Rheinfelden Dem Alltag Abwechslung geben

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FamZe-Geschäftsführerin Birgitt Kiefer (rechts vorne) und Vorstandsmitglied Stefan Heinzel (rechts hinten) freuen sich über das rege Engagement der „Radeln-ohne-Alter“-Gruppe. Über 3500 Kilometer wurden 2021 in 450 Touren gefahren. Foto: Rolf Rombach

Als Erfolgsgeschichte bezeichnet Stefan Heinzel vom Vorstandsteam des Familienzentrums (FamZe) Rheinfelden das Projekt „Radeln ohne Alter“ (RoA). Mit inzwischen zwei elektrisch unterstützten Fahrrad-Rikschas bietet der Verein kostenlose Rundfahrten an, bei denen Menschen unterschiedlichster Generationen miteinander ins Gespräch kommen können.

Rheinfelden (rom). Als am 1. September 2019 der Bonner Verein „Radeln ohne Alter“ Station in Rheinfelden machte, hätten vermutlich die wenigsten Beteiligten daran gedacht, dass es keine zwei Jahre später bereits gleich zwei solcher Gefährte am Hochrhein vorhanden und bei schönem Wetter fast dauerhaft unterwegs sind.

Das FamZe hat seit 2020 inzwischen 46 Personen, Piloten genannt, im Umgang mit dem sperrigen Gefährt geschult. Im ablaufenden Jahr wurden in 416 Fahrten 650 Gäste über die beeindruckende Gesamtstrecke von 3500 Kilometern kutschiert. „Das entspricht der Strecke von hier bis ans Nordkap“, erläuterte Heinzel im Pressegespräch am Freitag. Mit dabei auch Fahrer aus beiden Orten, die regelmäßig Touren anbieten. Wobei hier eine Besonderheit auffällig ist, wie Geschäftsführerin Birgitt Kiefer erzählte: „Es ist die einzige Gruppe im FamZe, bei der die Männer die Mehrheit haben.“

Es sei ein tolles Gefühl für Fahrer und Gäste, sagt Pilot Bruno Winter über die Rundfahrten. Für ihn sei es eine Möglichkeit, Menschen das Kostbarste zu geben, was man habe: Zeit. Daher sei das Ziel des Projekts auch, Menschen aus der Vereinsamung zu holen – raus aus dem monotonen Alltag. Pensionär Wolfgang Lorenz pflichtete dem bei. Der Dialog mit den Gästen sei eine tolle Erfahrung: „Es gibt auch ergreifende Momente.“

Gegend gemütlich erkunden

Mit etwas mehr Zeit gibt es dann auch Möglichkeiten, größere Touren zu fahren. Steffen De Groot fährt von der Wyhlener Himmelspforte gelegentlich bis nach Basel. Das Trinkgeld leiten er und seine Mitpiloten an das Projekt weiter. Davon werden die Wartungen und Reparaturen bezahlt. „Einmal ist der Akku ausgestiegen. Am Berg musste ich dann schieben. Aber die Mitfahrer waren sehr geduldig“, lacht Gerhard Zenke beim Erzählen einer besonderen Fahrt.

Insgesamt sind die Rikscha-Touren sehr entschleunigend. Mit 15 Stundenkilometern wird gemütlich die Gegend erkundet, was auch die Piloten schätzen gelernt haben. Und erstaunlicherweise sind die weiteren Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll, wie berichtet wird.

Fast alle Senioreneinrichtungen in Grenzach-Wyhlen und Rheinfelden sind am Projekt inzwischen regelmäßig mit Bewohnern beteiligt, dazu die Seniorenabteilungen der Rathäuser. Die Tagespflege der Rheinfelder Caritas hat sogar gleich drei Mitarbeiter zu Piloten ausbilden lassen. Die Gästelisten sind zum Teil über mehrere Wochen ausgebucht. Dankbar ist man im Familienzentrum, dass die Pflegekräfte sehr unterstützend sind, auch wenn dies Mehrarbeit bedeutet. Nicht zuletzt benötigen viele Mitfahrer Hilfe beim Ein- und Aussteigen.

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