Rheinfelden Das schönste Instrument

Foto: Jürgen Scharf Foto: Die Oberbadische

Von Jürgen Scharf

Rheinfelden-Beuggen. Theo Mackebens langsamen Foxtrott „Bei dir war es immer so schön“ spielte das achtköpfige Ensemble Cellissimo als Zugabe nach dem begeisternden Konzert in Schloss Beuggen – und das zahlreiche Publikum teilte diese Meinung. Natürlich war es auch kein Zufall, dass der Rittersaal bei diesem Cello- Ereignis so voll war wie im Vorjahr, glauben wir mal, was Denis Severin, der künstlerische Leiter der Schlosskonzerte, so charmant behauptet: „Das schönste Instrument auf der Welt ist das Cello“.

Vielleicht gibt es deswegen auch so viele gute Cello-Ensembles. Ob es die Cellisten der Berliner Philharmoniker sind oder dieses Cello-Ensemble der Hochschule der Musik Genf, bestehend aus jungen Talenten aus Frankreich, Lettland, Weißrussland, Bulgarien und Spanien, die in der Celloklasse von Severin studieren – sie kommen alle nicht an Astor Piazzolla vorbei. Sehr zum Leidwesen der Cellisten hat der Argentinier und Erfinder des Nuevo Tango nur wenig Originales für Cello geschrieben, daher greifen sie auf Bearbeitungen für ihre Besetzung zurück.

Am Sonntag hörte man eine für Celloquartett und eine für fünf Celli, nämlich das für das Boston Cello Quartet arrangierte melancholische „La Muerte del Angel“ und den berühmten Tango „Oblivion“ in gefühlvollem und rhythmisch-vibrierendem Spiel.

Wie ein kleines Opernorchester

Eine klangvolle Bearbeitung war das Intermezzo aus der Oper „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni für sechs Solocellisten von David Johnstone. Hier klang das Ensemble Cellissimo schon wie ein kleines Opernorchester! Aber noch interessanter als diese Arrangements sind Originalwerke; das war auch an diesem Abend zu hören.

Es gibt ja tonnenweise Material von komponierenden Cellisten oder cellospielenden Komponisten über die Jahrhunderte. Vom Cellisten und Komponisten Giovanni Sollima, der in Italien lehrt, stammt der witzig und schräg klingende „Marcia“, ein Cello-Spaß mal acht.

Sieben Cellisten und viel Humor

Begonnen hat das Konzert mit der „Fantaisie pour la classe d’ excellence“ und sieben Cellisten, für eine Meisterklasse mit viel Humor komponiert von Javier Martinez Campos – mit viel Gusto, Spielfreude und kräftigem Bogenstrich wiedergegeben. Das war zum Schmunzeln für Kenner, hat Campos hier doch Zitate als kleine Schnipsel aus berühmten Cellokonzerten von Schostakowitsch, Haydn, Prokofjew und Dvorák in sein Stück hineinmontiert nach dem Motto „Erkennen Sie die Melodie“?

Der Höhepunkt dieses Konzerts mit dem temperamentvoll, souverän und intensiv aufspielenden Cello Ensemble waren aber die „Trois Jardins“ für sieben Violoncelli von Guillaume Connesson, ein Originalstück. Sehr spezielle, sehr expressive und farbige Musik, auch höchst anspruchsvoll. Klanglich stimmungsvoll beschrieben werden darin ein englischer, japanischer und französischer Garten. Das Ambiente jedes Gartens wird musikalisch gelungen eingefangen.

Das Lento des „Jardin Japonais“ erklang wie ein Ritual, der „Jardin Francais“ in einem statuarischen Maestoso. Wo bleibt der deutsche Garten? Denis Severin will den Komponisten bitten, diesen noch zu schreiben. Im Ohr blieb aber auch das beseelt, mit vollem Klang und warmer Tongebung gespielte jüdische Gebet „Avinu Malkeinu“ in einem Arrangement von Max Janowski.  Nicht verpassen sollte man das Schlosskonzert am 28. Juli, 17 Uhr, einen Liederabend mit der Weltklasse-Sopranistin Regula Mühlemann und ihrer Klavierpartnerin Tatiana Korsunskaya.

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