galluskirche war der Organistin bei den dynamischen Steigerungen und Übergängen hilfreich. Etwa im Allegro-Satz des Händel-Konzerts in F-Dur oder in verschiedenen berühmten Bach-Stücken wie der von Irmtraud Tarr kühn bearbeiteten d-Moll-Toccata.

Fesselnd und überzeugend ist der Block mit drei Tangos von Astor Piazzolla: „Ave Maria“ in exquisitem Trio-Klang, „Libertango“ als Orgelsolo schlichtweg hinreißend. Was nur zeigt, dass der argentinische Erfinder des Tango Nuevo genauso unverwüstlich ist wie Bach.

Nicht zuletzt ließ dieses Programm auch eine vergessene Seite der Orgel als graziöses Instrument geistvoller Unterhaltung aufscheinen.

Die Orgel als graziöses Instrument und „alte Frau“

Die neue Trio-Formation stellte sich in verschiedenen Stücken in Komplettbesetzung vor, etwa in Bachs Choral „Jesu bleibet meine Freude“, bei dem Heiner Krause kantabel und klar den Cantus firmus herausstellt und Irmtraud Tarr die Melodie girlandenhaft umspielt. In dem schwungvoll und stilsicher hingelegten Ausflug in den englischen Barock zum Hornpipe von Händel konnte Krause die tonlichen Fähigkeiten des Horns ausreizen.

Die beiden Bläser traten in verschiedenen Besetzungen in den Werken zwischen Renaissance, Barock, Klassik, Spätromantik und Moderne in einen intensiven Dialog mit der Organistin. Ein von Krause tonschön geblasener Konzertsatz von Michel Corrette und das Mozart-Adagio, das Rügert mit Kantabilität in Reinkultur zelebriert gingen geschmeidig ins Ohr.

In Rheinfelden hörte man das Eröffnungsstück „An hellen Tagen“ von Giovanni Gastoldi gleich zwei Mal, auch als Zugabe am Schluss, denn anfangs war die von Tarr als „alte Frau“ betitelte Orgel hier ausgefallen.

Für den Ausklang mit „Nature Boy“ wechselt Heike Rügert zum Saxophon, das sie ebenso famos wie die Klarinette beherrscht. Dieses flotte Stück und der Spielwitz der Interpreten machte rundweg Freude.

Beim Auftritt in Ötlingen waren die drei gut aufeinander eingespielten Instrumentalisten dann endgültig im „Flow“ und wuchsen über sich selbst hinaus. Die interessant und farbig besetzte, crossover-begabte Dreiergruppe ist auf Erfolgskurs!

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