Rheinfelden Brombach-Winnetou an Schweizer Grenze

Jürgen Scharf
Lachen in Zeiten von Corona: Das kann man in Volkmar Staubs neuem Kabarettprogramm. Foto: Jürgen Scharf

Rheinfelden - Kabarett in Zeiten von Corona: Nach zwei Jahren Pandemie kehren die Kabarettisten wieder zur Normalität zurück: mit einigen Folgenabschätzungen und Corona-Galgenhumor. Der Krieg in der Ukraine ist jetzt das neue Thema im Kabarett, wie das Programm „Ausreden“ von Volkmar Staub in der Reihe „Kabarett im Bürgersaal“ zeigt.

Das aktuelle Bühnenprogramm des in Berlin lebenden badischen Kabarettisten ist am Nerv der Zeit. Staub steigt gleich mit der Welt nach Corona und mit dem Krieg und Putin ein. Wie sollte man in diesen Tagen denn lachen? Und wie geht Humor in Zeiten von Pandemie und Krieg?

Der Kremlchef auf der Couch

Staub verarbeitet die politische Weltsituation auf seine Art: satirisch. Er will den Namen „Putin“ nur noch französisch aussprechen, weil das dann nach Schimpfwort klingt. Den Kremlchef legt er auf die Couch und macht eine Psychoanalyse über ihn und „Mütterchen Russland“.

Neugierig ist das Publikum, das neuerdings mehr ohne als mit Maske im Saal sitzt, ob und wie man Corona „weglachen“ kann. Nach zwei Jahren habe man sich an Corona gewöhnt, an das Maskentragen, das Händewaschen, die Hamsterkäufe, das Hin und Her zwischen Lockdown und Lockerungen.

Durch die Distanz und die kabarettistische Aufbereitung erkennt man gut das Absurde und Komische an der Welt nach Corona.

Weitere Themen Staubs sind die Aufrüstung der Bundeswehr, die Militaristen, die aus dem Boden schießen, die Missbrauchsskandale der Kirche, die Aufarbeitung der Maskendeals, die Armutsschere, die politische Correctness der Sprache (schwarze oder farbige „People of Colour“?), das Gendern und die Modethemen Achtsamkeit und Waldbaden. Ein längerer Block widmet sich der Regierung und Olaf Scholz („Sam Hawkens von der Binnenalster“).

Die Energiewende demonstriert der Kabarettist und Gitarrist mit einem „Energiewende-Blues“, den gläsernen Menschen und Kontrollwahn bringt er im „Glaskugel-Blues“ zur Sprache, und auch das Grundeinkommen findet Staub so schön, dass er ein Lied darüber geschrieben hat.

Wie Kretschmann ist auch Staub nach wie vor ein großer Diesel-Fan, wie er im „Diesel-Song“ kundtut. Ebenso treffend wie komisch ist es, wenn er den Ministerpräsidenten als „Highländer“ die neue Eigenwerbung „The Länd“ auf schwäbisch erklären lässt.

Sozialdemokraten die Leviten gelesen

In seiner schon legendären Winnetou-Rolle mit nacktem Oberkörper liest er, wie seit 20 Jahren, den Brüdern vom Stamme der Sozialdemokraten, die Leviten. Diese Bühnenfigur ist ein humorvoller Einschub in Staubs Polit-Programm. Auch diesmal mit gekonnten, ideenreichen Wortspielen und reichlich Witz.

Neben seiner bewährten Winnetou-Nummer, bei der er sich mit einiger Selbstironie durch den Kakao zieht („Corpulent Identity: Jeder kriegt sein Fett weg, nur ich nicht“), ist die 007-Filmparodie über den Wirecard-Skandal, in der Superagent James Bond den „Bö(r)se(n)wicht“ verfolgt, sehr gelungen.

Im neuen Programm des „Berliners an der Schweizer Grenze“ oder „Brombachers in Rheinfelden“ (Staub über Staub) finden sich witzige, zeitkritische und hintergründige Kabarettnummern.

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